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Der Israelit · 1863-09-09 · Heft 36 (9.9.1863) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 36 (9.9.1863)
Date
1863-09-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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440 richts, was wird aus ihm werken? Und wo wäre der Mensch, den das Bewußtsein der Schuld nicht niederdrückt, der so kecken Antlitzes wäre A spreche«: ich habe nicht gesündigt was wird aus uns werden? In Seiner Gnade hat uns der allmächtige Gott den warnenden, erweckenden, fürsprechenden Schofarton gesendet, der in seiner Bedeutungsfülle umschließet hohe Geheimnisse, uns zum Besten, wiewohl uns meistens verborgen. So möge er uns denn erwecken und tarnen, damit wir freigesprochen werden im Gericht, damit es von uns heiße: ppi'i ->2122 ,dr!2ri^i Iprdi -«"VNI -rpbll'? gerechtfertigt sind Israels Kinder, die da durch des Schofars Ton erweckt, das Recht in Erbarmen umzuwandeln verstehen. Am Neujahrstage, erzählen die Weisen, sitzt der Allmächtige auf dem Throne des Gerichts, umgeben von Myriaden seiner Engel, bereit die Welt zu richten. Bor ihm liegen aufgeschlagen die Bücher des Lebens und des Todes. Da erscheint der Ankläger mit siegendem Blick und hofft schon, Israel fei der Vernichtung preisgegeben. Horch, da ertönt Israels Posaunenton in der Höhe und durchbricht das Himmelsgewölbe und dringt in Abrahams Ohr: Wach auf. wach auf, Abraham, und erscheine vor Gericht, ein Fürsprecher zu sein deinen Kindern und den sie bedrohenden schweren Zorn abzuwenden! — TixTp das ist die erste Ordnung. Und die zweite Ordnung ertönt bis zu Jizchaks Ort, und Jizchak sieht den Vater, und auch er eilt herbei, um als Fürsprecher zu erscheinen im himmlischen Rathe. Schon schwindet des strengen Richters Zorn, und die dritte Ordnung ertönt, sie durchbricht alle Himmel und führt Jakob herbei, und die drei Väter der Welt flehen für ihre Kinder und erwecken das Erbarmen, so daß beim Tone der vierten Ordnung der Herr sich setzt auf den Thron des Erbarmens und seinem Volke die Sünden verzeiht. — An uns ist es nunmehr, durch des Schofars Ton erweckt, der Väter Fürsprache §u verdienen. Abraham! wahrlich, dem wahrhaften Israeliten ist der Name dieses unseres Stammvaters kein leeres Wort, nicht blos die Bezeichnung einer geschichtlichen Persönlichkeit; es ist vielmehr die dringende Mahnung, ihm nachzueifern. Gott hat Abraham nur deshalb erwählt, damit er seinen Kindern nach ihm befehle, in des Allherrn Wegen zu wandeln. Abraham ist uns der Repräsentant der Erkenntniß der göttlichen Einheit, dieser Grundlage unserer heiligen Religion, aus der das ganze Gebäude derselben sich aufbaut. Ist Gott Einer, so ist er der Schöpfer, der Herr, hat von uns zu fordern unbedingten Gehorsam und unbegrenzte Liebe. Jeder Ungehorsam, jedes Raumgeben einem Gefühle, das der Liebe zu Gott entgegen wäre, ist Götzendienst. Götzendienst ist demnach die Herrschaft der Leidenschaft, Götzendienst der Zorn, Götzendienst ist die Verletzung des Sabbats, den falschen Götzen, nicht Gott, dient das von der Habsucht eingenommene Herz. O, wer hat gleich Abraham die Einheit Gottes wahrhaft erkannt und ihr gemäß gelebt, daß er auf seine Fürsprache zu zählen vermöchte? Das zu beherzigen möge uns die erste Ordnung der Schofartöne vollbringen! Und wie Abraham, so ist auch dessen einzig geliebter Sohn Jizchak nicht blos ein geschichtlicher Name. Jizchak ist es, der uns lehrt, auf die Freude« dieses Lebens zu verzichten und den Blick nach jener Welt zu wenden. Jizchak war es, der sich hinstreckte auf den War, freudig sein Leben daßbringen wollte auf Gottes Geheiß; und als sein Mter die Haud mit dem Schlachtmesser ausstreckte, da Entfloh des Sohnes unsterblicher Geist, geöffnet war seinem Blicke des Paradieses strahlende Herrlichkeit sein Blick blieb abgewandt von dieser Welt, um nach dem Je»seits stets zu schauen. So lehre uns denn Jizchaks Beispiel, daß es ein Jenseits gibt und daß alles vergängliche Glück auf Erden nicht werth ist, der Herrlichkeit der zukünftigen Welt gleich gestellt zu werden; so mögen uns denn erwecken die Schofartöne der zweiten Ordnung, damit wir vergleichen die so bald schwindende Lust der Sünde mit der ewigen Strafe und die so bald und*nüt geringer Mühe vollbrachte Gutthat mit dem ewigen Heile! Und wie Vater und Sohn, so ist auch der Enkel Jacob, der eigentliche.Stammvater unsere Volkes, der uns ganz angehört, ein leuchtendes Beispiel für unser Leben und Streben. on V'n Jacob, der vollkommene Mann, der da weilet im Zelte der Gotteslehre. Warum ist es gerade Jakob, der da das strenge Recht in Erbarmen wandelt? Weil er den Gottesgeist alle n seinen Kindern vererbt hat. — Ach, wie droht doch in unserer Zeit so sehr dieser Gottesgeist, das alte Erbe Israels, dem Heranwachsenden Geschlechts verloren zu gehen! Es sind in den jüngsten Nummern dieser Blätter die religiösen Verhältnisse einer großen durch Reichthum und Intelligenz ausgezeichneHn Gemeinde geschildert worden; kann es wohl ein traurigeres Bild geben? Die Feier des Sabbats hat aufgehört, die Thora ist vergessen, das Gotteshaus steht leer, ja, ist gar nicht mehr als ein jüdisches Gotteshaus anzusehen, Gemiluth Cheßed ist entschwunden, die Kinder wachsen auf ohne irgend eine Ahnung von der jüdischen Lehre und den jüdischen Pflichten, die Frauen kennen die Grundbedingungen des jüdischen Ehekebens nicht mehr und statt des alleinigen Gottes werden zwei Götzen angebetet: Gewinn und Genuß. Steht etwa die hier erwähnte Gemeinde vereinzelt da? Wird das von ihr entworfene Bild nicht noch auf viele andere noch größere, reichere, intelligentere jüdische Gemeinden

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