Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 16 (22.4.1863)
- Date
- 1863-04-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1« Israelit. Ein Centralorgan für das orthodoxe Jadenthum. HerauSgegeben von Lehmann in Mainz. Mainz, den 22. April 5623 (1 863.) Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens tj Bogen. Preis des Jahrgangs: 2 Thaler p. c. oder fl. 3. 30 kr. rh. Halbjährig 1 Thlr. p. c. oder fl. 1. 45 kr. rh. Vierteljährig 15 Sgr. p. c. oder 53 kr. rh. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. Inserate 1 Sbgr. die Petitzeile oder deren Raum. Oesterreichische Banknoten laut Cvwcs. Sollte direkte Frankozuseudung unter Stei.sba.nd gewünscht «erden, so sind an die Expedition pro, Jahrgang 3 Thlr. p. e. oder 5 fl. 16 kr. rh. oder 6 fl. österreich. franko etnzusenden. Inhalt. Leitende Artikel: Einiges zur Charakteristik der jüdischen Parteien in Oesterreich, namentlich in Wien. — Ortbodoxisr. Bibelanstalt. — Bau jüdischer Armen- und Pilgerwohnungen in Jerusalem. AeiiunaSnochrichren nud (Korrespondenzen: Deutschland: Mainz. — Oesterr. Kgiserstaat: Wien. Teures» ar. Feuilleton r Rabbi Amrams Tod. — Xenien. Inhalt der Beilage. Zeitungsnachrichten und CorrespondenzenrAmerika: New-Dork. Feuilleton: Die Perlenschnur. — Blumenlese rc. rc. Leitende Artikel. Einiges M Charakteristik der Mischen Parteien in Oesterreich, namentlich in Wien. Obschon es im östr. Staate keine ausgesprochenen streng geschiedenen und sich ausschließenden Glaubensparteien im Judenthume gibt, so ist doch ein stiller Gahrungsprozeß im Innern desselben nicht zu verkennen, der von Fall zu Fall stellruweise an der Oberfläche hervorbricht und sich äußert, so gibt es ferner doch unleugbar unter den Rabbinern wie unterm Volke zwei stille Heerlager, nämlich „L'x-n" und „v'vp," oder Glaubensunb Ueberzeugungsstarke und Skeptiker. Die ersten nennt man die Partei der Altgläubigen (Orthodoxen), die auch den geringfügigsten Minhag im religiösen Leben heiligen. Die zweiten nennt man Neologen, die das praktisch-sociale Leben von der Theorie losbinden, und es den ästhetisch-socialen Anforderungen der Zeit und der praktischen Bequemlichkeit accomodiren. Zwischen beiden gibt es denn noch eine Partei der Unschlüssigen, die, nach Umständen, sich zufolge ihrer momentanen Stimmung, halb hinüber, halb herüber neigen. Die Neologen, auch Tempelpartei genannt, haben ihren Brennpunkt vorwiegend in Wien, deren eifrigster Führer heute der Prediger vr. Jellinek ist. Dieser gibt seiner Partei in den flagrantesten Predigten Ausdruck, Predigten, die sich nicht in den Grenzen der Mäßigung und des sanften Pastoralen Styles bewegen, und sich im friedlichen Tone auf die blos überzeugende Argumentation seiner bessern (?) Ansicht beschränken, sondern Predigten voll leidenschaftlicher Gereiztheit, die dazu angethan sind, der Gegenpartei in der derbsten Weise in's Gesicht zu schlagen, und sie durch öffentl. Schmähungen zu bekämpfen. Darin unterscheidet sich der Charakter dieses Mannes 'tron dem des sanfteren, klügeren und gemüthlichen Vr. Mannheimer. Allein es ist bereits eine alte psychologische Erfahrung, daß jene Männer, die die große klingende Schelle im Munde führen, auch selten die Männer der Wahrheit, der Consequenz und der innersten Ueberzeugung sind. Und ob auch H. Jellinek ohne Unterlaß zu demonstriren bemüht ist, daß es im Judenthume keine Orthodoxie gebe, und daß wenn von