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Der Israelit · 1863-12-16 · Heft 50 (16.12.1863) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 50 (16.12.1863)
Date
1863-12-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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622 -rum bekümmert? Ern gewisser Herr Levi, der kürzlich nach Stuttgart gezogen, hat einen Badinhaber veranlaßt, auch ein rituelles Bad einzurichten. Dieser ging darauf ein, beging aber die unerhörte Ungezogenheit, Ankündigungsplakate lithographiren zu lassen und solche in allen jüdischen Familien herumzuschicken. Das ist aber etwas Schauderhaftes. Denn der Badinhaber und der Lithograph sind Christen, und zwei Christen in Stuttgart sollen erfahren, daß die Juden so etwas Barbarisches zu religiösen Zwecken gebrauchen — unerhörter QN.-I ü So Etwas darf wohl in Bukarest oder Constantiaopel Vorkommen — aber in Stuttgart, es ist unerträglich. Mögen 7i"n vr?.-i geben, daß das diese Woche zur Berathung kommende Iudengesetz durchgeht; würde es fallen, so hätte nichts daran die Schuld, als daß der Inhaber des Charlottenbades und der Lithograph N. erfahren haben, daß die Juden ein Bad brauchen. — Stuttgart, 5. Decbr. Das von der Kammer im liberalen Sinn noch amendirte Judenemancipationsgesetz wurde gestern Abend mit großer Mehrheit angenommen. Nur 15 Stimmen waren dagegen. — Nachdem nun in staatsbürgerlichen und bürgerlichen Beziehungen die Gleichstellung der Juden mit den Christen festgestellt ist, fehlt den Ersteren nur noch die kirchliche Autonomie, die Befreiung von ihrer staatlichen „Oberkirchenbehörde", ein Institut, über welches gestern Ludw. Seeger scharfe Lauge ausgoß und Hölder seine rechtlichen Bedenken äußerte. Minister Golther versprach in positivster Weise genaue Untersuchung der, theilweise fast unglaublich klingenden Thatsachen, die L. Seeger anführte, — z. B. wie die israelitische Oberkirchenbehörde einer Gemeinde die Synagoge wegen „Unbotmäßigkeit" sieben Wochen lang schloß, weil die Israeliten ihrem neuen Rabbiner, der ihnen nicht gefiel, nicht in die Predigt gehen wollten — und Abhilfe auch in Betreff der ganzen Organisation dieser „Oberkirchenbehörde". (N. F. Z.) Preußen. (Hollub. Auf Verordnung der Königl. Regiej rung fand hier Freitag, den 20. v. M., wiederum j Bürgermeisterwahl statt, (da der früher Gewählte, Rentier Cohn, nicht bestätigt worden ist). Diesmal waren 5 jüdische und 2 katholische Stadtverordnete nicht erschienen. Es halten sich vielmehr zu der Wahl nur 4 protestantische Stadtverordnete und 1 jüdischer, der Stadtverordnetenvorfteher, eingefunden, die aber nicht beschlußfähig waren. Durch das demonstrative Zurückbleiben der Erstgenannten ist also die Wahl vereitelt worden. Man ist begierig darauf, welchen Weg nun die Regierung einschlagen wird. (G.) Österreichischer Kaiser st aat. Pesth. „Független" meldet, daß in Pest 4000 Exemplare des noch nicht versendeten St. Jstvan-Kalenders von der k. k. Polizei mit Beschlag belegt wurden, wegen eines gegen die Juden gerichteten Spottverses. Presstbrrrg, 6. December. Viel Aufsehen machte hier die Taufe eines jüdischen Bassisten. Es war Sonntag 22. November. Im isr. Tempel war eine Trauung angeordnet. Das zu trauende Paar war bereits erschienen, der Tempel hell erleuchtet, der Raum von den Hochzeitsgästen dicht gedrängt erfüllt; aber kein, Bassist erschien. Da tritt ein eben angekommener Gast aus Vassarhely vor, und fragt, warum man mit dem Trauungsacte zögere „Wir warten nur noch auf den Bassisten." — „Aus den Bassisten? — ha, wissen Sie denn nicht, daß er eben die Taufe empfängt?" Und so war es auch. — Zu bemerken ist, daß der zum Katholicismus Uebergcgangene Familienvater ist, und er nahm die Taufe, weil ihm eine Stelle bei dem Dom-Kapitel in Gran zugesagt war. (Didaskalia.) — (Die „Wiener „Neuzeit" triumphirt über diese traurige Begebenheit und gießt bei dieser Gelegenheit ihr Gift über Rabbiner, Prediger und Vorstand in Pr. und über — uns aus. Wahrlich, das erinnert daran, daß einst Achab den Elijahu „Ocher Jisrael" nannte. Red.) (Hierbei eine Beilage.) Verantwortliche Redaktion: vr. Lehman». — Herl», der Se «aux'schr» Hofbuchhandlung. — Druck von I. GottSleben in Mainz

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