Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 52 (30.12.1863)
- Date
- 1863-12-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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642 so muß er den Tod erleiden. Es glanz dem Missionär nun leicht, seine Behauptung aus der heiligen ^<Mrift zu erweisen, während dieFalaschas ihre Opfer - ^außerhalb des heiligen Tempels nicht zu rechtfertigen rvMen. Daraufhin hat der König denOpferdMnst untersagt; die armen Falascha's, in ihrem ^Gottesdienste gestört, in ihrem Glauben irre gemacht und wankend, werden nun den Missionären eine leichte Beute; schon haben in kurzer Zeit 60 die Taufe empfangen, und wer weiß, wie viele der nächste Jahresbrricht der Missionäre ausweisen mird! In ihrer Herzensangst haben sich die Falascha's nach Jerusalem gewandt. Schon vor sechs Jahren waren zwei Falascha's, Vater und Sohn, dort angelangt und hatten sich ungefähr ein halbes Jahr daselbst aufgehalten; der Vater hieß Daniel, der Sohn Moses. Da sie aber nur Abessinisch sprachen, weder hebräische Sprache noch Schrift kannten, so verstand man sie nicht, noch verstanden sie irgend Jemanden in der heiligen Stadt; sie kehrten, ohne großen Nutzen von ihrem Aufenthalte gezogen zu haben, in ihr Vaterland zurück. Jetzt nun ist in Jerusalem ein Brief angelangt, der in abessinischer Sprache verfaßt, von einem Missionäre ins Englische übertragen, von der Zeitschrift „Lebanon" hebräisch wiedergegeben wird. Wir lassen denselben hier deutsch folgen: „Gelobt sei der Ewige, der Gott Israels, der Gott alles Fleisches und der Gott der Geister! Dieser Brief wird abgeschickt von Abba Tzagga; möchte er doch gelangen zu den Priestern in Jerusalem und zwar zu dem obersten Priester aller Hebräer; möge er gelangen in Eure Hand durch B .... (Name des vermittlenden Missionärs). Meine hebräischen Brüder, Friede sei mit Euch! den ersten Brief haben wir Euch geschickt durch Daniel, den Sohn Chauanja's, den Vater des Moses. Wir fragen, ob die Zeit gekommen ist, in der wir zurückkchren müssen zu Euch in unser Land, das ist das heilige Land, und nach Jerusalem , der heiligen Stadt, wir, die wir sind ein armes Volk. Wenn die Zeit in Wahrheit herangekommen ist, so schicket uns dieserhalb einen Brief; denn sicherlich seid Ihr besser als wir. V.rkündet uns und erklärt uns, was sich um diese Zeit ereignet hat und was noch kommen wird; denn eine große Unruhe hat sich unserer Herzen bemächtigt, da Viele sagen, daß die Zeit für unser Volk gekommen sei, in der wir uns trennen dürfertz von den Christen, um nach Eurem Lande, nach Jerusalem zu gehen, damit wir uns vereinen mit Euren Brüdern und Opfer darbringen dem Ewigen, dem Gotte Israels, im heiligen Lande —- Friede sei Euch, Friede sei Euch gar sehr! Friede sei Euch, unsere Brüder, die in dem Lande wohnen, welches Gott dem Moscheh auf dem Berge Sinai gegeben hat. — Ich, Abba Tzagga, habe Euch diesen Brief geschickt im 2. Monate des Jahres 7354 (?) nach Erschaffung der Welt. —" Dieser so einfache und naive Brief „an den obersten Priester aller Hebräer in Jerusalem" beweist, daß die Falascha's und ihr oberster Priester Abba Tzagga weder Thoranoch Weltkenntnis besitzen, er bezeugt aber auch ihre Anhänglichkeit und Liebe für Gott, sein Volk, sein Land und seine Stadt; er beweist, daß sie sich nicht widerstandslos den Missionären ergeben, daß sie der Ankunft des Erlösers noch harren und diese nahe glauben, da sie vielleicht seit Jahrtausenden znm ersten Male in der Ausübung ihres Opfercultus gestört worden — denn wer weiß, wann diese von der Sonne halbschwarz gebrannten Falascha's in Abessinien eingewandert sind. — Es wirft sich nun wohl jedem Israeliten, der ein Herz hat für seine Glaubensgenossen, die Frage auf, ob es wohl Recht sei, daß wir diese Viertelmillion unserer Stammesgenoffen der Verführung der englischen Missionäre preisgeben, ob es nicht vielmehr uns heilige Pflicht ist, Etwas für diese Armen zu thun, damit sie dem väterlichen Glauben erhalten bleiben und der richtigen Ausübung des Gesetzes gewonnen werden. Wer nur eine Seele von Israel erhält, er» wirbt nach dem Ausspruche unserer Weisen unermeßliches Verdienst, um wie viel mehr hier, wo 250,000 unserer Brüder im Glauben zu erhalten und für die richtige Ausübung des Gesetzes zu gewinnen sind. Unsere Glaubensbrüder in Rußland sind uns bereits mit gutem Beispiele vorangegangen In der Bukarei und Daghistan waren ähnliche Verhältnisse, eine große Menge Israeliten ohne Kenntniß des Gesetzes und der heiligen Sprache. Da hat man ihnen von Rußland aus Lehrer und die heiligen Bücher gesandt und zwar mit dem glänzendsten Erfolge; ja, die Thorakenntniß ist seitdem in jenen uncivilisirten Ländern bei den Israeliten Gemeingut geworden und es gibt bereits Talmudgelehrte unter ihnen, die jeder Gemeinde Israels zur Zierde gereichen würden. — Würden wir nicht in Abessinien ähnliche Erfolge erringen können? Die Missionäre können die Lernbegierde der Falascha's nicht genug rühmen — wäre es nicht gerathen, ihnen Lehrer und Bücher zu senden? Um einigen Brüdern das Leben zu retten, hat der edle Sir Moses Montefiore die beschwerliche Reise nach Marocko unternommen und wir wissen ihn mit Recht nicht genug darob zu rühmen und zu preisen. Sollte es nicht noch tausendmal wichtiger sein, die religiöse Zukunft von Miriaden der Söhne und Töchter unseres Volkes zu retten? Sollten sich nicht geeignete Männer finden, die mit talmudischer Gelehrsamkeit glühenden Eifer für Gott und seine heilige Religion verbinden, bereit, sich dieser hohen Aufgabe zu unterziehen?