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Der Israelit · 1864-06-08 · Heft 23 (8.6.1864) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 23 (8.6.1864)
Date
1864-06-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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310 Ewigkeit und werden für ihn sprechen am Throne des Allmächtigen. Von einer der großen Synagogen der prachtliebenden Hauptstadt Frankreichs erzählt uns das erwähnte Journal eine eigenthümliche Geschichte: in dem in der ras I^amartias belegenen sephardischen Tempel ist es plötzlich — Tischah Beab geworden; der Hechal ist nämlich des Vorhangs (rn->s) beraubt/ Wie kömmt das? Was mag wohl die Ursache dieser sonderbaren Erscheinung sein? Höre, Leser, und staune! eine der großen Synagogen der Weltstadt Paris hat nur ein rQis und an diesem ist eine Reparatur nothwendig geworden; in Folge dessen erscheint der Hechal an Sabbaten wie an Wochentagen bereits einen Monat lang entblößt, wie wenn es Tischah Beab märe! Die sephardische Gemeinde in Paris ist sehr reich, ihre Mitglieder wohnen in Palästen, die von edlen Metallen, prachtvollen Gemälden und kostbaren Teppichen strotzen. Wir glauben kaum, daß in der ärmsten Dorfgemeinde Aehnliches Vorkommen könnte. Wenn wir nicht sehr irren, so besitzt jener Tempel ein für ein jüdisches Gotteshaus höchst überflüssiges Möbel, eine Orgel nämlich. Wie wär's, wenn die Verwaltung diese verkaufen und einige Vorhänge für die heilige Lade dafür beschaffen möchte? — Von Marocko laufen wiederum betrübende Nachrichten ein. Der Vice Gouverneur von Mogador hat einem Israeliten die Bastonnade geben lassen, weil er mit beschuhten Füßen an einer Moschee vorübergegangen ist; ein jüdischer Schneider hat die Bastonnade erhalten, weil er sich weigerte, für den Gouverneur der Provinz Haha Kleider anzufertigen, bevor ihm der Preis fiir seine Arbeit bestimmt worden sei. Als der Schneider sich hierauf beklagte, ging der Oberrabbiner zum Gouverneur, um ihn auf das Decret des Kaisers aufmerksam zu machen. Der Gouverneur sprach hierauf sein Bedauern aus, daß er dem Schneider nicht 2000 statt 200 Hiebe auf die Fußsohlen habe geben lassen und fügte dann hinzu, daß die Bastonnade auch dem Oberrabbiner zu Diensten stehe. Dieser beklagte sich dann beim italienischen Consul, der den Gouverneur wegen der Drohung gegen den Oberrabbiner zu Rede stellte; von dem armen, geschlagenen Schneider war schon gar nicht die Rede mehr. Aus allen Provinzen werden Presse berichtet, die sich verdoppelt haben, seitdem jene Wilden merken, daß eine höhere Hand den Aeußerungen ihres Fanatismus Einhalt thun will, vp sM.ib 'v WOV2V 1^2«! — Feuilleton. Die Vertreibung -er Juden aus Tyrnau in der Mitte des 17. Jahrhunderts. (Fortsetzung von Nr. 17. 18.) Mittlerweile war der junge Mann in seiner Wohnung angekommen. Auf seinem Heimwege hatte er über die Besorgnisse des Rabbi Nachum nachgedacht, und deren Triftigkeit wohl erkannt. Allein schon jetzt hob ihn ein solcher Glaubensmuth über alle diese Bedenklichkeiten hinweg, wie wenn er schon seit Jahren mit Leib und Seele Jude gewesen wäre. Und hatte ihn bisher fast allnächtlich der Schlaf geflohen, so erquickte ihn diesmal ein sanfter, ruhiger Schlummer. Gegen Tagesanbruch hatte er einen merkwürdigen Traum — Er stand auf dem Gipfel des Sinai. Zu seinen Füßen grollte der Donner, zuckten Blitze, ballten sich die Wolken. Doch über ihm prangte der reine, blaue Aether, und in dem offenen Himmel wogten tausend und aber tausend Lichtgestalten. Mit einem Male schwebte, von rosigem Gewölke getragen, ein Engel zu ihm heran. Dieser reichte ihm voll himmlischen Liebesreizes die Hand und sagte: Komm mit mir. Ich will dich durch die geöffneten Himmelspforten in die Wohnung der Seligen führen. Der Boden wich unter ihm; schmelzende, hinreißende Töne klangen in sein Ohr; er zog ihn hinan. Alle Geister der Frommen und Heiligen Israels konnte er sehen, und seine Brust schwoll von Sehnsucht, diesen leuchtenden Vorbildern gleich zu werden. Da zeigte ihm sein Führer unter Anderen eine Schaar himmlischer Wesen, deren Glorie besonders schön strahlte, lauter Gestalten, deren Antlitz hell wie die Sonne leuchtete. Wer sind diese? fragte der Jüngling. — Es sind die Seelen derjenigen, die auf Erden ihr Leben freudig für die Heiligung des göttlichen Namens Hingaben. Er betrachtete nun genauer diese herrlichen Wesen; doch, geblendet von dem ungewöhnlichen Glanze ihres Lichts, mußte sein Auge schmerzlich zusammenzucken, und-der schöne Traum war zu Ende. » (Fortsetzung folgt.)

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