Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1864)
- Date
- 1864-01-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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54 und da die Arbeit gut und pünktlich abgeliefert ward,! erhielt dieselbe volles Vertrauen bei den Kaufleuten, z so daß das junge Mädchen mit noch andern Mädchen, j denen es Unterricht ertheilte, sich und die Mutter, i wenn auch dürftig, doch ehrlich und anständig nähren und kleiden konnte. — Später heirathete dieses Mädchen einen Wittwer, der nur eine einzige Tochter hatte und zwar eine Stieftochter, die ihm seine erste Frau mit Namen Reize — „welche gar ein wacker Mensch und große A6da.rtariitt» (festen Charakters) gewesen sein soll" — zugeführt hatte, „und die kein Gleichniß gehabt, sowohl in Schönheit als im Thun, Französisch hat sie wie Wasser gekonnt," was — wie die Verfasserin erzählt — ihrem Vater einmal sehr zu Nutzen.gekommen. „Mein Vater sel. Andenkens" erzählt sie — „hat ein Pfand von einem Amtsherrn (roselr) gehabt, im Werthe von 500 Rthlr. Nach einiger Zeit kommt der Amtsherr mit noch zwei andern Amtsherren, um das Pfand einzulösen. Mein Vater sel. Andenkens, der an nichts Böses dachte, geht hinauf, das Pfand zu holen. Seine Tochter steht bei der Clavicpmbel und spielt darauf, damit den Herren die Zeit nicht lange werde. Die Herren stehen bei ihr und bereden sich zusammen: Wenn der Jude mit unsrem Pfand kommen wird, wollen wir es nehmen sonder Geld und davon gehen. Sie hatten Das auf Französisch gesagt und nicht gedacht, daß es die Jungfrau verstehe. Ms nun mein Vater sel. A. mit dem Pfand gekommen, hebt sie hoch (laut) an zu singen: LeoliaMl Io bamasebkov! bajom begann, maotiar ^va)ivraoti!" (Bei meinem Leben, kein Pfand! Heute hier, morgen läuft er davon!) Sie hat nebich*) in der Hast nichts anderes herausbringen können. So sagt mein Vater sel. A. zum Herrn: „Mein Herr! wo ist das Geld?" — „Gebt mir das Pfand," sagte der Mann. — „Jch^ gebe kein Pfand," sagte mein Vater sel. A., „ich muß das Geld zuerst haben." — Da sagte der eine Herr zu den andern: „Brüder! wir sind verrathen! Die . . . muß französisch können!" und laufen mit drei Worten zum Haus hinaus. — Dm andern Tag kommt der Amtsherrr allein und gibt meinem Vater s. A. Capital und Zinsen für das Pfand und sagt: „Ihr habt es sehr zu genießen gehabt und Euer Geld wohl angelegt, daß Ihr Euere Tochter habt Französisch lernen lasten." — (Forts, folgt.) *) Ueber Ursprung und Bedeutung von „nebick" oder „newig" s. Teadlau's „Sprichwörter rc." Nr. 633. Das Testament.' (Nach dem Miorasch.) Von üerrmLüir ^arsedaner in Kre8lsu. I. „Leb' wohl! leb' wohl! Auf Wiedersehen! Mein theurstes Kleinod, meine Lust! Leb' wohl, mein Sohn; die Worte stehen Mit Flammenschrift in meiner Brust. O daß der Väter Gott dich leite! O daß dir leuchte hell sein Licht! Daß dir im edlen Geistesstreite Die Lorbeerkrone welke nicht!" — So sprach zu Naphtali beim Scheiden Sein Vater, und ihm brach das Herz. Die Thränen flössen reichlich Beiden, Erzeugt vom herben Trennungsschmerz. Sie hielten fest sich, — da entwindet Den Vaterarmen sich der Sohn, Hin zieht er, jeder Schritt ihm kündet „Leb wohl!" vom Vater Sebulon. Was drängt ihn fort in fremde Gauen Aus seiner stillen Heimathstadt? Jst's nur die eitle Lust zu schauen, Die mächtig ihn ergriffen hat? Er will zu edler Meister Füßen Der Wissenschaft ein Priester sein, Und sich der Thora Schacht erschließen, Ergraben edeles Gestein. Den Wanderstab hat er genommen, Das Vaterhaus ließ er zurück. Wohin will Naphtali denn kommen? Jerusalem ersehnt sein Blick. Dort will er lernen, wie man schwingen Des Geistes spröde Lanze muß. Dort will er nach der Wahrheit ringe«, Dort schöpfen aus dem lautem Fluß.