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Der Israelit · 1863-09-02 · Heft 35 (2.9.1863) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 35 (2.9.1863)
Date
1863-09-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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435 darlegt. Eine Gemeinde, in welcher ein derartiger Geist sich manifesttrt, mag wohl den anderen kleineren Gemeinden und Genossenschaften als leuchtendes Beispiel vorgeführt werdm, damit die kleineren Geschwister, welche auf Pie erstgeborne die Augen richten, in diesem Anblich zur WahrhM geleitet werden. Höchst ehrend ist es für Preßburg, daß ungeachtet der vielen Neuerungskämpfe innerhalb Israel ln diesem Jahrzehnt?, sie eine der hervorragendsten der orthodoxen Gemeinden in den ganzen öftere. Staaten ist, hervorragend durch Frömmigkeit und Intelligenz, vertreten durch einen Rabbiner, der zu den ersten seiner Zeit zählt; im Besitz einer Räbbinatsschule, die kein voriges Jahrhundert aufzuweisen vermag. Auch der bürgerliche, sociale Charakter kann mit Lob erwähnt werden; gegen 20 wohlthätigr Vereine stehen hier in voller Blüthr. Es verdient hier ein Verein eine rühmliche Erwähnung, welcher unter dem Namen kilHI den Zweck hat, ,^21^7) ,-Illtl ">it Munisizenz zu unterstützen, und endlich ein anderer Verein, welcher keinen Winter htnziehen läßt, ohne die Dürftigen der Gemeindeglieder, wenn auch nicht Gelehrte, mit Brennholz, Brod und Kartoffeln zu betbeilen. Aber auch der fremde Htlferufende klopft nicht vergebens an die Pforte. Man hatte stets ausschließlich solche kluge Männer an die Spitze der Gemeinde berufen, welche durch Religiösität die Liebe von Nahe und Ferne erworben, unser wackerer, energisch eingreifender Gemeindevorstand, welcher alle alten religiösen Einrichtungen überwacht, hat unserer Gemeinde eine Synagoge erbaut, welche vom 1. bis zum 4. d. Mts. etngewetht wird. Es ist eine erfreuliche Erscheinung für Jeden, der noch Gefühl für Judenthum hat, daß inmitten des Jndifferentismus, der sich mit aller Kraft nach allen Setten hin ausbreitrt, inmitten des Materialismus, der seine Herrschaft immer mehr zu befestigen, seine Eroberung immer weiter auszudehnen sich bemüht, daß bei so Lewandten Umständen noch eine Synagoge nach altem Styl und Ritus erbaut wird. Doch wer beschreibt den entzückende« Anblick des Prachkgebäudes; Thürme über Thürme, nach und -nvdN dennoch sich viel unterscheidend, von den nichtjüdischen Betbäusernl Wer beschreibt den wahrhaft bezaubernden Eindruck, den das Innere dieses prachtvollen Tempels hervorbringt! Kein Cboralgesang, welcher die Ueberbrückung zu allen Reformen ist, wird gehört werden: Dagegen erhebt sich in der Mitte der Synagoge geschmackvoll der Almcmor und so steht ein äußerst geschmackvoller Tempel in sehr kurzer Zeit da, der ein dauerndes Denkmal der lauteren, religiösen Gesinnungen unseres löblichen Vorstandes auf lange Zeit, und der späteren Nachwelt dankbare Erinnerung welken wird. Möge nun aber auch dieser gottgeweihte Tempel nicht nur die bierortigen Israeliten, sondern auch andere Gemeinden zu desto größerer Erbauung und zur Ausübung aller jener Handlungen aneifern, die uns die Religion im vorschreibt, und sich stets den rrformsüchttgen Bestrebungen zu widersetzen und nicht in die geringste Verkürzung des uns Ueberlieferten zu willigen. Mögen sich aber auch insbesondere die hierortigen Israeliten die Nächstenliebe beherzigen, dann werden sie beweisen, baß der Bau dieser Synagoge nicht aus Eitelkeit, noch aus anderen materiellen Triebfedern unternommen wurde. Ich habe gesagt, daß Preßburg in religiöser Beziehung die hervorragendste Stelle einntmmt, doch zu meinem größten Bedauern werde ich auch diese bittere Wahrheit gestehen, auch hier erschallt die Posaune des Kampfes, auch hier haben die modernen Elemente bet einigen verleiteten Menschen einen günstigen Boden gefunden; aber nicht so arg, wie man es oft