Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1864-05-11 · Heft 19 (11.5.1864) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 19 (11.5.1864)
Date
1864-05-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447141-2447160--02618-2457964
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

256 ein Mann, der seine Tage und Nächte ausschließlich dem Thorastudium widmete, während seine Gattin Deborah. eine b'n im wahrsten Sinne des Wortes, unter Beihilfe ihrer vier Söhne einem ausgedehnten Ledergeschäfte Vorstand.*) Ein Zweig dieser Familie wurde später unter dem Namen „von Salmsfeld" geadelt; ein Mitglied derselben hat sich im italienischen Kriege ausgezeichnet, und ist, wenn wir nicht irren, jetzt Stabsoffizier. In ganz anderer Weise zeichnete sich Manni Jerusalem aus; er war O'idn -ri' hielt streng und treu am Gottgeoffenbarten jüdischen Religionsgesetz, beobachtete Sabbat, Festtage und Speisegesetze auf's Genaueste und lebte gänzlich der Ttzohlthätigkeit. Wie mancher Arme verdankte ihm seinen Unterhalt, wie reiche Gaben spendete er an arme Talmide Chachamim, wie viele Bräute hat er ausgestattet, wie viele Hungrige gesättigt, wie viele Kranke gekräftigt, wie viele Nackte bekleidet! Man hat berechnet, daß die von ihm gespendeten Gaben jährlich sich auf eine Höhe von 10,000 st. beliefen. Dabei war er ein höchst einfacher, anspruchloser Mann, der am liebsten im Geheimen spendete. Täglich kam ein Talmudgelehrter zu ihm, um mit ihm gemeinschaftlich einige Stunden dem Thorastudium obzuliegen; täglich besuchte er die Synagoge (die Privatsynagoge seiner Familie im Stammhause am Dreibrunnenplatze), so daß die erhabenen Grundpfeiler des Judenthums .-inwp auch die Grundlage seines Lebens bildeten; ein schönes Leben, das nur 58 Jahre zählen sollte! *) Anm. der Red.: Als der Vater des Herausgebers d. Bl. unter dem in Prag „lernte", fand er im Hause des Rabbi Jacob Jerusalem die gastfreieste Aufnahme und trat später in dessen Geschäft ein. Das war in den Jahren 1785 — 89. Seine einzige Tochter, Frau Rosa von Port- Heim, hat bei Gelegenheit seines Leichenbegängnisses 500 fl. an die jüdischen und 500 fl. an die chr. Armen vertheilen lassen, und hat damit bewiesen, daß sie nicht allein die Erbin des großen Vermögens, sondern auch die Erbin der Tugenden ihres allgemein tiefbetrauerten Vaters ist. — Möge sie in seinem Sinne und Geiste ferner fortwirken, damit der Verlust nicht ein zu schmerzlicher sei. Päpa, den 13. Nissan. Die Georgi-AusziehzeiL dieses Jahres ist am 3 Chol-hammoed-Tage und dieser Tag ist es eben, welcher die strettgreligiösen Jude» -- hier eine zahlreiche Menge — unangenehm berührt, ja ihnen das Einziehen in ein bisher von Nichtjuden bewohntes Local — während des Peßach-FesteS — beinahe unmöglich macht; daher war dem abzuhelfen vonnöthen. Der allgemein beliebte und wahrhaft fromme Rabbinats - Verweser, Herr W. M. Pser Hofer, scheute keine Mähe, that die in dieser Angelegenheit nothwendigen Schritte und — ror» O'QL'.-i so — erwirkte, daß Nachstehendes heute publicirt wurde: „Es wird hiermit jedermann kund gegeben, daß die diesjährige Georgi-AusziehzeiL nicht am 24. dieses, sondern am 2. k. M. ftattfinden, hingegen die Zinszahlungszeit unverändert verbleiben muß." Demzufolge sind Juden und Nichtjuden, Hausbesitzer und Inwohner vollkommen befriedigt. — Dieser edle Vorgang stellt der hierortigen Stadt-Repräsentanz und dem Herrn Bürgermeister N. v. Vilags das wohlverdiente Zeugniß der Toleranz und des humanen Gefühles für Gleichberechtigung aller Confessionen FUs. Es gereicht überhaupt der hiesigen Stadt zur großen Ehre, daß deren sämmtliche Bewohner, ohne etwaige Verletzung oder Antastung ihrer verschiedenen Religionsgrundsätze, auf freundschaftlichem Fuße und im ungetrübten Frieden leben. Anzeigen. Anzeige und Luixfehümg. Der Unterzeichnete (seit 12 Jahren Sekretair am Kgl. Bezirks- und Handels-Gerichte) hat ein Geschäfts und CousultationS- Bureau errichtet und besorgt alle ehrenhaften Aufträge prompt und gewissenhaft. Frankenthal (Baier. Pfalz), im Mai 4864. Rupperts Hoven - Boll. Der 3. Kursus -es IiM-IüMllts. zur Ausbildung von Cantoren, beginnt im Anfänge des Monats Mai d. I. Königsberg in Pr., im April 1864. H. Weintraub, Cantor.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.