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Der Israelit · 1864-03-16 · Heft 11 (16.3.1864) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 11 (16.3.1864)
Date
1864-03-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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141 erlangt hat, wird wohl nicht gedankenlos verfahren sein; versuchen wir die Lösung des nur scheinbaren Widerspruches: Wir haben schon einmal in diesen Blättern davon gesprochen, daß nach der Lehre des Judcuthums, die Welt in Gott ist (7r«,> «v — Panencheismns) Ovip Vlv 1V1PV MPO lüip „warum heißt Gott Makom (Ort), weil Er ist der Ort der Welt, d. h. weil die Welt in Ihm ist". Das Judenthum kennt keinen außerweltlichen Gott, auch liegt ihm die Anschauung fern, daß Gott und Welt identisch seien; Pantheismus), ebenso wie die, welche Gott nur als eine Art Weltseele faßt «Deismus), sondern Gott ist. dem Judenthum der Allumfassende, ohne daß Er durch irgend einen Begriff gefaßt oder umfaßt werden könnte: „Denn die Himmel und der Himmel Himmel umfassen ihn nicht" -rd O'LwTi 'OLn v'OL 7! 'i> (2. B. d. Ehr. C. 2, V. 5) Aus Sich heraus hat der Allmächtige die Welt ins Dasein gesetzt (^S2), deren Begriff und Möglichkeit in Ihm immer exislirte (ri^). Also war Gott der Herr und König der im Begriffe und der Möglichkeit nach in Ihm seienden Welt auch vor der eigentlichen Schöpfung, „zur Zeit aber, da durch Seinen Willen Alles entstanden ist, da wurde Sein Name auch König genannt". Wenn wir nun mit der Entwickelung dieses Gedankens den obenerwähnten scheinbaren Widerspruch gelöst haben, so haben wir damit zugleich dargelegt, daß die Welt, welche Gott aus dem Begriffe und der Möglichkeit durch die Schöpfung zur Wirklichkeit gefördert hat, noch einer weiteren Entwickelung fähig und bedürftig ist, daß sie, gleichsam von Gott losgelöst, zu Ihm wieder hinanstreben muß. Daher hat Gott um Seines Bundes willen die Welt erschaffen, um des Bundes willen, der mit Abraham als das körperliche Zeichen der Beschneidung begonnen und mit der sinaitischen Gesetzgebung als die Offenbarung der geistigen Welt vollendet worden. Israel ist der Träger dieses Bundes; Israel trägt ihn an seinem Körper, in seinem Munde, in seinem Herzen. Israel als Vollstrecker der Thora und Vollzieher ihrer Gesetze ist das geistige Bindemittel zwischen Gott und Seiner Welt. Durch Israel wird die Welt vergeistigt, werden die Völker erzogen, wird, mit andern Worten, Gottes Name auf Erden geheiligt — wenn Israel nicht mehr existirt, wozu und was soll da noch die Welt? „So zerstöre denn erst Himmel und Erde und nachher vernichte es." Nachdem Gott am ersten Schöpsungstage Himmel und Erde erschaffen, und das Licht, damit man die Unterschiede erkennen kann, hatte strahlen lassen, schuf Er am zweiten Tage die Unterscheidung, d. h. Er begann zu sichten und zu ordnen, um jedem Geschöpfe im Weltenall den ihm gebührenden Platz anzuweisen. Die absolute Gleichheit, wie sie von unverständigen Menschen, die Gott meistern wollen, manch mal gefordert wird, würde eim-ewiges Einerlei zuwege bringen; erst durch die Unterscheidung können die ein' zelnen, unter sich verschiedenen, mannigfaltigen Theile hervorgebracht werden, aus denen sich dann das Ganze harmonisch zusammensetzt. So trennte Gott schon am zweiten Schöpfungstage die oberen von den unteren Wesen. Warum nicht alle Menschen gleich sind? Warum, antworten wir wie jener weise Rabbi mit einer Gegenfrage, sind nicht alle Steine Pflanzen, alle Pflanzen Thiere, alle Thiere Menschen? Eben aus dem Unterschiedenen wird erst das schöne, herrliche Ganze, in dem jeder Theil seinem Zwecke entspricht und den Weltenplan des Allweisen fördert. Daher ist die Frage auch eine müssige, ob etwa durch die Erwählung Israels aus allen Nationen den andern Völkern eine Unbill geschehen; da Israel durch die hohe Tugend seiner Väter ein Sprößling worden des Zweiges vom Baume der Menschheit, welcher als der Veredelung am meisten fähig sich erwiesen hat. Als ein Werkzeug in der Hand des Allmächtigen zur Erziehung des Menschengeschlechts ist Israel gleichsam ein ein Bote Gottes, und zu diesem Zwecke hat Gott es ausgeschieden, so daß es gleichsam den oberen Wesen angehört, geradeso wie Gott am zweiten Schöpfungstage durch die Unterscheidung der oberen und unteren Wesen die Rangordnung in Seiner Welt geschaffen hat. Israel vertritt aus Erden, als auserwähltes Volk Gottes, das Princip dieser nothwendigen Weltordnung. „Erst kehre um das Obere und das Untere in Deiner Welt und nachher vernichte sie." — II. War nun das durch Israel getragene Princip die nothwendige Bedingung der Schöpfung, so ist es nicht minder zur Erhaltung der Welt nothwendig. Gott hat diese Erde den Menschen geschenkt vir« aber derart, daß der Mensch stets seine Abhängigkeit von Gott fühle und dadurch zu einem Gottgefälligen Leben veranlaßt werde. Daher hat Gott dre Gewinnung der leiblichen Bedürfnisse gestattet, ja befohlen, doch so, daß alles körperliche Thun und Treiben sich vergeistige, und Gott in Allem und bei Allem als Herr und Gebieter gewußt werde. Schon bei der Vorbereitung zur Gewinnung der Speisen, beim Pflügen und Säen, hat Gott zwar die Umgestaltung der Natur gestattet, aber die Umwandlung ausgeschlossen. Du darfst mit scharfer Pflugschaar in den Schooß der Erde schneiden, auf daß die Furche berge die Saat, welche als Halm dir neues Getreide in vielfach vermehrter Anzahl bringe, du sollst aber bei dieser Gelegenheit nicht mischen, was Gott gesondert haben will -ch iien, -nvnr i'o «nirm rnm; hast du nun deine Zwecke erreicht, trägt dir dein Kornfeld reichliche Frucht, so sollst du beden-

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