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Der Israelit · 1862-09-03 · Heft 36 (3.9.1862) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 36 (3.9.1862)
Date
1862-09-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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286 Preußen. j Berlin, 22. August. Mit Beziehung auf eine I Bemerkung in der „Voss'sch-u Zeitung" steht sich die ' -Sternztg." veranlaßt, darauf aufmerksam zu machen, : daß dem Hrn. Dr. Joffe bei seiner Berufung an die ' hiesige Universität nicht daS Lehrfach der Geschichte, sondern das der Paläographie, Diplomatik und Chronologie übertragen worden ist, mithin ein Fach, für welches das Gesetz vom 23. Juni 1847 Juden als Universitätslehrer nicht ausschließt. Berlin, 18. Aug. Unser Cultusminister v. Mühl er hat heute bei einer Debatte des Abgeordnetenhauses, welche, anknüpsend an eine Petition des Magistrats und der Stadtverordneten von Posen Wegen Anstellung des vr. Jntrosinski, die Emancipation der Juden zum Thema hatte, nicht eine Niederlage erlebt (das hieße den Verlauf der Discussion unrichtig darstellen), nein, er ist, bis auf sieben Feudale und etwa zehn Katholiken, vorn Hause so gründlich widerlegt und so gänzlich aus seiner pietistisch schiefen Position herausgedrängt worden, daß nur von einer namenlosen Blamage des Ministers die Rede sein kann. Der Staat Friedrichs des Großen, den man noch hier und da den „Staat der Intelligenz" nennt und der bekanntlich vor drei Jahren einen Anlauf zur „moralischen Eroberung Deutschlands" nahm, darf sich, weil von seinen gegenwärtigen Lenkern, den „geeignetsten" Ministern, in seinem Laufe gehemmt, noch immer nicht rühmen, Fragen gelöst zu haben, um die sich in andern Staaten der Welt kein Mensch mehr den Kopf zerbricht, weil sie! die Voraussetzung bürgerlicher Freiheit und Wohlfahrt bilden. Was Herr von Bethmann-Hollweg an Fanatismus in Judenfrage leistete, das leistet sein Amtsnachfolger, an Unklarheit und Widerwillen gegen das konstitutionelle Recht; aber Bethmann- Hollweg verließ doch wenigstens zwei Tage Nach feiner Niederlage, die er zufällig bei derselben PetitionSberathung erlitt, in der richtigen Erkenntniß feinen Posten, daß der Widersprüche gegen die Volksvertretung zu viele wären, um eine Ausgleichung noch möglich zu mache«, während Hr. v. Mühler nicht im Geringsten an die Niederlegung seines Portefeuilles denkt; und so bleibt den«, trotz des vernichtenden Votums der Kammer, Alles beim Alten! Er sorgt für den „christlichen" und Hr. v. Roon für den „Militärstaat"; was das Land dazu sagt und daß die Volksvertretung!hr Veto gegen beide Zumuthungen einlegt, ist völlig gleichgiltig, die neueste Aera will den Beweis führen, daß eine Regierung auch ohne Abgeordnetenhaus fertig werden kann. Die Budgetfragen lösen sich leicht, weil ja die Verfassung eine „Lücke" hat, und die verfassungsmäßigen Rechte der Juden brauchen nicht weiter berücksichtigt zu werden, weil neben der Verfassung noch verschiedene Specialgesetze existiren, auf Grund deren von zwei Berfassungsparagraphen bequem abgesehen werden kann. Unsere Zustände werden täglich verworrener. (Fr. I.) Guefen, 6. August. Ein tiefes Trauergefühl durchzog heute die Gemüther der hiesigen Bewohner und es versammelte sich der größte Theil derselben in feierlichster Weise, um einem Manne den letzten Tribut der Ehre zu zolle», dessen klangreicher Ruf sich über weite Kreise erstreckte. — Diese Ehrenbezeugung galt dem im 62. Lebensjahr? in's Jenseits übergegangenen Kaufmann Marens Wittkowski. Es würde sicherlich den Raum dieses Blattes übersteigen, wollte ich diese außergewöhnliche Theilnahme genügend motiviren, und die hohen Tugenden des Verblichenen in vollständigen Zügen zeichnen. Der Dahingeschiedene war ein Mann, der durch feine Bildung, überschwängliche Nächstenliebe, reiche Mildthätigkeit, wahre Religiosität, durch thatkräftige Wirksamkeit, wie durch höhere merkantilische Befähigung unter seinen hiesigen Mitbürgern hoch hervorragte und sich auch der größten Achtung aller Confessionen erfreute. Die Lücke, welche sein Ableben im hiesigen Orte gerissen, ist eine sehr bedeutende. In ihm hat die Gemeinde einen würdigen Vertreter, der Rathsuchende einen treuen und weisen Rathgeber, der Bedrängte einen unverdrossenen Helfer und Beschützer, der Arme einen liebreichen Unterstützer verloren. Diesem vielfachen empfindlichen Verluste gemäß, war auch das Leichenbegängniß. Ein Imposanter, unabsehbarer Zug bewegte sich vom Trauerhause aus und fast auf allen Gesichter» war der Ausdruck schmerzlichen Ernstes und tiefer Wehmuth deutlich wahrzunehmen. Bor dem Leichenwagen zog die reifere Jugend der hiesigen israelitischen Schule geleitet von den vier Lehrern derselben; unmittelbar hinter ihnen gingen die Zöglinge des hiesigen Waisenhauses in Begleitung ihre- Lehrers. Hinter dem Leichenwagen

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