in den jüdischen Zeitschriften zu lesen bekam. Doch es ist wahr, es ist hier eine Reformpartet zu Stande gekommen. Freilich, rufst Du, lieber Leser, in Preßburg ein« Reformpartet? In Preßburg 2X1 -pp ^>X"iM2 eine Reformpartet? In der Gemeinde, welcher Israel in diesem finstern Jahrhunderte seinen Geistesadel zu verdanken hat, selbst da verweset und erstirbt der jüdische Geist. Und wo ist me Lehpe von jenen Männern Olikl "i"2 1S1O, die immer bestrebt waren, das Schifstein Israel auf dem brausenden, stürmischen Meere vor Brandung zu schützen und jetzt soll man sich wie «in schiffbrüchiger an den Mast klammern und geduldig warten, bis die wilde Fluthen fich verlieren? Fasse Muth, erschrick nicht, jüdisches Herz! Z»m AuSbruch, eines so argen Zwiespaltes ist unsere Gemeind« zu gebildet. So arg ist es lange nicht, wir wir sinven im ^Ben Chananja Nr. 31* eine Correspondenz aus Bau Trentschin vom 14 Juli, die mit einer lügenhaften, schmutzigen Feder, Lug und Trug, Verleumdungen und Dummheiten dem lesend«» Publikum auftischen will: Ich mache mir es zur Aufgabe, die Sache zu beleuchten, wie es sich hier gestaltet, und werde nur den Weg der strengsten Wahrheit einhalten. ES ist wahr, es gibt auch in unserer großen Gemeinde hte und da manche Reformsüchttg« und Reultage; sie blieben nickt nur in der Minorität, sondern sie kommen z» gar keiner Zahl. Endlich Ende vorigen Jahres haben sich es einige Männer aus der Wiener Gemeinde, wie sie die „neue Zeit" namentlich bezeichnet, zur heiligen Pflicht gemacht, in Preßburg eine Sultusreform herbeizuführen, die ähnlich den Gemeinden Wien und Pest eine zeitgemäßere Gestalt geben sollen, und endlich sie zu fchaaren um die bunte Fahne destruktiver Reform. Dieselben haben im Hause der Banquirr Ritter von Tedeseo aus Wien einige Zimmer in eine Chorschule verwandelt. Da aber die kirchliche» Choralgesänge in Preßburg als antiisraelitisch betrachtet wurden, so waren die Hälfte der Sitze leer und die andere Hälfte stehet meistens leer. Es kamen nur Leute, die schon gebetet haben oder nicht beten, auch manch« gähnende Studenten: so mußte man sich, damit die Räume nur gefüllt sein sollen, Leute für Geld erkaufen, arme alte Leute, Haufirer, Schneider, Schuster und Buchbinder. Wir sehen, wie man Gewalt gebraucht, die Schranken zu durchbrechen, wie man kein Geld schont, das alte Judenthum zu untergraben, selbst Chorchafan, Sänger 2^12 ISO wurde ihnen aus Wien besorgt. Dieser traurige Act erinnert mich kn die Worte des treuen Hirten vr- Lehmann w sÄner Zeitschrift, I. Jahrgang Nr. 2 welche lauten: „Lernet selbst von dem angrcifenden Feind, wie tbätig er ist u. s. w." Wer zählt noch die Widerwärtigkeiten, die von außen stürmen. Als die Hrn. Jellinek und Mannh^- mer davon Kunde bekamen, daß die Geisteskrankheit, welche die jüdische Welt durchzieht, in Preßburg sich Luft gemacht, so sendeten sie gleich ab einen Missionär, Herrn vr. Brüll, das neue Judentbum, in Preßburg zu befestigen, wie es die „Neuzeit" Nr. 30 und „Ben Chananja" Nr. 3t berichten. Herr vr. Brüll kielt den 18. Juli die erste Rede, wählte sich zum Text: —?.12 iIVN H1X1 .-I2k1^Q2 1X2' 22'NX.I Schließlich, ob Herr vr. Brüll rin würdiger Doktor ist, wie ma» Gott sei Dank in unserer Gemeinde deren genug findet, und ihre Schäden heilen wird, oder ob er nur als Leichenbeschauer einen Todtenschein ausliefern wird, damit das Judenthum von de« Reformern als Leiche zu Grabe getrag»n wird, werden erst die Folgen lehren. Ucbrigens ist es wünschenswrrth, daß unsere im Jrrthum befangene Brüder zum echten, alten Glauben zurückkehren. So mögen wir es auch vereint im neuen Tempel bei dem herannakenden heiligen Tage vom treuen Doktor, unserem himmlischen Vater erflehen, daß man zur Einsicht komme, daß es eine himmlische Buchhaltung gibt, einen obersten Gerichtshof welcher sich in religiöse Prozesse einmischt. Mas Keber.

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