Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 36 (9.9.1863)
- Date
- 1863-09-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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448 die Vergangenheit ziehen und vergessen — alles vergessen, nur das nicht, wozu ein solcher Hader führt. GS mögen alle jene Gemeinden, in denen eine Weiche Feuersrnacht „die losgelaffen wachsend ohne Widerstand durch die volksbelebten Gaffen wälzt den ungeheuren Brand" es mögen alle jene von dieser Geschichte uns. vx multis lernen, wie und wo und wodurch man solche Herzensentfremdung gründlich "heilet. — Es möge der Allgütige, das ehrwürdige Radbinats-Collegium die Früchte seiner schönen Thal genießen lassen. Preußen. Königsberg, 30. Aug. Die wichtigste Nachricht von hier ist die von dem plötzlichen Tode unseres Predigers I. L. Saalschütz, erfolgt heute vor acht Tagen im benachbarten Seebadeorte Nenkuhren. Die Beerdigung fand erst Donnerstag Nachmittag unter zahlreicher Betheiligung der Gemeinde statt; eine Grabrede wurde auf ausdrücklichen Wunsch der Wittwe nicht gehalten. Was die Wiederbesetzung der vacanten Stelle betrifft, so hat das Gemeindestatut den Fall vorgesehen und bestimmt, daß künftig nur solche Bewerber zugelassen werden sollen, die wissenschaftliche und talmudische Kenntniß auf gleiche Weise besitzen — eine Anforderung, die bei den Verschiedenen hier herrschenden Elementen nicht leicht zu befriedigen sein dürfte. Der Verstorbene hat sich in Altzrthumswissenschaft, über die er auch an der Universität Vorlesungen hielt, unstreitig einen Name» gemacht. — HuLosvat in paos! — Der in Wilna verhaftete jüdische Buchhändler aus Berlin, der hier verlobte junge Herr Gvldberg, von dem ich Ihnen neulich schrieb, ist endlich gegen Caution von dem strengen Murawiew vorläufig freigegebeu worden, die Stadt jedoch darf er nicht früher verlassen, als bis seine Unschuld in Betreff der angeblichen Verbreitung uncensirter Bücher klar an den Tag gekommen fein wird. Das wird wohl «och eine Weile dauern. Leider müssen wir die gerechtfertigste Vermuthung aufstellen, daß die Verhaftung jenes Buchhändlers 121V) lediglich auf Demwciatwn feiner Wilnaer Concurrenten vor sich gegangen ist. — Man meldet mir so eben von der polnischen Grenze bei Georgenburg, daß die Russen dort unwett einen Rabbinen, der sich für die Freilassung einiger seiner Glaubensgenossen interessirte, welche, den Insurgenten Vorschub geleistet zu habe« verdächtig, arretirt worden sind, selbst verhaftet und mit Knutenhieben traktirt haben. Die armen Juden, in die Mitte gedrängt zwischen Russen und Molen, müssen von beiden Seiten nun während der KriegSdrangsale unsägliches Elend erleiden, und wünschen nichts sehnlicher als die Beendigung des unseligen Kampfes. An dem guten Willen Kaiser Alexanders, des Emancipators von zwanzig Millionen leibeignen Bauern, zweifelt Lei uns Niemand. Auch sind wir überzeugt, daß der erhabene Monarch eben so wenig für die erst kürzlich in Riga erfolgte schmähliche Vertreibung der Juden, wovon die Zeitungen so erschütternde Details brachten, verantwortlich ist. Seinem edlen Herzen ist dieser betrübende Vorgang gewiß fern, und wir werde» nicht ermangeln, Ihnen von den Schritten, welche wir deshalb unternahmen, baldigst zu berichten. — Neulich hatten wir hier einen jungen Mathematiker aus Kowno, Sohn des frommen Rabbi Israel Salanth, der eine geniale Rechenmaschine erfunden hat, mittelst welcher quadratische und cubische Wurzeln mit Leichtigkeit gezogen werden könnm. Wir empfahlen ihn einigen befreundeten Universitätsprofessoren, die den talentvoller! Autodidacten freundlich aufnahmen und zum weiteren Studium aufmunterten. Er aber, Namens L. Lipkin, versah sich mit höheren mathematischen und physischen Werken und kehrte wicker zn seinem frommen Vater nach Kowno zurück. — Zn dem kaum gegründeten Warsen inst L tut ist schon ein Zwiespalt eingetreten dadurch, baß man darin auch uneheliche Kinder — borridile äiotu — aufzunehmen beschloß, daß man also die Anstatt gewissermaßen in ein Findelhaus umzuwandeln Willens ist. Welche Verkehrtheit! Wir können deshalb den Austritt des Vorstehers und Gründers Herrn W. Wiener nur beloben. Schweiz. Beim, 29. August. Der Große Rach von Aargau ertheitte gestern mit 89 gegen 64 Stimmen den Juden alle politischen Rechte gemäß dem Bundesbeschluß. Die Einbürgerung derselben bleibt ferneren Unterhandlungen mit dm Bundesbehörden Vorbehalte«.