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Der Israelit · 1863-03-25 · Heft 12 (25.3.1863) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
4 (1863)
Issue
Heft 12 (25.3.1863)
Date
1863-03-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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146 Wie vom Garn der Vogelfänger Oft das Vöglein macht sich frei, So entrannen wir dem Dränger, Unsre Fessel war entzwei. Der den Himmel schuf, die Erde Hilft uns treu, ein Hirt der Heerde. Vre8lau. Uerimuun IVarseLaner, 8tuä. MI. Auszüge von Erzählungen, Gleichnissen, Gedanken und Meinungen, wie ErNärungen von Schriftsteller! aus hebräischen Werken. Von §v8eplr kswier in Vrv8l»n. „Wenn Euer Gott die fremden Götter nicht dulden kann," fragten nichtjüdische Philosophen die jüdischen Aeltesten einst zu Rom, „warum schafft er diese nicht hinweg? — „Ja," erwiederten die Einsichtsvollen, „wenn die Götzendiener eine Sache verehrten, welche die Welt nicht brauchte, würde der Allmächtige sie vernichten; aber Sonne, Mond, Sterne und Planeten werden als Gottheiten verehrt, soll Gott aus dem Grunde, weil Thoren sie mißbrauchen, diese Weltkörper zu Grunds richten? — Für den Fall eines Einwandes jedoch, von dem Vorhandensein eines Abgottes, welcher gar keinen Bestandtheil des Universums ausmacht, oder zur Vorbeugung einer andern vielleicht hinter dieser steckenden Frage, warum die Gestaltung der verschiedenen natürlichen und politischen Ereignisse weder für die Befolgung noch für die Nichtbefolgung des angeblich göttlichen Gesetzes spricht? — eine.andere Antwort: Diebstahl ist ein anerkannt strafbares Vergehen; demnach, wenn Jemand stiehlt ein Maaß Weizen, besäet damit seinen Acker, wäre es nicht recht, daß die Saat keine Wurzel fasse und nicht zur Frucht aufschieße? — Warum entscheidet hier der Erfolg nicht über die Sündhaftigkeit der Handlung? — Doch die Welt beobachtet ihren Brauch, die Natur verfolgt ihren Gang nach unwandelbaren Gesetzen, und Thoren und Abtrünnige, die damit verderben, werden einst strenge Rechenschaft dafür geben müssen." — Nach Aboda Sara 54, 2. Die niedrige Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft beweist so wenig die geringe Bedeutung einer Religion, der Jemand angehört, als der Platz des zwischen Gras und Unkraut emporschießenden duftenden Veilchens die Verwerflichkeit desselben bezeichnet; diese schöne blaue Blume wäre eines herrlichen Kunftgartens nicht unwürdig, und dennoch hat sie der himmlische Kunstgärtner unter wildwucherndes Gestrüpp am Rande des feffellos hinrauschenden Baches gepflanzt. Wer aber trotz einer lockenden Aussicht auf einen hohen Platz, auf einen glänzenden Rang in seiner beschränkten Stellt verharrt, wer ein herrlich schimmerndes Lebensziel, eine reichhaltige und ehrenvolle Existenz, einer verschmähten Zurückgezogenheit, einer mit mannigfachen Entbehrungen kämpfenden Absonderung opfert, der muß für sein Verhalten in tiefer religiöser Ueberzeugung wurzelnde Motive haben, die ihn zu einer unüberwindlichen Festigkeit entflammen; der muß ein Uebergewicht des Geistes sich angeeignet, um jede verfängliche und angreifende Disputation, wie die Aeltesten durch ihre wackere für die tiefe Wahrheit der emanirten Gesetze sprechende Entgegnung in vorstehender Erzählung, zum Schweigen zu bringen, und in seinem Bewußtsein Beruhigung und Entschädigung für jeden Mangel finden und verzichtend auf jedes seinem Ermessen widerstrebende Anerbieten im Schaffen und Wirken seines Berufes sich hochbeglückt fühlen. — Warum plagte Gott die Egypter mit Finsterniß? — Weil der Allwissende und Allgerechte ohne Ansehen der Person richtet. Es gab unter den Israeliten in Egypten boshafte Indifferente, die von der egyptischen Regierung mit Privilegien begünstigt, großen Reichthum erwarben, in hohem Ansehen standen und die Erlösung gar nicht herbeiwünschten. Da überlegte der Allerheiligste, wie er die Verhärteten und Gefühllosen bestrafen, ohne den Egyptern zu lästernden Aeußerungen Veranlassung zu geben: soll ich diese schlechten Israeliten öffentlich mit tödtlichen Strafen heimsuchen, werden die Egypter denken, wie Ec mit uns verfährt, verfährt Er auch mit seinen angeblichen Lieblingen; deßhalb wurden die Egypter mit Finsterniß bestraft, damit sie während der Dauer dieser Plage nichts von dem traurigen Schicksal jener Israeliten erfahren, und diese vielmehr die himmlische Gnade preisen, daß ihre Feinde an ihnen keine Schadenfreude erleben. — Schemoth Parascha 14. Midrasch Rabba. — Noch heute umgeben uns in allen Ständen und Berufsarten solche Gteichgiltige, die Vermögen und Güter, Talente und Einsicht besitzen, die Noth ihrer Mitmenschen zu mindern, und für eine bessere Lage derselben zu wirken; aber in der Lieblosigkeit ihres Herzens, haben sie keinen Sinn für die Freude des Wohlthuns und bei ihrer Neigung zur friedlichen Bequemlichkeit, mögen sie sich nicht ermannen, mit heilsamen aber Diesen oder Jenen unangenehm berührenden Wahrheiten an das Licht zu treten. Ach! diese Finsterlinge werden es inne werden, daß die Schuld der Hartherzigkeit und der Unterlassung des zu befördernden Guten und Edlen diejenigen von der Huld und Gnade Gottes trennt, die sich von den Menschen rücksichtslos trennen.

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