Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1863-11-18 · Heft 46 (18.11.1863) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 46 (18.11.1863)
Date
1863-11-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2447089-2447134--02252-2457574
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

572 Hof, geheiligt durch feine Gräber und die belehrende Erzählung verkündend, von dem, was die Israeliten von Newport einst waren, geachtet wie Niemand we- > geü ihrer Unbescholtenen Rechtlichkeit und Anhänglich- - W an ihren Glaubest. j Hier ist noch jetzt eiste traditionelle Liebe für un-! ser einst hier hochgeachtetes Volk. Glücklicher Weise : bot sich auch keine Gelegenheit dar, diese von den äl- > testen Leuten genährte Liebe zu zerstören. Einmal > wohsttd auf kurze Zeit ein Hausirer hier, der um die i Licenz, seinen Handel zu treiben, einkam. Auf die Erklärung, daß er Jude sei, wird ihm dieselbe bereitwillig ertheilt. Als man jedoch entdeckte, daß er am Sabbat Handel treibe, erhielt er einen Verweis und wurde wegen seiner Jrreligiösiat der gewährten VorthÄle beraubt. Einige oer bemoosten Gräber des Friedhofs tragen berühmte, alte Namen, während auf der Vorderseite des massiven Thores mit seiner imponirenden egyptischen Architektür die jetzige Generation ohne Gedanken an die Vergangenheit, ohne Sorge um die Zukunft, und nur in der Gegenwart lebend, munter und lebhaft im Strudel des Vergnügens dahin eilt. Die ehrwürdige Synagoge stand in der City Hall und wird für eine der Reliquien Newports gehalten. Sie wird in ganz schöner Ordnung erhalten; der freie Platz ist sauber geputzt; das ganze Gebäude frisch und rein, da die Anordnungen Touros mit religiöser Gewissenhaftigkeit erfüllt werden. Die Fayade des Gebäudes gegen Osten bildet einen Winkel mit der Straße. Die Lust athmet Heiligkeit und Ruhe Diese Betrachtung führt uns unwikürlich in jene Zeit zurück, wo unsere Vorfahren, dem Druck der alten Welt entfliehend, einen Zufluchtsort in der neuen Welt suchten und endlich in dieser angenehmen Stadt einen Niederldffüngsort fanden. Die Wiedereröffnung der Synagoge würde von den Einwohnern Newports mit Deutzen, als ein Vorzeichen wieberkehrenden Glückes, begrüßt werden. Sie behaupten, hast mit dem Weggang der Juden auch der Handel Newports dahingegangen sti. Much' uns wurden von amerikanischen Waübensj genbffen schon vielfach lebhafte Schilderungen gemacht! dem Astsehm, in welchem die Israeliten in New-! pöH flehest, M M dort im Sommer — New^ürt! nnw als Seebad besucht — aufhakteM Dünst wird hUrg'dre alte Synagoge wieder zUm Äottesdrenfl ge-! öffilet. Für diese besteht ein Legat Touro'S, für dessen Ertrag die Synagoge stets im baulichen Zustande und zwar so erhalten wird, daß in jedem Airgenblicke Gottesdienst darin abgehalten werden kann. Red.) Feuilleton. Auszüge von Erzählungen, Gleichnissen, Gegauken mrd Meinungen, wie Erklärungen von Schriststellen ans hebräische» Werken. Vv» Looepk Lavier in Lrs8lsn.! Ginge auch die ganze Arbeit des Menschen für seinen Mund, die Seele wird dennoch davon nicht voll. Koheleth 6, 7. Wenn ein roher Bauer, bemerkt Rabbi Chanma Sohn Jizchaks, eine Prinzessin heirathet, fp mag er ihr Mundvorräthe aller Art verschaffen, die schmackhaftesten Gerichte, die besten Kraftbrühen, die köstlichsten Getränke für seine hohe Gemahlin zubereiten taffen, daß sie schwimme in Wonne und Zärtlichkeiten, er genügt dennoch ihren Erwartungen nicht. Warum? weil sie die Tochter eines Königs ist und als solche an ihren Gatten andere Forderungen stellt. Der Gatte, den sie wünscht, sei ein Mann-von feinen, einnehmenden Manieren, der durch eine reiche Ader von Witz und eine Fülle von Wissenschaft feinen Umgang zu beseelen, jeden Cirkel, in den er sich mischt, durch gelassene Jovialität aufzuheitern, und über Alles, was sich darbietet, Reiz und Leben auszugießen verstehe, im Blick, Gang und Wesen besitze er eine anerschaffene Erhabenheit, durch eine edle Bescheidenheit gemildert; er sei ein Mann von anerkanntem Talent nnd unbestrittener Auszeichnung, der sein Ansehen gebrauche, viele Glückliche zu machen, die ihm, als dem Schöpfer ihres Wohlstandes, huldigen, damit sie sich geachtet und geschätzt sehe, an der Seite ihres Geachteten und Geschätzten. Eben so wenig befriedig, n, zahlreiche sinnliche Anehmlichkeiten, rauschende und kitzelnde Vergnügungen, sättigende aber flüchtige, das Gemüth nicht bewegende Genüsse die Seele Warum? weil sie eine Tochter des Himmels ist; und als solche will sie nur die Vorzüge erringen, die ihre Würde erhalten und vergrößern; als solche strebt sie nach der Lage und nach Zuständen derhöchften freien Aeußerung ihrer Kräfte , Alles an sich zu ziehen und sich eigen zu machen, was sie als gut und vortrefflich zur Veredlung ihres Wesens, erkennt, und sind ihr nur die Mittel willkommen, die ihre Vollkommenheit ermöglichen und verhelfen zu einer Bereicherung der Tugend, zu einer untrübbgxen. Heiterkeit, und einer ewig glänzenden Herrlichkeit, in dem Bewußtsein, daß die Erfüllung aller ihren wahren Gehalt hat iu der Vollendung des Seelenfriedens. — Midrasch Rabba an ang. Stelle.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.