Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 11 (18.3.1863)
- Date
- 1863-03-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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124 Es hat sich nämlich in Württemberg selbst gegen die dortige Oberkirchenbehörde eine Agitation erhoben. „Der Beobachter, em Bolksblatt aus Schwaben" hat eine Reihe Artikel über die kirchlichen Verhältnisse der Juden m Württemberg veröstenttrcht, m denen die Abnormität derselben schlagend nachgewiesen wird. Die isr. Oberkirchenbehörde in Stuttgart ist nach der erwähnten Auseinandersetzung eine reine Staatsbehörde, welche die Rechte der isr. Gemeinde vollständig aus Null reducirt. Die isr. Oberkirchenbehörde setzt Rabbinen, Vorsänger, Lehrer rc. nach Gutdünken ein, ohne den Gemeinden das Recht der freien Wahl zu lasten; dieselbe hat die Liturgie verändert, ohne die Gemeinden zu befragen; sie hat sich Eingriffe in die heiligsten Gesetze, wie Beschneidung und Mickwaoth erlaubt und dieselben willkürlich verändert; sie ist nach den erwähnten Auseinandersetzungen im ganzen Lande vollständig mißliebig und stützt sich nur auf das große Ansehen, das sie ihrem eigenen Ausspruche zufolge im Auslande genießen soll. Uns, die wir nicht in Württemberg leben, ist von diesem großen „Ansehen" auch nicht das Geringste bekannt Im Gegentheil hat man in allen jüdischen Kreisen weit und breit den größten borror vor derselben, und wenn der Stuttgarter Beobachter nach den Verdiensten dieser Oberkirchenbehürde unter Anderm mit folgenden Worten fragt: „hat sie die Religiosität der württembergischen Juden gehoben?" so können wir darauf antworten, daß die Oberkirchenbehörde es zu Wege gebracht hat, daß die Jrreligiösität, die von derselben ausgeht, auf der ganzen Erde sprichwörtlich geworden ist. Wir verweisen auf alle diejenigen jüdische Zeischriften, welche mit dem historischen Judenthume noch nicht gebrochen haben und machen unter ihnen namhaft: l'uuivsrs israälite, welcher zu Paris, Ilis Obrouiols, welches in London, tde Ll6886vA6r, welcher in Amerika erscheint. Ein Blick auf die Berichte dieser Zeitungen aus Württemberg wird genügen, die Wahrheit unserer Behauptung zu bestätigen. Nichts destowenrger ist die Jrreligiösität in Württemberg nicht so kraß, wie es den äußern Anschein hat, und es wird uns eine große Anzahl von Gemeinden namhaft gemacht, in welchen der religiöse Sinn noch vorherrschend sein soll. Diese sind: Mergentheim, Weige rs heim, Nieder st ätten Mergelsheim, Jggersheim, Arxhofen, Greglingen, Derzbach, Ernsbach, Berlichingen, Braunsbach, Michelbach, Wiesenbach, Oberndorf, Aufhausen, Lauchhausen, Freudenthal u. s. w. Es wäre nun wohl an der Zeit, daß aus den genannten und andern Gemeinden erfahrene und religiöse Männer zusammentreten, um gemeinsam der Regierung und der Landesvertretung die Sachlage, und die Schädlichkeit der Oberkirchenbehörde darz« legen. Wie wir dem Stuttgarter Beobachter entnehmen, hat die Oberkirchenbehörde Nichts gekonnt, als die Religiosität der württembergischen Juden zu untergraben, während sie für die äußeren staatlichen Verhältnisse der Juden kein Wort und keine That der Verbesserung hatte und hat, vielmehr manche mittelalterliche Beschränkungen noch heute aufrecht erhalten wissen will. Zu diesen veralteten Beschränkungen gehörte namentlich die so verhaßte Personalst euer, das ehemalige Judenschutzgeld. „Auch diese Steuer, sagt der Beobachter, welche auf jeden selbstständigen Judenkopf gelegt ist und für welche es in der heutigen Gesetzgebung nur ein Analogon noch gibt, die Hundesteuer, soll, „„ganz in Uebereinstimmung mit der diesfalls von der isr. Oberkirchenbehörde ausgesprochenen Ansicht,"" eine Veränderung zunächst nicht erleiden." Hieraus ersehen wir, daß die isr. Oberkirchenbehörde in Württemberg anch bei den weniger religiösen Juden weder Liebe noch Verehrung finden kann. Wie man im Auslande von derselben denkt, haben wir bereits oben erörtert. Was die orthodoxen Juden von ihr Hallen, liegt klar zu Tage, wenn man bedenkt, welche Eingriffe sich diese Behörde in das religiöse Leben erlaubt hat Sie gleicht daher dem Kolosse, welcher auf thönernen Füßen ruht. Aller und jeder Stützen beraubt, bedarf es wohl nur der Anregung, um sie zu stürzen. Was aber dann? werden unsere Leser, namentlich in Württemberg fragen. Wir entgegnen : vor Allem nur Muth und Kraft und Ausdauer! schlimmere Zustände als die jetzigen können nicht kommen. Einst wurden Wächter an den Heeresstraßen aufgestellt, welche das Volk hinderten, zum heiligen Tempel nach Jerusalem zu wallen. Lastet uns vor Allem diese Wächter entfernen und das Volk wird wiederum hinanströmen zum Heiligthum Gottes, der Gotteslehre und dem Gottesgesetze! — Einiges über die innere Geöeutnng der äußern Gesetze -es Iudenthnms. Weligiöse 'Betrachtungen vonvr. llerrmsuu I4p8«KL1r. (Fortsetzung.) (Zizith). „Der Ewige sprach zu Moses : Rede „zu den Kindern Jsrael's, daß sie „anbringen sollen Schaufäden an „die Ecken ihrer Kleider für ewige „Zeiten." 4. B. M. 16, 38. Wir haben uns letzthin mit dem jüdischen Neugebornen, während seines Eintrittes in die väterliche