Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 7 (18.2.1863)
- Date
- 1863-02-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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85 die Lelewel bei ganz ähnlicher Gelegenheit und ähnlichen Anschuldigungen gegenüber aussprach, und so würde er, der feurige Patriot, der allverehrte Gelehrte, der untadelhafte Charakter geurtheilt haben, wenn er die traurige Genugthuung gehabt hätte, die jüngsten Vorgänge in unserm Stadtrathe zu erleben, die seine obigen Worte so treffend illustrirten. Diejenigen, > welche sich so gerne als Stimmführer der nationalen! Partei geriren, haben derselben schlecht gedient, als sie ihr einziges Verdienst darin suchten, daß sie den! Juden zu einer Zeit gastliche Aufnahme gewährten, , da sie in allen andern Ländern der Verfolgung und! dem Drucke preisgegeben waren. Denn was würde dies beweisen, als daß die Zeiten sich geändert haben, und daß alle übrigen Länder im Laufe der Jahrhunderte gewaltige Fortschritte, und nur Polen, d. h. diese Herren, die in seinem Namen zu sprechen sich anmaßen, Rückschritte gemacht haben? und was soll das weitere Argument, daß die Juden seit so vielen Jahrhunderten von den Früchten des polnischen Bodens leben, beweisen? Nichts, als daß der Boden j toleranter ist, als so manche, die er trägt. „Wen beeinträchtigen die polnischen Juden dadurch," fragt Lelewel, „daß sie von den Früchten der allgemeinen! Ernährerin des Menschengeschlechtes sich nährten? I Sie leben doch nur von den Früchten, die sie sich! für ihren sauer erworbenen Groschen anschaffen." > Diese acht Jahrhunderte haben aber den Juden! in Polen das Recht gegeben, als Landeskinder zu gelten, ohne Rücksicht darauf, welche Sprache ihnen > die geläufigere ist. Man hat den Juden oft, und namentlich in jüngster Zeit, ihr Deutschthum vorgeworfen, kein Vorwurf aber trifft sie, unserer Ansicht nach, weniger als eben dieser. Wenn in dieser Beziehung Jemandem ein Vorwurf gemacht werden kann,; so sind es die Verhältnisse, und nicht die Juden, j Wenn die Juden so viele Jahrhunderte polnischer Herrschaft hindurch, also ohne jede Aufmunterung von Oben und ohne jede Verbindung mit ihrem Mutterlande, ihrer deutschen Abstammung treu bleiben konnten, so ist dies wohl der beste Beweis, daß wir hier ein Produkt der Verhältnisse vor uns haben, das seine Berechtigung, wenn in keinem anderen Umstande, so doch in der Logik der Thatsachen, dem modernen Staatsrechte, findet. Jetzt über diese Thatsachen zu streiten, wäre eine ebenso verlorene Mühe, als Verfolgungen das Mittel sind, diese Zustände zu äudern. Der oben oft citirte Meister der polnischen Geschichte vergleicht eine solche Verfahrungsweise mit der Gnade der Türken, die den Vollgenuß der bürgerlichen Rechte als Prämie auf den Uebertritt zum Islam setzen. Daß aber auch die nationale Seite unseren Herren ^tadträthen nur den Vorwand für die Schmälerung der berechtigten Anforderung der jüdischen Bevölkerung biete, und daß, wenn dieser Vorwand wegfiele, man um einen andern nicht verlegen wäre, zeigt eine Geschichte die sich vor mehreren Jahren in Warschau zutrug und damals viel Aufsehen machte. Der Redakteur der polnischen Warschauer-Zeitung, Herr Lesznowski, ein Mann, der alle Eigenschaften besaß, um Mitglied des Lemberger Stadtrathes zu werden, eröffnete im Jahre 1859 in seinem Glatte einen förmlichen Kreuzzug gegen die Juden, der in allen Kreisen die größte Aufregung hervorrief. In einem zu seiner Rechtfertigung geschriebenen Aufsatze bemerkte nun Herr Lesznowski, daß es ihm nicht so um den Glauben als um die Besorgniß gehe, der bisher abgesonderte Volksstamm könnte nun, da er sich zu nationalisiren wünscht, eine gewisse Präponderanz gewinnen. „Welch crasser Widerspruch!" schrieb damals Lelewel. „Von der einen Seite werden die Juden mit Schmähungen überhäuft weil sie keine Neigung zeigen, sich zu nationalisiren, und von der andern, weil sie nach Nationalisirung streben; immer aber erschallt die alte Parole der egyptischen Pharaonen: Man muß die Juden zwingen!" Anzeigen Den vielseitigen Aufforderungen nachkommend, erlaube ich mir hiermit bekannt zu geben, datz ich meine 186tr ck: l862r "MD eigene Pechsung, beste Qualität, Jedermann zugänglich mache, daher diese Weine auch in kleinen Quantitäten zu beziehen stad. Lestellungen werden n ompt effecluirt.?68ld, im Februar 1863. Tabak gaffe Nr. t.