Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 23 (10.6.1863)
- Date
- 1863-06-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Mten. Die Juden, die sich Gerkiftet sahen, wollten die Treulosen strafen, ackern Radbi Nyrori, Rvsch Feschibah zu Lvuttchi« hielt sie zurück, er ««ahnte sie um all ihrer Brüder im Exil Villen, sich mit den Polen nicht zu verfeinden Und des Himmels Strafgericht geduldig über sich ergehen zu lassen. Das ist Äht jüdische, erhabene Tugend, die das so natürliche Rachegefühl zurückdrängt in Rücksicht auf die Brüder, welche in Folge dessen leiden konnten. Die Jude« wurden den Kosacken ausgeltefert, welche sich ihrer Habe bemächtigten, sie seÜ>st aber in einen großen Garten eingeschloffen. Hier trat ein Pope zu ihnen, pflanzte eine Fahne auf und ries: Wer seinen Glauben wechselt, soll am Leben bleiben Md ungestört unter dieser Fahne wyhneui" Niemand antwortete ihm; dreimal rief er es laut, und Alles blieb stumm. 1500 jüdische Männer wurden dann ermordet! Aber auch über die treulosen Polen brach ein furchtbares Strafgericht heran. Die Kosacken hielten den Vertrag nicht, sondern wiesen höhnisch auf den Schwur hin, welchen die polnischen Fürsten den Juden geschworen und so verräterisch gebrochen hatten. Sie eroberten die Festung und zerstörten sie, tödteten Alles unter den entsetzlichsten Qualen; die Gemahlin und die Töchter des Commandanten, des Herzogs Tschetwertinski wurden vor seinen Augen geschändet, ihm selbst wurde von einem seiner Knechte der Kopf abgesägt. „Wie sie gethan, so vergalt ihnen Gott ihren Treubruch. Alle (polnischen) Fürsten zu denen die Kunde drang, erkannten die Gerechtigkeit Gottes an, die sich hier offenbart hatte, und hielten von nun an streng zu den Juden und überlieferten sie nicht mehr den Empörern. Obgleich die Feinde ihnen oft betheuerten, daß sie nur gegen die Juden aufgebracht seien, glaubten sie ihnen nicht mehr. Ohne dieses Mißtrauen wäre für Israel keine Rettung gewesen." —- Der Raum dieser Zeitschrift gestaltet uns nicht, der Entwickelung des traurigen Drama's Schritt für Schritt zu folgen. Uneinigkeit und Eifersucht der polnischen Feldherren ließ die Kosacken und Tartaren, mit denen sich die Leibeigenen der polnischen Edelleute oftmals verbanden, immer und siegreicher werden, was den armen JsraeuLen Vermögen und Leben raubte. In Pilavtze wurden 10,000 Juden ermordet. 300 jüdische Männer begaben sich in Sterbegewänder gekleidet und in ihre Gebetmäntel gehüllt, in die Synagoge, wo sie betend ausharrten, bis die Feinde sie im Gotteshause erschlugen. Unterdessen hatten auch die Juden in Litthauen viel zu dulden, sie wurden nach der Angabe des Verfassers zu Tausenden und Zehutausenden erschlagen. Die polnischen Feldherren verriethen einander und flohen nach gewonnener Schlacht. Viele Festungen wurden von den Aufständischen erobert, und die Gdelleste und Juden, wtzlchs Schütz darin gefacht hatten, ermordet. In Groß-Dsrrvno wurde den Juden nicht gestattet, in die Uneinnehmbare Festung DH zu retten; so wurden denn 1100 vor der Festung umgebracht. Ueberall brachen auch pestartige Krank heilen in Folge des Krieges aus; in Brsdy starben Während der Belagerung über 1000 Juden an det Pest. Das schrecklichste Morden hatte zu Rar dl statt, wo allein über 12,000 Juden umkamen. Die Schilderung der verübten Gräuel ist haarstreubend; wir geben nür ein Beispiel: „In Krjemienietz nahm ein Kosack das Messer eines Schochet und schlachtete mehrere Hundert jüdischer Kiiider. Jedesmal fragte er seinen Gefährten, ob es „koscher" oder „trepha" sei; dieser antwortete trepha; sodann warf der Mörder die Leichen den Hunden vor; endlich sprach der Andere ,koscher." Dann untersuchten sie die Lunge des armen gemordeten Kindes, trugen es ans einer Bahre durch die Stadt und riefen: Wer will ein Lämmchen kaufen?" Während Chamil sich zur Belagerung von Lublin, einer der vier größten Gemeinden Polens rüstete, waren die polnischen Großen in Krakau versammelt, um einen König zu wählen. ChäMil ließ ihnen sagen, daß wenn sie Kasimir wählen würden, er die Waffen niederlegen und in seine Heimath zurückkehren wolle. Das gab den Ausschlag; Kasimir wurde gewählt, und Chamil, nur noch vier Meilen von Lublin entfernt, kehrte wieder heim. Als aber einige entflohene Inden und Edelleute nach Ostrog zurüäkehrten, wurden sie von den Einwohnern in Verbindung mit den Kosacken erschlagen, und die Feindseligkeiten brachen auf's Neue aus. Der polnische Feldherr Firle'i fiel im Kriege und der König Kasimir wäre beinahe gefangen worden. Dieser Feldzug vom Jahre 1649 endete mit einem für Polen schimpflichen Friedensschluß. Die Tartaren übernahmen jedoch auf ihrem Rückzuge die Bestrafung ihrer eigenen Bundesgenoffen, der Empörer; alle die Städte, deren Einwohner die Juden und Edelleute getödtet hatten, wurden von den Tartaren verbrannt und deren Bewohner ermordet. — Wenn nun auch bis zum Frühjahr 1651 der Friede nicht unterbrochen wurde, so herrschten doch Krankheiten und Hungersnoth, wobei die Juden nicht wenig litten; sie waren größtenteils verarmt und sollten noch Steuern in Menge zahlen, ja man glaubte ihnen nicht einmÄ und hielt sie für reich; so wurden denn die übertriebensten Anforderungen an sie gestellt. — Den zur Taufe gezwungenen Juden gestattete der König die Rückkehr, die denn auch srerwig von dieser Erlaubniß Gebrauch machten. Im Frühjahr 16S1 empörten sich die Kosacken auf's Neue und begannen wieder mit der Verfolgung und Tödtung der Juden. Aber diesmal wurden die