Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 4 (1863)
- Issue
- Heft 5 (4.2.1863)
- Date
- 1863-02-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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60 erwacht, ist wieder zu sich selbst gekommen, hat die heilige Rolle Juda's geheiligtes Panier, entfaltet und gesprochen: Dieses ist die Thora, welche Mosche den Israeliten gebracht. Hier ist die Wahrheit, unsere Stärke, unsere Ehre! hier unser Heil und unsere Zukunft! Am Sabbat Paraschath Lech lecha fand in dem Betsaale des Beth Hamidrasch die Einweihung einer neuen Sepher Tbora Start. Eine zahlreiche Menge gläubiger Israeliten drängte sich am Freitag Abend und Samstag Morgen zur gottesdienstlichen Feier, wo die Großrabbinen des Central-Consistoriums, des Consistoriums von Paris und Colmar (der Letztere ist Ehrenpräsident des Vereins) und der Vereins-Rabbiner, Herr Weißkopf, die Zuhörer durch schöne, gefühlvolle Predigten erfreuten. Mit Ausnahme der Rede des Herrn Isidor, welche ein modernes Gewand hatte, waren die andern nach der Väter Weise rE->^. Dieselben machten auf das anwesende Publikum einen liefen Eindruck und erweckten fromme Gefühle. Der Großrabbiner, Herr Ullmann, entwickelte den Gedanken, daß Israel den Zweck seines Daseins und die ihm gestellte Ausgabe nur dann erfüllen rönne, wenn es für das praktische Leben auf dem von der Thora vorgezeichneten Weg bliebe, drß dies die einzige Huldigung sei, die es dem göttlichen Gesetzgeber zu bringen habe, und daß die Gerechten der andern Nationen in den Besitz der Wahrheit und des Heils nur dann gelangen könnten, wenn sie durch Israels Vermittelung und nach seiner überlieferten Gesetzausleguug das göttliche Gesetz annähmen; daß, wo der jüdische Geist fern ist, die Deutungen des heiligen Textes keine Garantie bieten und sogar zum Jrrthum führen. Der Redner sprach auch mit Wärme dem Vereine seine Glückwünsche aus zu seinem schönen Streben und zu seinen Verdienstvollen Bemühungen um die Wiederhebung des Thora- Studiums. Herrn Ullmann's Rede, geschmückt mit einer Menge schöner unv m rkwürdiger Talmud- und Midrasch-Stellen, hat in dieser von so vielen Gelehrten und wissenschaftlich gebildeten Männern besuchten Versammlung großen Beifall geerntet. (Fortsetzung folgt.) Lenien Von ^VarsokLusr, stuck, pkil., Drsslan. I. Lrbrnsregel. Prüfe nur, eh' du zu eigen dir machst, was die Mode dir bietet! Klamm're ans Alte dich fest, bis dir ein Bess'res sich zeigt. II. Nächstenliebe. Von der Cisterne den Fels, den gewaltigen, rollte herunter Jacob. Es staunten ihn an, die es vereint nicht gekonnt. Wundere dich nicht zu sehr, wenn der Edle Großes vollbringet, Uebermenschliche Kraft Liebe zum Menschen dir leiht. III. Vaterlandsliebe. „Kann auch die Rechte nicht mehr der Knechtschaft entehrende Bande Sprengen, in die der Tyrann Eglon geschlagen uns hat, Soll die Linke noch heut' der Freiheit Trophäen errichten, Oder es fei'rt der Despot über mich einen Triumph!" Ehud gelobte es, ging, an der rechten Seite die Waffe, Durch das tyrannische Herz jagte die Linke den Stahl. IV. Der Mensch. Etwas ist dann nur der Mensch, wenn er wirkt im Reiche der Menschheit. Nichts, wenn sorglos für sich Andere wirken er läßt. V- Wahrheit. Was ist Wahrheit? Ein Meer von unauslöschlichen Flammen. Wen nicht blendet ihr Glanz, der nur vermag sie zu schau'n. VI. Der Zudenspiegel. Eben ergriff ich den Stock und den Hut, um den Saal zu verlassen. Dem manch geistig Produkt berrliche Zierde verlieh'n, Als mit berechnendem Blick der Bücherhändler mir zurief: „Nur noch ein Wenig, mein Freund, bleiben Sie bei mir Zurück! Wahrlich! Ich hätte beinah vergessen, Ihnen zu zeigen, Dort an der Ecke das Buch, das jüngst in Hamburg erschien."