Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 47 (25.11.1863)
- Date
- 1863-11-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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582 geglaubte Mädchen wurde zufällig nach vier Tagen in Vaja (zwei Stunden vom Orte des Ereignisses) auf der Gaffe, wohin es, von seiner „neuen" Mutter geschlagen, gelaufen war, gefunden und seinen Wem nach Szent-György wieder zugeführt. Bei der Untersuchung stellte es sich heraus, daß das Mädchen von einer durch den Ort ziehenden Landstreicherin aufgegriffen und in Vaja einem kinderlosen Ehepaare als Adoptivkind übergeben wurde. Die betreffende Abenteurerin wurde auch ermittelt und befindet sich jetzt hier in Untersuchung. Wäre das Mädchen — 'wie dies doch oft zu geschehen pflegt — von irgend einer Seiltänzer- oder Zigeunertruppe in eine entfemtere Gegend entführt worden, so wäre nichts im Stande gewesen, den lächerlichen Aberglauben der Dorfbewohner zu erschüttern. Stuhl-WeiHenbuvg, 10. Nov. Durch verschiedenartige Geschäfte war ich in den jüngsten Wochen verhindert, Ihnen, hochgeehrter Herr Redakteur, ein Ereigniß mitzutheilen, das die Leser Ihres sehr geschätzten Blattes gewiß mit Freuden erfüllen wird, und als der Abschluß der in so mannigfacher Weise besprochenen und beurtheilten „Stuhlweißenburger Wirren" betrachtet werden kann: nämlich die Einweihung der von der hiesigen orthodoxen Gemeinde gebauten Synagoge. Sobald der in diesen Blättern veröffentlichte Erlaß der hohen k. Hofkanzlei, der unsere Trennung von dem früheren hiesigen Cultusverbande und unsere Constituirung als orthodoxe Gemeinde sanktionirte, sich in unseren Händen befand, wurde der Beschluß gefaßt, eine Synagoge zu bauen. Mit der willigsten Hingebung unserer Kräfte und besonders durch die Mildthätigkeit der Herren Schlesinger (die drei Brüder haben einen Betrag von fl. 6500 gespendet nnd für fl. 1800 Sitze gekauft) wurde der Synagogenbau in der Zeit von 6 Monaten vollendet. Um nun aber dem heißesten Verlangen sämmtlicher getreuen Mitglieder Genüge zu leisten, wurde Herr Rabbiner Vr. Gugenheimer innigst ersucht, daß er uns mit seiner Gegenwart beglücken und den Act der Einweihung leiten möge. Derselbe hat auch unserem Verlangen Folge geleistet und hat am Vorabend des Sabbats eine Rede gehalten über Mischnah 4, des 3. Perek in Bickurim in Verbindung mit der Stelle des Jeruschalmi, daß die Waller auf dem Wege den 122. Psalm recitirten. Die zweite Rede hielt er Samstag Vormittag über den Midrasch 2.1"^ -PVO 1W2 i.-l'V rinrr -P-Q. Die Zuhörer wurden über den Werth einer Synagoge belehrt, über die Bedingungen, unter welchen eine Synagoge wirklich Werth haben kann. Die hohm Behörden und die resp. chr. Geistlichkeit wohnten dieser Feierlichkeit bei. Der geehrte Redner führte aus, was den echten Juden von dem Scheinjuden scheidet. Beim Scheinjuden geht die ganze Religion im Tempel auf pm i'.QO m'2. Beim wahren Juden steht die Synagoge mit dem Hause in Einklang. Den Eindruck, welchen seine Worte auf die Zuhörer gemacht haben, bin ich zu schildern zu schwach, ich kann nur in Kürze sagen, es waren Worte, die von Herzen kamen und zu Herzen gingen. — Nicht minder wurde unser Einweihungsfest verherrlicht durch die Gegenwart des gelehrten uud allgemein verehrten Herrn vr. Hildesheimer, Rabbiners zu Eisenstadt, der sich seiner so überaus wichtigen Thätigkeit entriß, um dieser Feierlichkeit, dieser dn beizuwohnen; auch er hat uns w'I mit einer überaus lehrreichen Rede beehrt. Diese Tage der Einweihung, in welchen wir das Glück hatten, diese herrlichen Männer bei uns zu sehen, werden nie von uns vergessen werden. Wir haben jetzt Friede, wir haben Ruhe; wir sind voller Freude; wir brauchen uns jetzt nicht mehr solche Schochtim aufdringen zu lassen, die Oi" trinken, wir werden jetzt nicht mehr gezwungen, solche Lehrer anzustellen, die Chamez Bapesach genießen, wir brauchen jetzt nicht mehr uns einen Chasan aufdringen zu lassen, der den Sabbat entweiht, wir sind gottlob befreit von der Willkür und dem Fanatismus der Reform. Gottlieb Fischer. Aus GroH-Wardein erhalten wir die Nachricht, daß die Kais. Kön. Regierung eine wichtige Entscheidung zu Gunsten der jüdischen Orthodoxie getroffen hat, die von folgewichtiger, principieller Bedeutung ist. In der nächsten Nummer Näheres. (Hierbei eine Beilage.) B er antwortlich? Redaktion: Dr. Lehman«. — »»erlag der Le «»«Aschen Hofbuchhandlung. — Druck von I. SottSlrbe» in Maink