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Der Israelit · 1864-03-16 · Heft 11 (16.3.1864) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 11 (16.3.1864)
Date
1864-03-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
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150 die Welt wäre verloren." — Er that so und ließ den Vogel ungestört in seinem Neste. Ein andermal las er in den Sprüchen Salomo's die bekannten Worte s: „Gehe hin zur Ameise, Du Fauler! betrachte ihre Weise und werde klug. Sie hat nicht Herr, nicht Aufseher und Fürst, und bereitet doch ihr Brod im Sommer, sammelt zur Erndtezeit ihr Futter." Da sagte er: „Ich muß doch sehen, ob es sich in der That so verhält, daß sie keinen Fürsten hat." — Er ging im hohen Sommer, als die Sonne heiß schien, nahm eine Decke und breitete sie über ein Ameisennest aus. Bald kam eine Ameise und freute sich des Schattens unter der Decke: denn die Ameisen lieben den Schatten und scheuen den Sonnenschein. Simon merkte sich ein Kennzeichen an der Ameise. Dieselbe kehrte wieder zurück, wohl, um den andern zu verkünden, daß ein hübscher Schatten eingetreten sei. — Sie kamen auch gleich munter heraus. — Jetzt aber nahm Simon die Decke wieder weg, und als nun die Sonnenstrahlen wieder heiß hernieder- > fielen, da stürzten sie alle über die arme Ameise her! und tödteten sie als falsche Lügnerin. — „Wohl,"! sagte Simon, „sie haben keinen Fürsten, sonst würden > sie bei diesem erst um Bescheid angefragt haben." — Also schloß Simon. — Ada indessen, der Sohn Rabats, wandte dagegen ein, das sei kein Beweis. Vielleicht habe sich der König darunter befunden, oder sei eS ein schon früher gegebenes Gesetz gewesen, daß die freche Lüge mit dem Tode bestraft werden soll; vielleicht auch habe es in einer Zwischenzeit stattgefunden, zwischen dem Tode des bisherigen Königs uud der Wahl eines neuen, wie es ja auch in der Schrift mehrmals heiße 3): „In diesen Tagen war kein König in Israel; jeder that, was ihm beliebte." — „Wir müssen uns vielmehr," sagte er, „auf die Glaubhaftigkeit Salomo's zerlassen, in welchem der Geist Gottes gewaltet hat." — Aber nicht nur ein Muster des Fleißes und der Sorglichkeil, hatten die Weisen gesagt, sei die Ameise, 2) Prov. 6, 6-S. 3) Richter 17, 6. 2l, ü. sondern auch der Ehrlichkeit; denn ohne Ehrlichkeit würde in dem Häuflein dennoch gar manche keine Vorsorge für den Winter treffen, sondern sich auf die Arbeit der andern verlassen und im Winter sich ihr Brod, wo ihr nicht geschenkt wird, durch List oder Gewalt zu verschaffen suchen, wie es ja unter Menschen auch geschehe. — Auch dieses wollte Simon durch eigene Erfahrung bestätigt sehen. — Er hatte lange Acht auf eineil Ameisenhaufen. Da sah er einmal, wie einer Ameise ein Waizenkörnlein von zweien, die sie schleppte, entfallen war. Die anderen kamen nacheinander und rochen daran und ließen es liegen, bis eben die Eigenthümerin zruückkam und es holte. „Wahrhaftig," rief Rabbi Siu.on jetzt, „die Weisen hatten Recht, wenn sie sagten: „„Der Mensch kann von den Thieren gar Vieles lernen,"" und darum auch Elihu sagen ließen^): „„Er belehrt uns durch das Vieh auf der Erde und macht uns weise durch den Vogel unter dem Himmel. " — Doch nicht immer wollte es Rabbi Simon gelingen, Alles zu ergründen, und gar Manches mußte er einem höheren Wissen und einer höheren Lenkung anheimstellen. So befand er sich eines Tages auf dem Wege. Da sah er plötzlich zwei Löwen auf sich zukommen. Schon brüllten die Löwen ihm entgegen, und Simon rief flehend, mit den Worten des Psalmisten, in seinem Schrecken zum Himmel b): „Die Löwen brüllen nach Raub und fordern von Gott ihre Speise!" — und siehe, plötzlich lagen, vom Himmel gefallen und von Gott gespendet, zwischen ihm und den Löwen zwei Lendenstücke. — Die Löwen ergriffen das eine; Simon aber nahm das andere auf und brachte es, als ein Zeichen seiner wunderbaren Rettung, in das Lehrhaus, stellte indeß zugleich die Frage auf, ob das Fleisch zum reinen oder zum unreinen gezählt werden müsse. — „Was vom Himmel kommt," antworteten die Weisen, „kann nicht unrein sein." L) Hiob 35, 11« — Eigentlich: „Er machte unS vernünftiger als das Vieh re." 5) Ps. 101, 21. Anzeigen. ^ck^Gemeinde zu Wallertheim (Großherzogthum Hessen) sucht einen noch unverheiratheten Lehrer sofort anzustellen. Der fixe jährliche Gehalt beträgt nebst freier Wohnung, Heizung und Emolumenten 220 fl. Bewerbern, die im Französischen unterrichten können, wird außerdem für ein Nebeneinkommen von 100 fl. und solchen, welche zur Uebernahme der Schächterfunktionen befähigt sind, für weitere 70 fl. garantirt. . Der Vorstand: Ludwig Beckhardt.

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