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Der Israelit · 1862-09-17 · Heft 38 (17.9.1862) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 38 (17.9.1862)
Date
1862-09-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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303 angehörenden Marcus Röchelmann'schen Ehepaare ist nämlich am 1. d. Mts daS fünfzigjährige JuLiläum seiner ehelichen Verbindung begangen worden. Herr Restaurateur Berja, Tuchmacherstraße 24, hatte hierzu bereitwillig seinen Saal eingeräumt, in welchem sich denn gegen 11 Uhr Vormittags die zur Feierlichkeit geladenen Herren und Damen, festlich geschmückt, versammelten. Sowohl der Gemeinde-Vorstand als auch das Nepräsentanten- Collegium und der israel. Frauenverein waren durch Deputationen vertreten und für diese an des Saales Nordseite Ehrenplätze reservirt. An derselben Seite und zwar gerade in der Mitte, war der bei jüdischen Trauungsfeierlichkeiten übliche Baldachin aufgestellt, unter welchem das greise, aber Gott Lob noch ganz rüstige Jubelpaar, die Frau mit dem goldene Kranz unls Haupt, der Mann mit dem Goldbouquet vor der Brust, auf zwei Polstersesseln Platz nahm. Etwa um 11',- Uhr ward durch den Gemeinde-Cantor Herrn Loewenhavn der feierliche Akt mit einem Nccitativ in hebräischer Sprache eröffnet. Hieran schloß sich die Festrede, gehalten durch den Gemeinde- Rabbiner Herrn 1)r. Loewmnreyer, welcher anlehnend an Psalm 118, B. 24 — die hohe Bedeutung des Tages, als Danknnd Freudenfest für das Jubelpaar, dessen Kinder und die ganze Gemeinde mit eben so schönen, als warmen aus dem Grunde des Herzens kommenden Worten schilderte, so daß er des tiefsten Eindrucks auf die Gemüther aller Anwesenden sicherlich nicht verfehlen konnte Von diesem mächtigen ^Eindrücke gaben die Hellen Thränen, die man an so vielen Wimpern glänzen sah, wohl das sprechendste Zengniß Herr vr. L. ist ein Prediger, der wirklich zum Herzen seiner Zuhörer redet, weil das, was er spricht, immer der Tiefe seines eigenen Herzens entstammt. — Nach Beendigung der Festrede ward Seitens des Cantors der Psalm 110 recitativisch vorgetragen. Hierauf richtet? Herr Fabrikbesitzer Moritz Lewy, als Mitglied des Gemein devorstandes, an das Jubelpaar eine Ansprache, in welcher er im Namen der Gemeinde die herzlichsten Glückwünsche abstattete, und es aufforderte, das Gemeindegeschenk, das er ihm überreichte, als Zeichen der allgemeinen Liebe und Achtung entgegen zu nehmen. Im Namen des Repräsentanten Collegii sprach der Vorsitzende desselben, Herr Adolph Levin, zu den Jubtlaren, ihnen ebenfalls die best-» Wünsche darbringend. Im Namen des Frauen-Vereirrs endlich ward durch eine der Vorsteherinnen desselben, Fra» Banquier Nathorss, dem Jubelpaar gratulirt und ein Geschenk überreicht. Ein hierauf vom Herr» Rabbiner gesprochenes Gebet beschloß die wirklich erhebende Feier. Berlin. Im Hause der Abgeordneten wurde unter anderen Petitionen auch über folgende verhandelt: Die Ortsstatuten der Städte Strzelno und Birnbaum im Großherzogthum Pose» enthalten die Bestimmung: daß zu Stadtverordnete» nur der dritte Theil aus der jüdischen Einwohnerzahl berufen werden könne, während die anderen zwei Drittel Christen sein sollen. Die betreffenden Synagogen- Gemeiuden Petitioniren um Beseitigung dieser beschränkenden Bestimmungen. Die Angelegenheit hat eigentlich nur für die Provinz Posen ein näheres Interesse, wo in sehr vielen Orten die jüdische Bevölkerung die Mehrzahl bildet. — Der Minister de- Innern erklärt, daß den betreffenden Beschwerde» bereits abgeholfen sei, worauf das Haus über die Petition zur Tagesordnung übergeht. — Gollub, 27 August. Bei der gestern hier stattgehabten Bürgermeisterwahl wurde von sechs jüdischen Stadtverordneten der Nathmann, Rentier Nathan Cohn, der seit zwei Monaten die Magistratsgeschäfte in Gemeinschaft des Beigeordnete» vr. Kuhnt zur Zufriedenheit der Stadt besorgte, der nicht unbeträchtlichen Schaar anderer Bewerber vorgezogen und zum Bürgermeister gewählt. Die zwei katholischen Stadtverordneten wählten einen Katholiken und die vier evangelischen hatten sichs in der Voraussetzung, daß die Juden von ihrem Glaubensgenossen nicht Massen würden, bei der Wahl gar nicht betheiligt. Proteste und Petitionen gegen diese Wahl find von l Seiten der Christen stark im Gange. — Erwähnung verdient auch wohl noch der Vorfall, daß am vergangensn Fr.itage schon einmal diese Wahl stattfinden sollte, dieselbe aber durch das tnmultuarische Betragen einiger Stadtverordneten in Wohlgefallen aufgelöst wurde Aöli , 3l. Ang. Die ö kannte Judenhetze, bet welcher ein Christ für einen Kinder raubenden Jude» gehalten und arg mißhandelt wurde, ist nun in zweiter Instanz zum Anstrag gelangt. Der Vertreter

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