Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 48 (2.12.1863)
- Date
- 1863-12-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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598 scheidung Sr. Majestät ist nun in Kraft getreten, und da die Reformpartei in Großwardein nicht gesonnen ist, für ihre angebliche Ueberzeugung das Opfer zu bringen, außer der Entrichtung der ihnen obliegenden Gemeindesteuern aus eigenen Mitteln noch einen besonderen Cultus zu erhalten, so hat sich die Neformgenossenschaft in Großwardein nun vollständig aufgelöst, den von ihr angestellten Rabbiner in Ruhestand versetzt, ihre seit ihrer Losreißung besonders geführten Matrikeln dem ehrwürdigen Herrn Oberrabbiner von Großwardein übergeben, und ist von der magyarischisraelitischen Corporation in Großwardein keine Spur mehr wahrzunehmen. England. London. Sir Moses Montesiore hat eine Reise nach Marocko zur Befreiung der dort Eingekerkerten (siehe Nr. 43 d. Bl.) unternommen. Gott geleite ihn und gebe ihm glücklichen Erfolg. Feuilleton. Jüdische Gebräuche im westlichen Persien. Der -,L'2Q, eine in Lemberg erscheinende hebräische Zeitschrift, brachte vor einiger Zeck einen längeren Artikel aus dem „Carmel" von Wilna, der einen Bericht über die jüdische Gemeinde im westlichen Persien erstattet, aus welchem wir einen kleinen Auszug liefern, da es sehr selten ist, daß Nachrichten aus diesen entfernten und vereinsamten Ansiedelungen zu uns gelangen: Massaudron ist eine große Provinz im westlichen Persien, südlich vom Caspischen Meere und östlich von Medien. Der Boden ist sehr fruchtbar, aber das Clima ist sehr ungesund. Die Hauptstadt in derselben ist Balprosch von ungefähr 100,000 Seelen, meistens Persern, bewohnt. Es wohnen aber dort auch Armenier, Tartaren und Juden. Diese Provinz ist sehr weit von Daghestan entfernt, und es ist selten, daß Leute von dort zu uns kommen. Ich will dazu noch die Nachrichten setzen, die mir von zwei Glaubensgenossen aus bemeldeter Stadt ertheilt wurden, welche, um Paradiesäpfel für das Laubhüttenfest zu taufen, in unsere Stadt (Tenim Han Shura) kamen. Diese sagen aus: „Es wohnen ungefähr 150 Familien in unserer Stadt; einige sehr arm, andere außerordentlich reich. Sie verkehren mit ihren Glaubensgenossen im Lande Kittim (wro) und betreiben die Woll- und Seidenindustrie. Sie besitzen zwei Synagogen und ungefähr vierzehn Gesetzrollen. Diese bekommen sie von Babel (Bagdad) und sind solche schön geschrieben. Sie rechnen ihre Zeit von der babylonischen Gefangenschaft; denn nach ihrer Ueberlieferung wunderten ihre Väter zur Zeit Nebukadnezars hierher, und da sie der Aufforderung Esra's, des Sophers, nicht folgen wollten, so blieben sie bis zum heutigen Tage hier wohnen. Uebrigens leben die Juden hier unter dem Schutze ihres Schah's, der ihnen bei jeder Gelegenheit seine Gunst bezeigt, in glücklichen und angenehmen Lebensverhältnissen. Sie sind in der That so glücklich, daß sie von ihren unglücklichen Brüdern m den andern Provinzen als Fürsten angesehen werden. Ist des Tages Arbeit vorüber, so versammeln sie sich des Abends in den Synagogen und lesen die Bibel. Einige von ihnen forschen auch im Thalmud und in moralischen Schriften. Auch diese Bücher werden ihnen von Babel zugeführt. Sie haben drei Schulen, in welchen die Kinder im Hebräischen und Persischen unterrichtet werden. Unter sich sprechen sie persisch; einige auch hebräisch. Von den beiden Juden, welche in unsere Stadt kamen und den zweiten Neujahrslag in meinem Hause verbrachten, sprach der eine, Rabbi Mordechai, in hebräischer Sprache mit mir. Der andere verstand es jedoch nicht und Rabbi Mordechai machte den Dolmetscher zwischen uns. Sie sagten mir, daß ihre Festgebräuche von den unserigen sehr verschieden seien, denn an diesen Tagen besuchen und erfreuen sie sich gegenseitig. Ihre Lebensweise ist im Allgemeinen die der Perser. Der Hausgang ist mit Tüchern bedeckt; über dieselben sind Teppiche ausgebreitet und darauf stehen köstliche Divan's. Außer Spiegel besitzen sie keine andern Mobilien. Die Wände sind mit allerlei glänzenden Gold- und Silbergeräthschaften geziert, sie besitzen aber weder Stühle noch Betten. Auf den Divan's sitzen, essen und schlafen sie. Zur Nachtzeit sitzen sie im Kreise herum und bringen die Speisen mit den Fingern in den Mund, ohne sich der Messer und Gabeln zu bedienen. Ihre Hauptnahrung ist der Pilaw, bestehend aus Reiß, gebacken mit Fleisch oder Butter, Trauben, Zwiebeln, Pfeffer und andere Gewürzarten. Wer auch wahrend der Mahlzeit in's Zimmer tritt, setzt sich nieder und nimmtTheil ander Mahlzeit. Sie sind sehr aus den Chibank versessen, welchen sie beim Ausgehen in ihren Händen tragen. Sie tragen lange Röcke, mit breiten Gürteln befestigt. Ihre Turbane sind sehr hoch und wie die der Perser und Araber aus Calicot verfertigt. Den Bart halten sie in hoher Achtung und färben denselben roth. Jeder freie Augenblick wird zum Waschen, Schmücken und Ordnen des Bartes verwendet. (Schluß folgt.)