Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1863-09-24 · Heft 38 (24.9.1863) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 38 (24.9.1863)
Date
1863-09-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447089-2447127--02144-2457459
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

471 Ligen Tage von dem Repräsentanten - Collegium einstimmig zum Rabbiner der großen Synagoge Breslaus gewählt worden ist. Ich muß dem Borwurf Ihres geschätzten Correspondenten aus Oberschlefien gegen das Seminar wie gegen vr. Jo öl durchaus widersprechen. Was das Seminar anlangt, so drückt nicht der vierte Lehrer einer Anstalt, sondern lediglich der Director die Richtung und den Charakter derselben aus.*) Was aber vr. Joöl betrifft, so kann ich Ihnen versichern, daß mir erst dieser Tage hiesige talmudische Celebritäten wie Joseph L. Feder und David Schlesinger p"p-> versichert haben, wie man sich freue, daß an die Stelle eines Geiger vs.-> n-r L'pü irrv ein Mann wie Joöl käme, von dem man sich versichert halten darf, daß er nicht bloß keine neuen Reformen emführen, sondern vielleicht auch Manches wieder gut machen wird, und von dem man überzeugt ist, daß er echt religiös und ein für das Judenthum erglühter Charakter ist. **) Außer vr. Joöl haben hier noch Probepredigten gehalten vr. Wolf aus Gothenburg (Schweden), Dr. Stein aus Danzig und Or. Cohn aus Potsdam. Breslau. Die Probepredigten sind zu Ende, auch die Wahl vorbei. Bon den Wahlcandidaten vr. Joöl, Rabb. De. A. Stein und Rabb. Or. Cohn aus Potsdam wurde Erstgenannter einstimmig von der Cultuscommission zu Dr. Geigers Nachfolger gewählt, vr. Cohn hielt die letzte Probepredigt. Der Text seiner Predigt war: Kommet ihr Durstigen alle zum Wasser, auch die ihr kein Geld habt u. s. w. Sein Organ übertraf das seiner Vorgänger. Die Form, in der sich der tiefdurchdachte Vortrag bewegte, war durchaus künstlerisch. War auch die Deklamation ein Wenig zu rasch, so verstand man doch Alles. Die Predigt wurde mit großem Beifall ausgenommen. Allein, da man bei der Wahl auch auf einen wissenschaftlichen Namen sah, so trug Joöl den Sieg über die Mitbewerber davon, vr. Joöl hat bereits am *) Anm. d. Reo. Diese Ansicht ist wohl nicht haltbar; wir verweisen auf Chullin 14 i>. und zwar auf dt« a»S Sprchw. e. 29 gezogenen Consequenz. **) Anm. d. Red. Wir stimmen dieser Frende der Herren Bresl. Dajanim zu und finden sie ganz erklärlich; trotzdem ist die Annahme der Liturgie Geigers von Seiten des Herrn Dr. Joöl ein Dementi für ihn und für die Anstalt, an welcher er bisher gewirkt hat. ersten Tage des Neujahrsfestes gepredigt. Wenn auch einem zuverlässigen on ck!i zufolge Geigers Institutionen bleiben, so wird doch von Joöls Seite viel für das Judenthum gethan werden können, und er wird es auch thun. Es wird besonders in der Religionsschule der jüdische Geist sich mehr Geltung verschaffen, und jüdischen Anstalten wird vr. Joöl unbedingt seine Aufmerksamkeit zuwenden. Vielleicht gelingt es ihm auch, nach und nach dem alten Ritus neue Kraft zu verleihen. Sollte« Veränderungen Vorkommen, so bin ich bereit, Sie hiervon in Kenntniß zu setzen. N. R. Oesterreichischer Kaiser st aat. Brrtfcholvitz, im September. (Durch Zufall verspätet.) Wie dieses geschätzte Blatt bereits mitgetheilt, wurde Herr Or. H. Lipschitz aus Ab. Szanto als Rabbiner für den hiesigen vacant gewesenen Rabbinerposten berufen und sah die hiesige jüdische Cultusgemeinde aus rwri 'S 's risn der Ankunft ihres neu acquirirten Rabbiners entgegen. Am 26. August um 11 Uhr Vormittags langte derselbe in Begleitung seines hochverehrten Herrn Vaters am Stationsplatze in Brünn an, und von der ehrsamen Gemeinderepräsentanz daselbst erwartet und begrüßt, fuhr er in ihrer Begleitung dem Orte seiner nunmehrigen Bestimmung zu. Mit der Tagesneige fanden sich die Cultusrepräsentanz und alle jene, die ein öffentliches Amt in der Gemeinde bekleiden, beim Herrn Rabbiner zum nochmaligen Bewillkommungsgruße ein und wurde dieser schöne denkwürdige Tag mit einem Festessen beschlossen Am folgenden Sabbate hielt der Herr Rabbiner seine erste Predigt, worin er sich als eminenter Kanzelredner manisestirte. Er verglich in seiner Rede sein Verhältniß zur Gemeinde mit dem eines Bräutigams zur Braut, wandte den Traubaldachin, den Trauring und die Ketuba zu seiner Verbindung mit der Gemeinde in trefflichen sinnigen Bildern an, und nachdem er auch der Pflichten der Gemeinde ihm gegenüber Erwähnung that, schloß er die an Form und Diction meisterhafte dargestellte Rede mit den Worten "ri'-Q.i 'isi .ibr-t". Mit der vollsten Befriedigung verließ Jeglicher das Gotteshaus und gab sich den besten Hoffnungen für die Zukunft der Gemeinde hin. Möge es nun Herrn vr. H. Lipschitz, dem trefflichen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.