Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 15 (13.4.1864)
- Date
- 1864-04-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2447141-2447157--02564-2457907- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
(Eingesandt.) Aus Oesterreich. (Herr Rabbiner Lazar Hororvitz und seine Vertheidigung*). Herr Rabbiner Lazar Horowitz in Wien, hat an mehrere Rabbiner eine schriftliche Rechtfertigung eingesendet, in welcher er denselben nichts Geringeres zumuthet, als daß sie ihre, gegen seine bekannten, gerichtlich beschwornen Aussagen, — unterfertigten Erklärungen, widerrufen möchten. Gleichzeitig wurden die Nabbinen in Galizien, namentlich die zu Lemberg und Brody von Herrn Horowitz und seinen dortigen Anverwandten aufgefordert und bestürmt, sich dem bekannten Proteste der Rabbiner nicht anzuschließen, sondern sich geradezu für seine Vertheidigung zu erheben. Wie tief müssen wir gesunken sein, wenn sich in unserer Mitte Individuen bereit finden lassen, für solche Thaten in die Schranken zu treten und die Aeußerurrgen des Herrn Horowitz und seines „ehrwürdigen Amtsbruders" vor Gott und der ganzen gläubigen jüdischen Bevölkerung zu vertheidigen und zu rechtfertigen. — Nichts desto weniger glauben wir auf diese Verteidigungsschrift ausdrücklich aufmerksam machen zu müssen, da sich Jedermann, der dieselbe einmal gelesen hat, auf das gründlichste überzeugen muß, daß diese Herren in ihrer Vertheidigung mehr eingestehen, als ihnen jemals zugemuthet wurde. — Wenn Herr Lazar Horowitz in seiner Rechtfertigung behauptet, daß er bisher als rechtgläubiger Rabbiner gelebt und gewirkt hätte, so haben wir ihm lediglich die unzweideutige Thatsache entgegenzustellen, daß der „ehrwürdige Rabbiner Horowitz" tagtäglich von Philippson, ^öw und Szantö auf das Eifrigste beschützt und vertheidiget wird, und dürfen uns somit die bescheidene Frage erlauben: hat je im Judenthume — wir kennen selbstverständlich kein anderes als ein orthodoxes Judenthum, im Gegensätze zu dem, von den Neologen im tl). Jahrhunderte neugeschaffenen modernen Judenthum, — wir fragen: *) Von einem Rabbiner, an den Herr Horowitz seine Rechtfertigung übersendet hat. hat je im Judenthume ein rechtschaffener gläubiger Jude gelebt, gleichviel Rabbiner oder Laie, der nicht von den schmutzigen neologischen Blättern beschimpft, ve. folgt und mit den verwerflichsten Lügen begeifert worden ist, und woher kommt es nun, daß eben der „ehrwürdige Rabbiner Horowitz" von Philippson, Löw und Szanto so herzinnigst umarmt wird, und diese ihm seit dem Augenblicke, da er die bekannte Erklärung im Kompert'schen Preßprozesse abgegeben hat, ihr ganzes Contingent von seilen Skriblern zu seiner Vertheidigung so bereitwilligst zur Verfügung stellen? Wenn wir aber dieses Ereigniß innigst und schmerzlich beklagen, und so tief auch Herr Horowitz durch seine bekannte eidliche Aussage vor einem katholischen Gerichtshöfe >-2: betrübt, gekränkt und beleidigt hat, so hätten wir es doch um seiner frommen Ahnen willen gewünscht, daß er die offenste Reue in aller Demuth vorgezogen hätte, als eine Ehrenrettung durch Namen und Personen anzustreben, über die das ganze positive Judenthum mit Entschiedenheit längst den Stab gebrochen hat. — Indem wir uns nun von dem Werthe einer solchen Vertheidigung überzeugt haben, wollen wir nur noch hervorheben, daß sich Herr Lazar Horowitz in seiner Rechtfertigung aus seine Vergangenheit und auf seine 35jährige Wirksamkeit beruft. — Was nun diese „Vergangenheit" und diese „35jährige Wirksamkeit" betrifft, könnten wir allerdings sehr interessante Zahlen und Daten mittheilen, die vielleicht manchen Leser dieser Blätter in Erstaunen setzen würden; allein wir gehören nicht zu Jenen, die die Feder ergreifen, um zürn Zeitvertreib der Kaffeehaus-Gäste irgend Jemanden zu kränken nnd herabzuwürdigen. Nein, wir setzen unser Wort dafür ein, daß uns eine solche Absicht fern liegt. — Ein ganz Anderes aber ist es, was uns zu dieser Kritik zwingt. — Eine schwerwiegende Schmach, die uns und unsere Hingeschiedenen Väter, Angesichts der ganzen jüdischen und nichtjüdischen Welt, betroffen hat, legt uns die traurige moralische Verpflichtung auf, diejenigen Namen und Personen, welche dies in der muthwilligsten Weise veranlaßt haben, in der ganzen wahren und nackten Bedeutung zu kennzeichnen. Wenn der Lebenszweck des Menschen, in nichts Anderem besteht, als nur für sich und die Seinigen