Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1863)
- Date
- 1863-08-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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und Anhänglichkeit an den liebenden und geliebten Landesvater und war es besonders der vor einigen Monden verflossene hohe 80. Geburtstag seiner Hochfürstlichen Durchlaucht, an welchem auch seine israel. Unterthanen der hiesigen Residenzstadt auf würdige Weise sich dankbar zeigten für die so vielfachen Beweise seiner Huld, mit welcher Er seine getreuen Israeliten umfaßt und welche derselbe in kürzester Zeit aufs Neue an oen Tag legte, indem Seine Hochfürstliche Durchlaucht in Gnaden geruhten zu dem projektirten Synagogenbau, — worüber schon in Nro. 23 d. Bl. referirt worden — einen allerhöchsten Beitrag von 1500 st. zu spenden. — In Bethätigung solch edler Denkungsart und von allem Vorurtheil freier Gesinnungsweise folgt derselbe aber nur den Fußtapfen seiner schon längst Heimgegangenen, glorreichen Ahnen, welche die aus Frankreich ihrer Religion wegen vertriebenen Hugenotten gastliche Aufnahme in ihrem kleinen Gebiete finden und dieselbe die jetzt noch bestehende, französische Colonien gründen ließen; ebenso ging seine Hochs. Durchlaucht beinahe allen Potentaten Deutschlands in der Emancipation der Juden voran und berief unsere Glaubensgenosten zu Staatsämtern. Möge Ihn Gott zum Segen all' seiner treuen Unterthanen, insbesondere aber im Interesse der Menschenrechte, welche in ihm einen eifrigen Anhänger und Vertheidiger besitzen, noch lange seinem hohen Berufe, den Er mit so vieler Umsicht in seiner vollen Bedeutung zu schätzen weiß, erhalten. — Ein solch erhabenes Beispiel mußte aber bei Männern wie die Väter hiesiger Stadt würdige Anerkennung, ja sogar Nachahmung finden und wirklich lieferten diese Herren den Beweis, daß sie den Bekennern jeder Confession gerecht zu werden sich bemühen, indem auch sie aus den Mitteln der Stadt der betreffenden Baukommission die namhafte Summe von 1000 fl. zur Verfügung stellten; einen gleichen Betrag bestimmte die Kurhaus-Administration zu demselben Zwecke. Diese anerkennungswerthen Thatsachen constatiren, daß hier die Scheidewand, die Brüder von Brüdern, Menschen von Menschen trennte 7i"2 vollständig gefallen und lassen zugleich die wohlthätigen Consequenj zen herausfühlen, die eine friedliche Uebereinstimmung! nach Außen, wenn auch nicht auf Kosten der Rei ligion gegründet, allseitig merklich werden läßt,! Ml' O2 O'rix N2V O'pz riai 21V. F. krank.! O e st e r r e i ch i s ch e r Kaiserstaat. Lemberg, 26. Juli. Ein empörender Erceß fiel hier heute Nachmittag öor. Banden von meist! polnisch gekleideten und durchschnittlich 10—15 Jahre zählenden Jungen, denen sich übrigens auch eine An- , zahl älterer Bursche und Dirnen der untersten Klasse? anschloß, unternahmen eine großartige Judenhetze,; vorzugsweise in der nur theilweise von Juden bewohnten neuen Gaffe und Wallgaste und in den anstoßenden Gaffen. Besonders ein Haus (Nr. 352, Stadt, in der Wallgaste gelegen) war das Objekt ihrer Wuth; in diesem zweistöckigen Hause wurden sämmtliche Scheiben der Frontfenster mit Steinen eingeworfen, wobei man bemerken konnte, wie auch ältere Personen, statt abzumahnen, die Sache als einen guten Spaß zu betrachten schienen. Vor den herbeigerufenen Militärpatrouillen ergriff das Gesindel die Flucht, kehrte aber immer wieder, so daß zuletzt vor dem erwähnten Hause ein starker Militärposten aufgestellt werden mußte. Auch in anderen Häusern wurden Scheiben eingeworfen und mehrere Personen mit Steinwürfen angegriffen, was auch einige Verletzungen zur Folge hatte. Der Goniec brachte die Notiz, ein Bäckergeselle sei im Judenviertel todt gefunden, und es verlaute, derselbe sei von Inden todtgeschlagen worden In Folge ^dessen fand man sich veranlaßt, Nachforschungen anzustellen. Diese ergaben, daß ein betrunkener Geselle, der in einer benachbarten Schenke Händel angestiftet hatte, in Folge seiner Berauschung auf dem Straßenpflaster niederfiel und von einer Militärpatrouille hinweggebracht wurde. Derselbe befand sich „den Umständen ganz angemessen", und war schon am nächsten Morgen im Stande, seine gewöhnlichen Besuche in den Schankhäusern zu machen. Die wohllöbliche Straßenjugend scheint der Wahrheitsliebe des Goniec Glauben geschenkt zu haben und begann einige Häuser im Judenquartier zu demoliren und sich an den Juden zu vergreifen, die sich indeß zur Wehre setzten, so daß es in der Mitte der Stadt zu einem mehrstündigen Kampfe kam. Abends fanden sich die Behörden veranlaßt, durch starke Jnfanterie- und Cavallerie-Abtheilungen die Straßen sperren zu lasten und das Gesindel davonzujagen. Viele Verhaftungen wurden hiebei oorgenommen. Mit Recht warnt die Gazeta Narodowa vor derlei Ercesten, die