Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 49 (9.12.1863)
- Date
- 1863-12-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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4. Jahrgang. M. LS. Der Israelit. Ein Centratorgirn für das orthodoxe Judenthum HerauSgrgeben von IW». Lehman« in Mainz. Mainz, den 9. December 5624 (1863.) Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 1j Bogen. Preis deS Jahrgangs: 2 Thaler p. c. »der fl. 3. 30 kr. rh. Halbjährig 1 Thlr. P. c. oder fl. 1. 45 kr. rh. Vierteljährig 15 Sgr. p. c. oder 53 kr. rh. Alle Buch. Handlungen und Postämter nehme» Bestellungen an. Inserate 1 Sbgr. die Petitzeile oder deren Raum. Oesterreichische Banknoten laut Sours. Sollte direkt Frankozusendung unter Streifband gewünscht werden, so find an die Expedition pro Jahrgang 3 Thlr. p. e. oder 5. fl. 15 kr. rh. oder 6 st. österreich. franko etnzusenden. Inhalt. Bettende Artikel r Die Religion Israels und der Zeitgeist. — Würtembergtfch - iSr. Zustände. — Bau jüdischer Armen» und Pilgerwohnungen tu Jerusalem. Zeitungsnachrichten und Correfpond enzen rDeutfchl.: Dom Neckar. Altona. — England: Liverpool. Inhalt der Beilage. Zeitungsnachrichten and Korrespondenzen r Preußen: Jnowraelaw. — Palästina. — China. Feuilleton r Jüdische Gebräuche im westlichen Persien. (Schluß.) — Chanukah. — Nathan «nd Hanna. Leitend e Art ikel. Die Religion Israels und der Zeitgeist. Mainz, den 27. November. Die beliebtesten Phrasen, mit denen man heutzutage am geeignetsten der Religon Israels entgegenzulrelen vermeint, sind diejenigen, in denen man die Einwirkungen des Zeitgeistes hervorhebt. Unsere Zeit ist reich an derlei Phrasen: „das Rad der Weltgeschichte rollt über die Starren und Stabilen hinweg und zerschmettert die, so sich ihm entgegenstellen"; oder „die Fluthen des Zeitgeistes schwemmen alles Entgegenstehende fort" oder „gegen Kritik und Wissenschaft halten Wahn und Köhlerglaube nicht Stand" oder „versteinertes Glaubens- und Formenwesen, aus dem der Geist gewichen, zerfällt in sich" und so könnten wir noch eine Masse von Redensarten anführen, die! in Sentenzenformen die nach Jahrtausenden zählende Religion Israels verurtheilen sollen; man hört und liest sie eben überall: in Wartesälen und Eisenbahnwagen, und die Zeitungen und Zeitschriften sind gar voll davon. Einer so allgemeinen Verurteilung muß doch, denken Viele, der Geist des Judenthums weichen, er muß die Wellen des Zeitgeistes über sich ergehen lassen, um von ihnen hinweggespült zu werden. Bleiben wir bei diesem Bilde; nicht umsonst hat der Allgütige unfern Vätern verheißen, daß ihre Nachkommen sein sollen wie Sand am Meere; der Sand bildet aber die Grenze gegen die Fluthen des Meeres, welche dieselben kaum auf kurze Zeit zu überschreiten vermögen. Lasten wir uns von den obenerwähnten phrasenhaften Sentenzen nicht täuschen, erwägen wir ruhig, worin die Gefahren bestehen, mit denen uns der sogenannte Zeitgeist bedroht, ob dieselben wirklich der alten Religion Israels so verderbenbringend sind, wie allgemein vorgegeben wird, und wie wir denselben zu begegnen haben. I. Geister und Gespenster verschwinden in der Regel, wenn man sie dem ruhigen, festen, vorurtheils-