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Der Israelit · 1864-03-30 · Heft 13 (30.3.1864) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 13 (30.3.1864)
Date
1864-03-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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176 Doch die Seele, in des Staubes Hülle Fragt sich selber, in die Höhe blickend Zu dem Vater, den die Sterne loben: Hab' das Tagewerk ich wohl vollendet? Schaut' ich fromm und gläubig oft nach obm? Wie erfüllt' ich des Berufes Pflichten? Herr, mein Gott! das Herz ist schwer und bange, Angstvoll fleh' ich: Wolle mich nicht richten! Denn umstricket von der Thorheit Banden Folgt' ich öfters, ach, den bösen Trieben, Und geblendet von des Truges Schimmer, Hab' mit Ernstem ich nur Scherz getrieben. Darum decke mit der Gnade Fittig Gott und Vater! Deine reu'gen Kinder Und das Herz, das betet : Ach, verzeihe! O erhör' es, und vergib dem Sünder, Der mit Inbrunst fleht, mit Emst Dich suchet, Und voll Reu' im Staube niederknieet, Treu' Dir schwöret und dem Laster fluchet. Deine Vaterlieb ist ohne Grenzen; Ueber Sternen ragt sie, die so freundlich Und geheimnißvoll am Himmel glänzen. Ja, verborgen bleibt uns Deine Schöpfung, Unerforschlich, Herr, Dein höchstes Wesen! Doch das Herz, eS fühlt Dein mächtig Walten, Fühlt eS: Du nur kannst vom Tod erlösen! Freuet, Menschen, freuet Euch des Höchsten, Jauchzet Ruhmgesänge Seinem Namen, Ihn, den Myriaden Sterne loben: Preiset jubelnd! Halleluja! Amen! — 8. Auus, Religionslehrer. Reichmansdorf, Bayern, 1. Schewat 5624. Auszüge von Erzählungen, Gleichnissen, Gedanken und Meinnagen, wie Erklärungen von Schriftstelle« ans hebräische» Werken. Von övsepb Lavier in örsslan. RaLbi goschu», S. Chananjah's, erzählt (Erubm 63,2.): Er fand sich einst an Klugheit übertroffen von Knaben und Mädchen. Ich betrat einst einen Weg, der durch ein Ackerfeld führte. ES redete mich ein Mädchen an: „Rabbi, wie dürfen Sie hier gehen, ist dieses nicht ein Ackerfeld?" „Aber ich finde ja schon," erwiderte ich, „diesen Weg betreten". — „Kann es nicht sein," fuhr die Ermahnerin fort, „daß Zerstörungslustige ihn aus Muthwillen betreten haben?" * An einem Scheideweg frug ich einst einen Knaben, welches der kürzere Weg zur Stadt wäre. „Dieser hier," erwiederte der Knabe, „ist kurz uud lang, jener lang und kurz". Ich ging den kürzeren Weg. Als ich mich in der Nähe der Stadt glaubte, fand ich dieselbe von Gartenanlagen umgeben/ und ich konnte durch die Hecken und Zäune keinen Eingang finden. Ich ging zurück uud hielt dem Knaben vor: „Hast Du mir nicht diesen Weg als den kürzeren bezeichnet?" — „Fügte ich nicht hinzu," erwiderte derselbe sich rechtfertigend, „er sei auch lang, — damit meinte ich das schwierige Auffinden des Durchgangs durch die Gärten." „Ich küßte den Knaben und rief : Heil dir, Israel, wenn deine Jugend so klug ist." * * Ich traf einen Knaben, der in der Hand ein bedecktes Gefäß trug und fragte ihn: „WaS hast du in diesem bedeckten Gefäße?" „Die Mutter würde mir nicht befohlen, haben," antwortete der Knabe, „das Gefäß zu verhüllen, wenn der Inhalt hätte Jedermann bekannt werden sollen." — In Begriff in eine Stadt zu gehen, frug ich einen Knaben: „Wie schmeckt das Wasser in der nächsten Stadt?" „Daran," erwiderte er, „sollte dir weniger liegen. Rettige und Zwiebeln gibt eS da in Menge, diese fördem den Durst und machen also empfänglich für einen Trunk Wasser." * O » Ein Mädchen, welches an einer Quelle stand, Wasser zu schöpfen, bat ich. mir ein bischen zu trinken zu geben. „Hier ist etwas für dich und für deine Esel," lautete das freundliche Anerbieten. Als ich mich zum Weggehen anschickte, sagte ich dem Mädchen dankend: „Meine Tochter, du hast dich so schön benommen, wie Rebecka." — „Ich benahm mich," erwiderte sie, „wie Rebecka, doch du benahmst dich nicht so schön, wie Elieser." Dieser verband mit seinem Dank eine Belohnung und gefiel sich nicht darin, Gefälligkeiten ohne Gegengefälligkeiten anzunehmen.

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