Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 8 (25.2.1863)
- Date
- 1863-02-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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97 alle Juden des Abendlandes, vom Fuße des Kaukasus an bis zu den silbernen Fluten des Tweed und Clyde, durch deutsche Mundart sich verständigten, deutsch sprachen, und sogar (mindestens die Frauen) deutsch beteten. Keiner Nationalität nämlich haben sich die Juden innerlich so sehr assimilirt, als der deutschen, trotz einem doch wiederum beispiellosen Antagonismus der beiden Racen. Doch das nur beiher. So aberhaben wir es uns zu erklären, daß fast alle Juden Polens deutsch sprechen. Erst in neuester Zeit, seit dem Aufkommen des „Nationalitätenprinzips", machen manche Juden in Polen rührende und rührige Anstrengungen, um sich die Landessprache als Verkehrssprache anzueignen, und sie haben es zum Theil, namentlich in den großen Städten, schon dahin gebracht, daß sie eine Vergessenheit der deutschen Sprache afsektiren können!!. Das Uebergewicht der polnischen Juden im Verkehr und Handel beruht meist aus ihrer höher» Bildung. Biloung bei polnischen Juden? Ja doch, Bildung! Jeder polnische Jude kann lesen und schreiben, was bekanntlich nicht jeder polnische Edelmann kann, und von den polnischen Bauern nur die allerwenigsten verstehen. Sie lesen und schreiben nicht polnisch, nicht deutsch, sondern nur hebräisch, aber das ist nur eine bloße Form; sie schreiben deutsch mit hebräischen Lettern. Ich habe von einem polnischen Juden Glossen zu Lessing's „Erziehung des Menschengeschlechts", in hebräischen Lettern geschrieben, gesehen, die im Deutschen abgedruckt zu werden verdient hätten. O noch mehr! In Galizien kam ich spät Abends in ein Dorf. Es regnete draußen und war so stockst ster , daß ich meine kleine Handlaterne vorn an die Deichsel des Wagens hängen lassen mußte. Im ganzen Dorfe waren die Lichter bereits ausgelöscht, nur in einem Hause glänzten die Fenster noch in die dunkle Nacht hinaus. Dort fuhren wir vor. Darin wohnte der „Randar" (Arrondator), der einen Schank hielt. Ein Rembrandt'sches Bild! Aus dem! Kamin prasselten einige „Scheit" Kiefernholz. Auf! dem Schenktische brannte ein dünnes, gezogenes Un-! schlittlicht, daneben stand eine Flasche und ein Brannt- , Weingläschen. Um den Tisch herum saßen fünf B mern > in ihren blauen Kitteln. Oben stand, gegen das! Licht gewendet, der Arrondator, eine hohe, dünne Gestalt mit brennend rothen Haaren; in den Händen hielt er ein Buch, aus welchem er den Bauern vorlas— nein vortrug, bald polnisch, bald in dem jüdisch-deutschen Jargon; mit lebhaften Geberden begleitet er seine Rede, und jeder Satz aus dem Buche gibt ihm Veranlassung zu weitläufigen Auseinander- , setzungen. Was ist das für ein Buch? „Die Erzählung von der schönen Genovefa!" — em deutsches I Volksbuch.! (Schluß folgt.) A n z e der talmudistische Kenntnisse besitzt, und gleichzeitig Knaben bis zur Tertia eines Gymnasiums vorbereiten kann, soll für unsere Synagogen-Gemeinde vom 1. April c. engagirt werden mit einem fixirten Gehalt von 300 Nlhlr. Neflectanten belieben sich in portofreien Briefen unter Einreichung Ihrer Atteste beim Vorstande zu melden. Gutstadt in Ostpr., den 11. Febr. 1863. Der Lynagogerr-Vorstan-. NOO ILO -4M Rum, Cognac, französischen Branntwein und Liqneure, (N6. nicht aus Früchten) rothe L weiße französische L Ungar-Weine, sowie Portwein L Madeira empfiehlt in Flaschen und Gebinden ->172.12 li2i zu billigsten Preisen: U. (-'odir, Altana. r g e rr. In einem, der größten Städte Württembergs befindlichen Wein- und Cigarren-Geschäfte sn-Ai-os wird ein junger Mann für das Comptoir oder der Reise zu engagiren gesucht Fcankirte Offerten sind an die Redaktion dieses Blattes sud Nr. 81 zu wenden. Die Unterrichtsanstalt der israelit. Religionsgesellschast Hierselbst wünscht zum 1. April d. I. noch einen Lehrer zu engagiren. Gründliche akademische und jüdische Bildung, pädagogische Tüchtigkeit, sowie aufrichtige religiöse Gesetzestreue in Gesinnung und Wandel sind erforderlich. Gehalt st. 800 bis fl. 1000. Anmeldungen nebst Qualifikationsnachweisen sind baldigst portofrei an den Unterzeichneten Rektor der Anstalt zu richten. k'rsnLfnrt a R. llndbiner Briefkasten der Redaktion. Herrn I. in B.: Besten Dank; in der nächsten Nummer. Ihr feindliches Aner^eten wird dankbarlichst acceptirt; wir