Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1864)
- Date
- 1864-01-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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s. Der Israelit. Ein Central-Organ für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegeben von Vr. Lehmann in Mainz. Mainz, den 27. Januar 5624 (1864). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens iz Bogen. Preis des Jahrgangs: 2 Thlr. P. c. oder fl. 3. 30 kr. rh. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. Inserate 1 Sgr. die Petitzeile oder deren Raum. Oesterreichische Banknoten laut Cours. Direkte Frankozusendung unter Streifband pro Jahrgang 3 Thlr. p. c. oder 6 fl. österreich. an die Expedition franko einzusenden. Inhalt: Leitende Artikel: Gibt es eine orthodoxe Judenlehre? — Rückblick auf die staats- und gemeindebürgerlichen Rechte der Israeliten Deutschlands. — Literarisches. — Bau jüdischer Armennnd Pilgerwohnungen in Jerusalem. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen : Deutschland: Mainz. Mainz. — Preußen: Berlin. Breslau. — Oesterr. Kaiserst.: Wien. Wien. Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen: Oesterr. Kai ferst.: Prag. S. a. Ujehly. — Amerika: New-Orleans. Feuilleton: Aus dem handschriftlichen Tagebuch einer Frau. — Das Testament. Leitende Artikel.! Gibt es eine orthodoxe Iudentehrr?*) i. Mainz, den 21. Januar. Die Leser dieser Zeitschrift, welche ein Organ für das orthodoxe Judenthum ist, dürsten sich über die in der Ueberschrift aufgeworfene Frage mit Recht verwundern, wenn sie nicht wüßten, daß in dem am Schlüsse des vorigen Jahres in Wien verhandelten Preßprocefse von verschiedenen Seiten wiederholt die Behauptung aufgestellt worden, es gebe keine ortho¬ *) Die Wichtigkeit des Glaubens an die Ankunft des persönlichen Messias werden wir in der nächsten Nummer behandeln. doxe Judenlehre. Es ist diese Behauptung zwar so anzusehen, wie wenn Jemand die Existenz der Sonne am Himmel leugnen wollte; nichtsdestoweniger ist die Aeußerung gethan und von den Gegnern des wahrhaften Judenthums mit Jubel begrüßt worden. Es ist daher wohl an der Zeit, diese angebliche Frage einer eingehenden Erörterung zu unterziehen. Fragen wir zuerst: Was heißt Judenthum? erklären wir demnächst den Begriff orthodox und erörtern wir dann von dem Standpunkte, welchen unsere heilige Religion erfordert, die in der Ueberschrift aufgeworfene Frage. Man unterscheidet zwischen Judenheit und Judenthum; während man unter dem ersteren Worte sämmtliche lebende Juden versteht, bezeichnet Judenthum dasjenige, was diese Menschen zu Juden macht, das einheitliche Moment derselben, das besondere Characteristikon der Gesammtheit der Juden, mit einem Worte, wenn wir von der Nationalität absehen, die Religion der Juden. Die jüdische Religion, in sich eine, besteht aus drei sich gegenseitig bedingenden und im innigsten Zusammenhänge stehenden Elementen: 1) der schriftlichen Lehre, 2) der mündlichen Lehre, 3) dem Minhag. — Die schriftliche Lehre umfaßt die 24 Bücher der heiligen Schrift, von denen jedoch nur die fünf Bücher Mosis die Gesetze enthalten; die mündliche Lehre oder die Tradition ist in den 60 Büchern (Maßechtot) des babylonischen Talmud, zu denen jedoch noch der Jerusalemische Talmud und die Midraschim kommen, medergelegt; der Minhag, der Gebrauch, hat sich aus den beiden ersteren herausgebildet und später Gesetzeskraft erlangt. In Bezug auf den Minhag gibt es Abweichungen; die Gesetze und Lehren der Bibel und der Tradition sind für alle Israeliten verbindlich.