Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 38 (24.9.1863)
- Date
- 1863-09-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2447089-2447127--02147-2457462- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
474 Schwach bedeckt vom frischen Laub der Bäume, Matt erhellet von des Tages Licht — Und am Abend, aus der blauen Ferne, Wo des Himmels Heere strahlend ziehen, Funkeln freundlich winkende Gesterne Durch das Obdach — durch der Zweige Grün. — Aus dem Tempel in die freien Zelte Strömt das Volk, so froh und wonniglich, Was zur Andacht früher sich gesellte Th eil et jetzo in Familien sich. Wie im Gotteshause die Gemeinde Sich vereint zum großen weiten Bund, Bundes-Ringe bilden hier die Freunde In den Hütten, an der Tafelrund. 3. Nicht gewähret solcher Lauberhütte Prunk, noch weichliche Gemächlichkeit, Doch gepaaret wohnt in ihrer Mitte: Ruhe, Frohsinn und Zufriedenheit. Weiße Linnen decken hier die Wände, Nicht des Glanzes üpp'ger Ueberfluß — Doch des Herbstes reiche Blumenspende Giebt dem Auge Reitz und Vollgenuß. 4. Aus der Reihe dieser Lauberhütten Zeichnet eine sich durch Größe aus, Auch Bewohner fein'rer Art und Sitten Zieren dieses schmucke Bretterhaus. Schneeweiß glänzt das Linnen von den Wänden Und das malerische Laubgewind Von geübten zarten Frauenbünden Schön gereiht die Blumenkränze sind. 5. Jst's doch der Gemeinde Aeltsten einer, Der sein Zelt hier aufgeschlagen hat, Hochgeehrt wie Naftaly ist Keiner In dem ganzen Synagogen-Rath — Auch ist Sara seine Frau nicht minder Eine Perle von dem seltnen Fund — In dem Kreise ihrer frommen Kinder Krönt sie heiligend des Hauses Bund. 6. Auch an Gütern ist der Mann gesegnet Und sein Neichthum ist der Armen Freud — Jeder Traurige, dem er begegnet, Findet bei ihm Schutz für Noth und Leid. Groß ist heute an dem Freudenfeste In der Hütte seiner Freunde Zahl Arme reih'n an Reiche sich als Gäste Bei dem festlich schönen Freudenmahl. 7. In dem Kreis der Gäste strahlt vor Allen Eines Jünglings edele Gestalt, Seinen Namen hört man weit erschallen, Hoch getragen von des Ruhms Gewalt, In die Gotteslehre, ohne Gleichen, Drang sein glänzend hoher Forschergeist, Jünger noch — doch bald wird er erreichen Jene Würde, die als Rahw ihn preist. — Diesen Jüngling hat der Herr der Hütte Sich erwählt zum künftigen Tochtermann, Denn es schließt nach isrälitscher Sitte Dem Gelehrten sich der Reiche an. — An Rebeka's Seit', ihr angelobet Sitzet Joseph in Bescheidenheit, Nicht ein Feuer, das da flackernd Lobet, Ist die Liebe, die ihr Herz erfreut. — 9. Also würzt Gastfreundlichkeit und Liebe Dieses Freudenfest in Israel. Eine Woche folgt das Volk dem Triebe Mäßiger Lust zum Heil für Herz und Seel, Freude setzet diesem Fest die Krone, Freude ist es, die dies Fest regiert, Daß die Freude Men inne wohne, Wird sie in die Hütten eingeführt. Louis Mayer aus Wloclarvek. RSthsel. Wie weht der Wind so scharf durch's Land! Es stirbt schon die Natur. Der Wald legt ab sein grün Gewand, Schon decket Reif die Flur. Doch froh wie's Vöglein eilt hinaus Ins Freie mancher Mann. Wie's Vöglein baut er sich ein Haus, So gut er's bauen kann.