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Der Israelit · 1863-07-01 · Heft 26 (1.7.1863) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 26 (1.7.1863)
Date
1863-07-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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318 genau beschrieben werden kann. In seinem Geiste, wie in dem Geiste der gebildetsten und einfachsten Völker liegt in diesen Erinnerungen etwas wirklich Bestehendes, welches die Gefühle des Herzens erweckt, die Empfindsamkeit erwärmt und die Hoffnung erzeugt. Das, was in dem Patriotismus Wahres liegt, muß es gewiß in noch höherem Grade fein Hinsichtlich der Orte, wo ein Interesse, welches höher steht, als das politische, die Lheilnahme anzieht und die Einbildungskraft fesselt. Es steht zu vermuthen, daß diejenigen, welche auf dem Berg Zion leben, die dort j geboren und erzogen sind, diese heiligen Orte im All- > gemeinen mit ebenso wenig Interesse betrachten, als wir die Gebäude unserer Stadt. Biele Leute, welche die Vergangenheit nicht kennen, sind gleichgiltig für die Zukunft und leben in reinem Sensualismus in der Gegenwart; aber daß es nicht also ist mit allen Menschen, wird durch die von Herrn Rabbiner Sneersohn ausgesprochenen Gesinnungen genügend bewiesen, i Diejenigen Menschen, welche durch ihre Vertrautheit j mit den sie umgebenden Genüssen nicht abgestumpft j sind, oder die die Geschichte ihres Vaterlandes i kennen, können den Boden, welcher die unzweifelhaft j Len Spuren der Geschichte trägt, nicht betreten, ohne! zu fühlen, daß eine Wirklichkeit in der Scene liegt, j die sich, ausgefüllt von der Thätigkeit des Gedächt- > - nisses und der Einbildungskraft, ihrem Blicke darbietet.! Es wird erzählt, daß, nachdem Sokrates durch das! Urtheil der Athener den Giftbecher getrunken, es eine , der liebsten Beschäftigungen derjenigen, welche den! Werth des großen Philosophen zu schätzen und seinen Verlust zu bedauern wußten, gewesen sei, die örte zu bezeichnen, wo er lehrte, wo er die Jugend seines Vaterlandes um sich vereinigte und jenen Charakter bewährte, welcher zweifellos von keiner anderen Persönlichkeit des heidnischen Alterthums erreicht wurde. Fürwahr, was der feine satyrische Geist des Volkes fühlte, war kein gleichgültiger oder lächerlicher Gegenstand, sondern die freiwil-! Uge Ergießung eines reumüthigen und edlen Herzens ' und nicht eine reine Täuschung. Rabbiner Snecrsohn sagt in seiner Rede, daß ° das zum Bau von Zufluchtshäuseru angekaufte Land das erste gewesen sei, welches seit undenklichen Zeiten - von seiner Nation im Bezirke dieser Stadt erworben ' worden sei. Auf dieses Terrain sollen die Häuser gebaut werden. Außerhalb der Stadtwälle konnten i die Juden wohl einiges ELgenthum oder zeitweiliges Besitzthum erwerben; jedoch konnte nur durch den ' Sieg der freisinnigen Gesinnungen über die rohe Bi-! gotterie der Muselmänner es dahin kommen, daß die Nachkommenschaft Israels noch einmal in der tradi-! tionellen Hauptstadt ein Recht erhielt. Es ist ganz natürlich, daß der Hinblick auf solche Thatsachen den Redner begeistert hat und daß in , ihm das Gefühl erregt wurde, es sei eine große Epoche in der Geschichte seines Volkes eingetreten. Ohne strenge alle Meinungen und Hoffnungen, welcher dieser Erguß patriotischer Gefühle erzeugen kann, zu theilen, wird kein Patriot, welche Stellung er auch einnehmen mag, bei der Kundgebung dieser Gefühl gleichgiltig bleiben. Psalm 113. Stimmt ein Lied an, Gott zu preisen, Die ihr seinem Dienst euch weiht. Seinem Ruhme widmet Weisen Hin bis in die Ewigkeit. Von dem Osten bis zur Sphäre, Wo des Tages Feuerball Strahlt im Äbendstammenmeere Töne eures Loblieds Schall. Ueber alle Völker mächtig Waltet Gott im reinsten Licht, Und der Himmel groß und prächtig Fasset seine Hoheit nicht. Sagt, wer ist's, dem innewohnet Wie dem Herrn so große Macht? Weise er im Himmel thronet Und die Erde er bewacht. Den, wer tief schon war gesunken, Wer auf Asche saß gebeugt, Läßt er neben Fürsten prunken, — Hoch empor der Arme steigt. — Läßt auch heißersehnte Sprossen Sie, die lang war kinderlos, Von dem Freudenstrom durchflossen Kosen auf dem Mutterschooß. Psalm 114. Als aus dem Aegypterlande Israel schritt und Jacobs Haus, Da gesprengt die Knechtschaftsbande, Vom Barbarenvolk zog aus: Ward dem höchsten aller Wesen Judas Ltamm sein Heiligthum, Israel von ihm auserlesen Als der Gottesherrschaft Ruhm. Und das Meer ergreift ein Grausen, Und es weicht von feinem Ort, Und des Jordans Fluthen brausen Nicht mehr tobend vorwärts fort. Und die Bergeshöh'n sich regen Wie die Widder, aufgescheucht; Und die Hügel sich bewegen Rasch wie's Lamm, das fliehend keucht. — Warum faßte, Meer, dich Grausen?

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