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Der Israelit · 1863-07-15 · Heft 28 (15.7.1863) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 28 (15.7.1863)
Date
1863-07-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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344 ein Dajan Preßburgs sein kann, der jedoch zugleich Deraschot zu führen hat. Wir können nicht umhin, dem strengen Logiker das gebührende Lob zu zollen, und fühlen auch recht wohl, daß ihn der Grundsatz nrin win pn — freilich für einen Journalisten etwas fatal — leitete, wodurch er zu dem weisen Schluß gelangte, wo früher ein Dajan gewesen , könne jetzt kein Rabbiner sein. Nichtsdestoweniger aber müssen wir gestehen, daß eben diese Schlußbehauptung, die dem ganzen Artikel sein Dasein und seine eigenthümliche Fassung gegeben, den vollen und gerechten Unwillen aller derer, welche die Verhältnisse Preßburgs kennen, erregt, und müssen dieselbe als entschieden unwahr bezeichnen, indem wir derselben folgende Thalsache entgegenhaltcn: 1) Nicht das Bedürfniß eines dritten Dajans fühlte Preßburg — der zweite ist bereits in der würdigen Person des Hrn. L. Letsch vertreten, — sondern das Bedüriniß nach einem Manne, der die vorzüglichste und bedeutsamste Pflicht eines Rabbiners erfülle (da unser hochwürdiger Herr Oberrabbiner bekanntlich seiner leider geschwächten Gesundheit halber dieser Pflicht nicht entsprechen kann), wir meinen die Pflicht, die Gemeindemitglieder durch öffentliche Reden zur Frömmigkeit anzufcuern, sie zu belehren, ihnen für das, was sie in Synagoge und Haus üben, den nöthigen Geist einzuflößen, sie für die Satzungen und Bräuche unseres Glaubens mit Liebe und Ausdauer zu beseelen; daran that es Noch und diese Noth wurde immer lauter und lauter, das beweist uns die Thatsache, daß der hochw. Hr. Oberrabiner sich eines Tages veranlaßt sah, seinen Kurort zu verlassen, um hieher zu eilen, und in einer öffentlichen, rührenden Rede aus eigenem Antrieb die Mühe zu übernehmen, dieser schreienden Noth durch einen geeigneten Mann abzuhelfen Der Herr Oberrabbiner hielt auch treulich Wort, und am 20. Adar sehen wir ihn in Wien mit dem ehrw. Hrn. Fis chm an unterhandeln, worauf die Aufnahme nach zwei glänzenden Probereden als zweiter Rabbiner unter dem Titel Sub-Rabbiner sertens der Gemeinde erfolgte. 2) Hat es Hr. Fisch man sich zur ausdrücklichen Bedingung gemacht, nichts mit den Funktionen eines Dajan, nämlich mit der oder beim "12 zu thun haben zu müssen. Diese Thatsachen, denken wir, werden hinreichen, um den Correspondenten zur Einsicht zu bringen, daß er viel richtiger gehandelt hätte, wenn er wahrheitsgetreu die rühmliche Handlungsweise Sr.! Hochwürden, den Bedürfnissen der Gemeinde Rechnung! zu tragen, hervorgehoben hätte, anstatt daß er aus! Furcht soder Pietät vor dem Namen Rabbiner zur! Verkleinerung greift und Sr. Ehrw. Hrn. Fi sch man den Namen eines Dajan beilegt, der ihm factisch nicht zukommt. Was uns betrifft, so sind wir Sr. Hochw. dem Hrn. Oberrabiner vielen Dank für sein Mühewalten und Lob für seinen Scharfblick, den geeigneten Mann für Preßburg gewonnen zu haben, schuldig. Hr. Fi sch man ist vermöge feiner glänzenden Eigenschaften, seiner unerschütterlich festen Frömmigkeit und wahrhaften Gottergebenheit, seines Wissensschatzes und Rednertalentes, insbesondere aber durch sein unverrückbares Festhalten an dem alten Judenthum der geeignetste Mann, Preßburg, der Metropole des! echt orthodoxen Judenth'ums, als zweiter Rabbiner! vorzustehen und den hochw. Hrn. Oberrabiner in dem genannten Zweige seines Amtes zu ersetzen. In der That sind auch die eifrigen Bestrebungen unseres ehrw. Hrn. Fis chm an von den schönsten Erfolgen gekrönt; I wir sehen das Bethaus bei seinen Reden in allen seinen Räumen bis zum Erdrücken voll; so sahen wir auch die vorige Woche bei der traurigen Gelegenheit einer ein sehr großes Publikum um riv.-i beflissen, weil man einen -wO.-i zu hören bekam, der alle Herzen erschütterte; auch bei vielen anderen Gelegenheiten, wie hörten wir ihn erhebend und wahrhaft erbauend sprechen. Zum Schluffe wollen wir noch unsere feste Ueberzeugung aussprechen, daß der ehrw. Hr. Fi sch man,! der seinen Rang als Oberrabiner geopfert, und den kein materieller Vortheck hiehergezogen, Preßburg nur! darum bezog, weil er dadurch Gottes Sache zu för-! dern glaubte;, gönnen wir ihm daher seine Erfolge und freuen wir uns mit ihm aus vollem Herzen, wenn er sich darin belohnt findet. Berichtigung S. 324 oben, erste Spalte Zeile 2 in Nr. 27 bitten wir statt „Anerkennung" Anmerkung zu lesen.

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