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Der Israelit · 1863-10-07 · Heft 39-40 (7.10.1863) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 39-40 (7.10.1863)
Date
1863-10-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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4. Jahrgang. ,M. 3» S? «<». Gin entvalorgnn für das orthodoxe Jndenthnm. Lehmann in Mainz. Mainz, den 7. October 5624 (1863.) Diese Zeiturig erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens t- Bogen. Preis des Jahrgangs: 2 Thaler p. e. »der fl.^ ^0 kr. rh. Halbjährig 1 Thlr. p. c. oder fl. 1. 45 kr. rh. Vierteljährig 15 Sgr. p. c. oder 53 kr. rh. Alle Buchr ^ie^o e jü i in Jerusalem. Htttungsnachrichten und Correfpondenzen rDcutschl: Mainz. Mainz. Mainz. Freudenthal. Laupheim. Inhalt der ersten Beilage. ZeitungSuackrickten und Correspoudenzen: Preußen: BreSlau.— O esterr. Kais erst.: Prcsburg. S. a. Ujhcly.— Außl. u. P o len.— Amerika. Asien. Feuilleton r Blumrnlese — Der Seher auf dem Nebo. — David und Jonathan. — Psalm 20. Psalm. 121. Inhalt der zweiten Beilage. Feuilleton: Psam 122. Psalm 123. — Demuth. Leitende Artikel. Die moderne jüdische TendenMrsie. Die moderne jüdische Tendenzpoesie ist eine auf dem Gebiete der deutschen Literatur ganz neue Erscheinung; es ist überhaupt noch nicht lange her, daß Juden das Gebiet der deutschen Literatur pflegen, wie ja diese Literatur selbst kaum älter als ein Jahrhundert ist. Mendelssohn und seine Nachfolger übersetzten die Bibel und seitdem ist die deutsche Sprache und , Schrift Gemeingut der deutschredenden Glaubensge- ' nossen geworden; jüdische Namen haben unterdeß auch in der Belletristik einen guten Klang gewonnen, und Berthold Auerbach und Moritz Hartmann zählen zu den bedeutendsten Epigonen der großen deutschen Dichter. Diese beiden Letztgenannten haben sich allgemein deutschen Stoffen zugewandt und gehören kaum mehr als ihrer Geburt nach dem Judenthume an. Der Dichter Mosenthal hat zwar ein Drama mit jüdischen Personen, aber im höchst unjüdischen Geiste geschrieben. Leopold Kompert hat in lieblicher, sinniger Weise das jüdische Ghetto und seine Bewohner geschildert — ihm ist die Poesie Selbstzweck, ein Umstand, der nicht wenig dazu beigetragen hat, seinen Dichtungen den hohen Grad der Vollendung zu geben, der sie über die ephemeren Erscheinungen dieser Gattung hoch erhebt. Neuerdings taucht nun eine jüdische Tendenzpoesie aus, das heißt, man mißbraucht die Dichtung, um für die religiöse Reform im Judenthume Propagande zu machen; wir sagen neuerdings, denn die alten und gleich nach dem Erscheinen bereits veralteten Novellen der beiden Brüder Phöbus und Ludwig Philippson sind so miserabel, so ohne allen Schick, so ohne jede poetische Form, so ohne jeden Gehalt, daß bei ihnen trotz der ausgesprochenen antireligiösen Richtung von einer eigentlichen Tendenz nicht die Rede sein kann. Wir haben unlängst einen Tendenzroman und ein Tendenzdrama (von Formstecher in Offenbach und Stein in Frankfurt) angezeigt, die beide ihrer in jeder Beziehung geringen Bedeutung halber nicht gefährlich waren. Jetzt liegt uns ein Gedicht vor, das einen Meister in Form und Ausdruck bekundet, dessen Verfasser ein echter Dichter sein könnte, da er

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