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Der Israelit · 1863-07-22 · Heft 29 (22.7.1863) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 29 (22.7.1863)
Date
1863-07-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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354 alsdann an Ort und Stelle wohl selbst überzeugen, ob das Colonisationsprojekt schon an der Zeit, und da man dem bewährten Urtheile dieses edlen Mannes wohl vertrauen darf, so darf man jetzt schon gespannt sein, wie dasselbe ausfallen wird. Bis dahin wird wohl auch nichts Entscheidendes in dieser Angelegenheit geschehen können. Oesterreichischer Kaiser st aal. Man schreibt dem Pester Lloid: Krajova, 21. Juni. Ich übersende Ihnen hiermit eine getreue Uebersetzung eines gegen die Israeliten gerichteten Ministerialerlasses, dessen Original in rumänischer Sprache sich in meinen Händen befindet. Der Erlaß wurde an sämmtliche Präfekten Rumäniens versendet und lautet: „Vom Ministerium des Innern, Nr. 215, 4. Jänner 1863. An die Präfektur. Aus der Adresse Nr. 5072, welche ich vom Minister des Aeußern empfangen habe, bin ich unterrichtet, daß das russische Gouvernement Maßregeln getroffen hat, Pässe der Israeliten zur Reise nach Rußland nicht zu visiren, höchstens auf kurze Zeit für Handeltreibende und ohne Begleitung ihrer Familie. Ich habe daher für gut befunden, auch von Seiten der hiesigen Regierung gleiche Maßregeln zu treffen. Ich fordere Sie daher auf, Herr Präfekt, daß Sie die strengste Aufmerksamkeit haben, damit der Einlaß der Israeliten in das Land selbst Solcher, die mit Reisedokumentcn versehen sind, nicht gestattet werde, ausgenommen für kurze Zeit und nur für Handeltreibende ohne Begleitung ihrer Familien; denn Sie wissen sehr gut, daß die Nachlässigkeit, mit welcher die bisherigen Spezialbefehle über den Eintritt der Israeliten behandelt wurden, zur Folge hatte, daß dieser Same das Land überschwemmte, zum Nachthcile der Einwohner. Wollen Sie aufs Rascheste die strengsten Maßregeln ergreifen damit dieselben nach Ablauf ihrer Pässe in die Heimath zurückgcwiesen werden. Für den Minister des Innern N. Lachovarh; Kanzlcichef I. Pali an." Es ist das Loos aller großen Männer, von ihrem Zeitalter verkannt zu werden und erst die spätere Zeit läßt ihnm und ihrem Wirken Gerechtigkeit widerfahren. Dieses Loos trifft auch Herrn Lachovary. Die Vorsehung hat ihm nicht gegönnt, die Ausführung feiner mit so vieler Weisheit gewürzten Mandate noch unter seinem Regiments zu sehen und deren Folgen zu genießen. Er ist längst nicht mehr Ministervertreter; allein seine Ordres werden jetzt von den Andern studirt, um den möglichsten Nutzen daraus zu ziehen. Der Eingang des Erlaßes beweist zur Genüge, von welcher Quelle Herr L. sein Wissen geschöpft hat; das Land seiner Ministerwirksamkeit wird ihn: schwerlich Dank dafür wissen, und die russischen Staatsmänner es sich nicht besonders zur Ehre rechnen, iu ekÜAis so dazustehen. Will Herr L. die schon seit Jahren hier ansässigen Israeliten nicht über die Grenze weisen, so muß er dulden, daß nicht blos die handeltreibenden Israeliten, sondern auch die zur Erziehung und Bildung der Jugend nöthigen Lehrer und Lehrerinnen israelitscher Confession, ebenso die religiösen Funktionäre sammt Familien, die bis jetzt noch nicht auf rumänischem Boden wachsen, sondern vom Auslande bezogen werden müssen, ins Land der Lachovari kommen. Nach der Weisheit des Herrn L. hätte der verstorbene, noch bei seiner Beerdigung gefeierte Di. Barrasch nicht ins Land kommen dürfen. Hr. L. lege die Hand aufs Herz und frage sich, wer dem Lande mehr genützt hat, Herr vr. B. als Literat, Arzt und Professor, oder Herr L. als Minister-Stellvertreter. Allein das kümmert Herrn L. nicht; er verbietet allen Männern der Kunst und Wissenschaft, Doctoren, Professoren, Ingenieuren u. A., Allen die nicht vom Handel leben, den Eintritt, sofern sie Israeliten sind. Er kümmert sich eben so wenig um Traktate, um die Reklamationen auswärtiger Mächte, welche die Achtung ihrer auf Jahre ausgestellten Pässe fordern. Für die israelitischen Kapitalisten und Eisenbahnbauunternehmer aber dürfte dieser Erlaß ein Wink sein, sich nicht mit Anlehen und Bauten im Lande der Lachovari zu befassen oder vlstsrio Nanäats zu kaufen, die Monate lang nicht bezahlt werden. — Zur Ehrenrettung der rumänischen Nation muß jedoch erwähnt werden, daß die Stimmung im Volke gegen die Israeliten hier zu Lande eine ganz friedliche und freundliche, das Volk ist bester als seine Lachovari —- und daß der angeführte Erlaß nicht etwa Folge eines Kammerbeschlusses oder eine Ministerkonferenz ist, sondern einzig und allein geistiges Produkt des Herrn Lachovari. (Hierbei eine Beilage.) Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Ronx'schen Hofbuchhandlung. — Druck von I. GottSlebe» in Main).

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