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Der Israelit · 1863-07-22 · Heft 29 (22.7.1863) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 29 (22.7.1863)
Date
1863-07-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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356 Möge der gütige Allvater seine schützende Huld diesem frommen Streben zuwenden: damit dieser Verein noch lange 1122h» fortbestehe. — Feuilleton. (Aus meinem: mc? '121 Psalmen rc. Reichenbach i. S. i. I. ->'w2 12^.1-ri"'->ri die nächstens .i"'-r in verbesserter Auflage erscheinen.) Stimm an der Leiden Klagelieder Armes Volk, in aller Welt zerstreut! Deiner Freiheit Sterbetag kehrt wieder: Das Gedächtniß deiner Schreckenszeit. Klage laut dein Weh in dieser Stunde, Klag es Gott, den du zuerst erkannt. — Ach, noch blutet jene tiefe Wunde, Die dir einst geschlagen seine Hand. Oede liegt die Stätte deines Ruhmes: Zion und Jerusalem zerstört, Und der Tempel deines Heiligthums Ward von rohen Horden dir verheert. Sieh', verwüstet liegen dort die Fluren, Die dir hundertfältige Frucht gebracht; Kein Ort Palästina's trägt noch Spuren Deiner alten Herrlichkeit und Pracht. Die Propheten haben dich verlassen, Deine Priester mordete das Schwerdt; Die Tyrannen deines Landes hassen Deine Sitten, ach, und haben dich entehrt —, Durch Gewalt dem Leben fern gehalten, Schmählich jedes Menschenrechts beraubt. Beugtest du barbarischen Gewalten, Israel! dein müdes graues Haupt. — Deine Edlen, fühlend ihre Würde Zogen von dem Land des Elends fort, In der Hand die letzte süße Bürde; Ihr alleinig Gut, das Gotteswort! Wandelten durch Roma's weite Lande, Boten Dienste an für ein Asyl, Und erhöht zum Kammerknechten-Stande — Sah'n im Ghetto sie der Wand'rung Ziel. Und in Spanien ließest du dich nieder Auch in Franken und im deutschen Reich, Doch gar bald vertrieb die Wuth dich wieder, Marternd, dem gehetzten Wilde gleich. Dein Geschichtsbuch ist mit Blut geschrieben, Jedes Land kennt dich als Opferlamm — Und du bist dem Glauben treu geblieben Hieltest fest an Gott und deinem Stamm! Darum klag' dem Himmel deine Plagen, Wein' den Schmerz aus, der dich übermannt. Droben lebt dein Hort — darfst nicht verzagen, Wird dein Werth hienieden auch verkannt. Er, vor dem die Mächtigen erbeben, Dessen Hand Gerechtigkeit nur führt. Er belohnt dereinst dein redlich Streben Und verschafft den Sieg, der ihm gebührt! üemried Helluai'?, Rsbbinatsverwescr in Gumbinnen. --"--T LNL«-> -»c- Gin Gesicht des Propheten Zrrrmia*) von Ich ging — so erzählte der Prophet Jeremia selbst — ich ging nach Jerusalem hinauf. Da erhob ich mein Auge und sah auf der Höhe des Berges ein Weib sitzen, schwarz gekleidet und mit verhülltem Haupte, und das Weib klagte und jammerte und rief: „Keiner, der sie trösten mag!" — Da rief ich klagend und jammernd : „Keiner, der mich trösten mag!" — Und ich nahte mich dem Weibe und redete es an und sprach : „Bist Du ein Weib, so sprich mit mir! Bist Du aber ein Geist, so weich von mir!" Da antwortete mir das Weib: „Kennst Du mich nicht? Ich bin es, die sieben Söhne gehabt, ihr Vater ist weggezogen und hat mich verlassen, ist weit weggezogen, in ferne Lande jenseit des Meeres, und als ich über ihn weinte, da kam man und verkündete mir: „„Dein Haus ist über Deinen Söhnen eingestürzr und hat sie allesammt erschlagen!"" Ach, ich weiß nun nicht, um wen ich weinen soll und über wen mein Haupt verhüllen!" — Bist Du bester, sprach ich zu dem Weibe, als die Mutter Zion? sie, die zur Weide geworden ist für das Wild des Feldes? — „Ich bin Deine Mutter Zion," rief jammernd das Weib, „bin es, die zur Weide geworden ist für das Wild des Feldes, bin die Mutter, die siebenfach geboren, die Mutter, von der Du selbst gesprochen:**) „„Die siebenfach geboren, sitzt elend und verlassen!"" Dein Elend, sagt ich jetzt, kommt dem Elend Hiobs gleich. — O, schütte den Staub ab, erhebe Dich und setze Dich wieder auf den Thron, Jerusalem! *) Rach Jalkut Irrem. 15. Nr. 293. **) Jerem. 15, 9.

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