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Der Israelit · 1864-02-24 · Heft 8 (24.2.1864) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 8 (24.2.1864)
Date
1864-02-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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98 Die Mesftaslehre des Iudenthums. Mainz, den 15. Februar. III. Wir haben in voriger Nummer des Divergenz-^ Punktes zwischen Maimonides und Albo erwähnt. Während Maimonides <im Mischnah-Commentar Sanhedrin C. 10) den Glauben an den Messias zu den 13 Glaubensartikeln zählt und den Leugner des Messiasglaudens einen Gottesleugner nennt (daselbst ->SD '"n.-i 0^23, während er ihm (in Hilchot Teschubah C- 3, tz. 6) den Antheil an der zukünftigen Welt abspricht und ihn der Leugnung der durch Moscheh geoffenbarten Gotteslehre (Hilchoth Melachim C. 11, 8- 1) beschuldigt, bekennt sich Albo vollkommen zu der Verpflichtung des Glaubens an die Ankunft eines persönlichen Messias, nur daß er der Leugnung desselben nicht so weitgehende Consequenzen zuerkennt. Albo behauptet nämlich, Maimonides habe die dreizehn Glaubensartikel entsprechend den dreizehn Eigenschaften Gottes (2. B. M. C. 34, V. 6 und 7) anfgestellt; er unterwirft daher diese Glaubensartikel einer Kritik und fragt, ob denn alle dreizehn Grundsätze dem Begriffe entsprechen; er dernirt das Wort ip'p als ein solches, das die Grundlage der gesummten jüdischen Religion bedeute, mit deren Hinwegnahme die gesummte Religion zerfallen würde. Demnach kann, argumenürt er, der Messtasglanbe kein Jckar sein, weil wir finden, daß ein Weiser des Talmuds, Rabbi Hillel,*) folgenden Ausspruch gethan hat: (Sanhedrin 09 a.) li'wv O.->v p" 'pii-! 'v'2 -022?. Die Israeliten haben keinen Messias zu erwarten, den sie schon verzehrt haben zu den Zeiten Chiskmh's. (Wir werden diesen Ausspruch weiterhin erklären und erläutern, wollen aber erst bei der Auseinandersetzung Albo's bleiben.) Nach den Worten des Maimonides, argumentirt Albo weiter, würde Rabbi Hillel zu den Leugnern gehören und zu denen, die keinen Antheil an der zukünftigen Welt haben; warum, fährt er fort, erwähnt man denn seiner im Talmud, da er doch nicht mehr zum Kelall Jisrael gehörte und nicht glaubte an die Grundlagen des Gesetzes? Oder erwähnte man seine Worte bloß, um sie zu widerlegen, so hätte man ihn nicht Rabbi nennen > Nicht zu verwechseln mit Hillel, dem Aeltcren, auch nicht mit Hillet, Lein letzten Fürsten, ter ein Nachkomme Hillel's, des Aeltern, war; Hillel lebte 100 Jat.re vor der Zerstörung des beiligen Tempels, R. Hillel lebte me >r als 200 Jabre n a ch derselben. > Hill-l, der letzte Näßt und cer Erste, welcher die jstrusche Kalenverberechni ng pudlicirte, war ein Zeitgenosse Raba's und dlbaja's, wabreno der bier in Rebe siebente Hillel ein Zeitgenosse Rab's zu sein scheint, wie sich aus Land. 98 b ergibt. Siebe auch Baba Bachra 83 b., wo Juchasin die Lesart Rab statt Rabbi bat. und in seinem Namen niemals Etwas berichten sollen. Nachdem nun Albo die Meinung, daß R. Hillel nicht den Messiasglauben als solchen negirt habe, sondern nur habe sagen wollen, daß gewisse Stellen im Jesaias nicht auf den Messias, wie es gewöhnlich geschieht, sondern auf König Chiskijah zu deuten seien, dadurch widerlegt zu haben vermeint, weil die Weisen oes Talmuds Rabbi Hillel wegen des in Rede stehenden Ausspruches der Sünde zeihen, fährt er fort: „Jeder Bekenner der jüdischen Religion muß ebenso an die Ankunft des persönlichen Messias glauben wie an die Schöpfung der Welt aus Nichts, und wer nicht daran glaubt ist ein Sünder, und auch Rabbi Hillel hat sich dadurch versündigt". Das also ist die Ansicht Albo's , auf den die sogenannten Reformer so sehr pochen, daß sie die Leugnung des Messiasglaubens durch ihn zu rechtfertigen vermeinen! Wo findet sich in dem Werke Albo's „Jckarim" auch nur ein Anhaltspunkt zu der Berechtigung, die mesfianischen Gebete abzuschaffen, zu verwässern, oder zu verstümmeln? Albo stimmt darin ganz mir Maimonides überein, daß jeder Jude verpflichtet sei, an die Ankunft des persönlichen Messias zu glauben, er nennt den Leugner einen Sünder und stellt ihn dem gleich, welcher nicht an die Schöpfung der Welt aus Nichts glaubt; nur zu den Jckarim will er den Messiasglauben nicht zählen, weil doch sicherlich Rabbr Hillel kein Kopher Bückar gewesen. Nein, sicherlich, Rabbi Hillel war kein Kofer Be'ickar; es liegt uns daher ob seinen obenerwähnten, so vielfach mißverstandenen Ausspruch zu erklären. Citiren wir die einschlägigen Stellen ausführlich; es heißt im Tractat Sanhedrin 08 d.: Rab Gidel sagte im Namen Rab's: dereinst werden die Israeliten die Jahre des Messias genießen. Darauf fragt Rab Joseph erstaunt: Ist das nicht selbstverständlich? Wer soll sie denn genießen, soll sie etwa Chilak und Bilak*) genießen? — Hierauf erwiedert die Genrara: Rab Gidel wollte sich gegen Rabbi Hillel aussprechen, der da gesagt hat: die Israeliten haben keinen Messias zu erwarten, den sie schon verzehrt haben zu den Zeiten Chiskiah's. — F. 09 a. wiederholt die Gernara den erwähnten Ausspruch Rabbi Hillel's; (daselbst bemerkt Rasch: dazu: N32p2 L^'-, wodurch der Ausspruch Hillel's dahin modificirt wird, daß die dereinstige Erlösung wohl stattfinden, aber durch den Heiligen, gelobt sei Er, selbst stattftnden wird). — Rab Joseph sagt: Gott möge *) Ein unübersetzbarer, im Talnruv häufig vorkommender Ausdruck, der etwas Neblhaftes. Unbestimmtes bezeichnet; auch einer andern Deutung sind Chilak und Bilak die Namen zweier svoomitischer Richter, die sich durch besondere Schaavtbaten auszetchneten. Siche Aruch. Ererb

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