Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 50 (16.12.1863)
- Date
- 1863-12-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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es4 Und die Reue, ach, vergebens, Und der Tod bringt'- nicht zum Schluß. — Dürfen wir ein ew'ges Leben Für den Augenblick hingeben?" — „Nathan, ach, wie Viele sinnen, Mühen sich ihr Leben lang, Daß den Himmel sie gewinnen, Daß im Tod sie Gott empfan'g. Glücklicher! in einer Stunde Ruft Dich Gott zu seinem Bunde!" — Auf sprang Nathan jetzt vom Sitze, Warf sich nieder auf die Knie, Stöhnte, wie in Fieberhitze, Rang die Hände, wie noch nie. Hanne stand den Blick nach oben, Zum Gebet die Hand' erhoben. Und nach langem, tiefem Stöhnen Rang das Wort sich endlich los, Brach er aus in heiße Thränen, Bat um Kraft aus Gottes Schooß. „Oeffne," rief er, „meinen Worten, Herr der Gnade, Deine Pforten!" Reiche mir aus Deinen Höhen, Vater, hülfreich Deine Hand, Laß gesühnt mich neu erstehen, Halte mich Dir zugewandt! Laß zu Dir zurück mich kehren Und mich ganz Dir angehören!" — Und sein Flehen ward erhöret, Daß der Kampf umsonst nicht sei; Und der Frieden ihm gewähret, Denn der Himmel stand ihm bei. Wer zur Reinigung gekommen, Wird ja liebreich ausgenommen."') Und wie wenn nach Sturmes Toben Gottes Aug' durch Wolken bricht, Jede Brust wird neu erhoben, Selig strahlt das Angesicht, — So auch Nathan, als vom Boden Auf er ftand, wie von den Tobten. — Als er aber, sich erhebend, Hanna im Gebete fand, Da ergriffs ihn, voll belebend, Daß auch jede Schwachheit schwand. „Hanna," sprach er, „frommes Wesen, Gott sei Dank! ich bin genesen." — „Ja, ich fühl's, ich bin genesen, Dein Gebet, Gott nahm es an, Und so sündhaft ich gewesen, Fürder wandl' ich seine Bahn. Geh' nach Hause, geh' in Frieden Segne Gott Dich schon hienieden!" — „Gottes Namen sei gepriesen!" Ries sie aus und eilte fort, „Er hat gnädig sich erwiesen, Er, der Seinen Schutz und Hort." Und sie brachte noch zur Stunde, Froh dem Mann die frohe Kunde. Sagte ganz, wie es gegangen. Wie es Gott so gut gelenkt, Wie sie Nathan erst empfangen, Und wie fromm er jetzo denkt; Sagte, daß die Sach' geschlichtet, Daß die Schuld bereits entrichtet. — Doch vergebens harrt die Arme Auf ein liebevolles Wort; Daß dem Kampfe, daß dem Harme Freud' und Frieden folg' hinfort. Ach, der Mann, der Haft entlassen, Scheint nun vollends sie zu hassen. — Ach, umsonst hat sie gesprochen Aus dem Herzen voll und hehr! Daß die Treu' sie nicht gebrochen, Glaubt der Mann ihr nimmermehr So des Menschen Sinn zu lenken, — Dem sollt' er jetzt Glauben schenken! — So verbringet denn die Treue Tage, schlimmer als zuvor; Denn mit jedem Tag auf's neue Dringt Verdacht zu ihrem Ohr. Nur Vertrau'n auf Gottes Walten Kann noch aufrecht sie erhalten. 3. An des Lehrsaals Fenster stehend Sah Akiba nach der Straß', Seinen Vortrag noch durchgehend, Den er heut' den Schülern las. Alle harrten schon der Stunde, Sitzend zahlreich in der Runde. ') „Ksbko Istsker I>>.