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Der Israelit · 1864-04-20 · Heft 16-17 (20.4.1864) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 16-17 (20.4.1864)
Date
1864-04-20
Page
– (sequence 21)
Language
German
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229 stunde Ihre Ruhe störe; allem die Angelegenheit, die mich zu Ihnen führt, machte die Wahl dieser ungewöhnlichen Zeit nothwendig." Der Rabbi, anfangs von diesem geheimnißvollen Besuche fast erschreckt, wurde durch die sanfte, wohlklingende Rede des Jünglings gleich wieder beruhigt, und fragte nach dessen Begehr. „Ich bin ein Christ, — lautete die Antwort, — mein Name thut nichts zur Sache, und wünsche durch Sie in den Bund Israels ausgenommen zu werden." Diese seltsame Zumuthung machte den Rabbi aufs neue und noch heftiger erschrecken, und all die furchtbaren Gräuelscenen stiegen vor seinem Auge auf, die in Folge ähnlicher Zumuthungen von seinen Glaubensgenossen erduldet werden mußten. Er kämpfte mit Mühe diese Schreckensbilder nieder, und fragte mit beklommener Stimme: „Welches ist der Beweggrund zu Ihrem Entschlüsse, mein Sohn. Bedachten Sie wohl, welche traurige Folgen ein solcher Schritt für Sie, für mich und für die ganze Gemeinde haben könnte, wenn er ruchbar würde? Lasten Sie Ihren Entschluß fahren." „Ich habe alles erwogen, mein Herr Rabbi. Dieser Entschluß ist seit Jahren in meinem Herzen immer mehr reif geworden; meine Seelenruhe hängt von demselben ab, und müßte ich mein Leben den größten Gefahren dadurch aussetzen, ich gebe ihn nie und nimmer auf. Die Ruhe und Festigkeit, mit der der Jüngling dies gesprochen, waren ein Zeichen für die Unerschütterlichst und den Ernst seines Entschlusses. Aber der Rabbi, noch immer nicht ganz beruhigt, ließ auch von seiner Abmahnung nicht ab, und sprach: „Gestehen Sie mir offen, junger Mann, welche Vortheile Sie durch den Uebertritt zum Judenthume zu gewinnen hoffen. Ist es vielleicht die Liebe zu einer Tochter unseres Volkes, die Sie zu diesem Schritte treibt?" Dann blickte er ihn mit seinen durchdringenden Augen an, als könne er bis in das Innerste seines Herzens dringen. (Fortsetzung folgt.) Das Uaht am Uchachaßend. Hell erleuchtet ist die Hinterstube Festlich ist der große Tisch geschmückt, Munter hüpft das Mägdlein und der Bube Von der Mutter freundlich angeblickt. Und der Vater — bald wird er erscheinen Aus dem Tempel tretend in den Kreis der Seinen. „Seid gegrüßt zum schönen Peßachfeste, Zu der Freiheit- und Erlösung-Zeit, Diese Armen bring ich euch als Gäste, Unsre Tischgenosten sind sie heut. Denn so lauten unsre heuigen Lieder: Wer da hungrig, setz' zu uns sich nieder!" So der Hausherr, der sodann die Hände Segnend auf das Haupt der Kinder legt. — Freude strahlet jetzt an jedem Ende, Freudig ist das ganze Haus bewegt. Auch des Hauses Diener sind im Bunde, Mitgenosten in der Peßachstunde. Gegen Mitternacht — um jene Stunde Für Israel stets so gnadenreich — Setzet sich die ganze Tafelrunde Und der Niedre ist dem Hohen gleich. Nur der Hausherr thronet an der Spitze Wie ein König auf erhabnem Sitze. Vor ihm liegt in hergebrachter Weise Aufgehäuft das ungesäurte Brod, Denn die Freiheit würzet jede Speise? Und so ziert dies Fest „das Brod der Noth" In den Kelchen glänzt der Saft der Reben Weil die Freude mit erhöht das Leben. Mit gefülltem Kelch das Mahl beginnet Zur Erinn'rung an der Freiheit Zeit, Doch bevor der Wein dem Glas entrinnet Wird er durch den Segenfpruch geweiht. Auch am Brod, bevor es wird gebrochen Werden Weiheworte laut gesprochen. — Brod und Wein und heilige Gesänge Wechseln nun mit Speisen mancherlei; Denn die Hausfrau fügt der Speisen Menge Und das Seltene dem Feste bei. — Doch wird die Weihe nicht im Glas ertränket Und die Zahl wird nur auf vier beschränket. Dreien Schmerzmomenten aus den Tagen Israels im großen Strom der Zeit, Dreien Schlägen, die das Volk ertragen, Sind drei Opferkelche heut geweiht: Rom und Babel und die Pharaonen, Kannten kein Erbarmen, kein Verschonen. An oem vierten Glas ist jetzt die Reihe Ringsum hat die Hausfrau schon kredenzt, Doch bevor gesprochen wird die Weihe Wird ein hoher Becher noch ergänzt. Dieser Kelch — er gilt dem unsichtbaren Elias, — dem Freunde in Gefahren. — Denn so lautet die uralte Sage Daß zur Peßachnacht der Gottesmann Segen in das Haus der Gläubigen trage, Der das ganze Jahr sie schützen kann. Diesem unsichtbaren Gast zu Ehren Wird man jetzt das letzte Glas noch leeren.

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