Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1862)
- Date
- 1862-08-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2447036-2447069--01408-2456667- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
264 hin doch — so shieß es mindestens — einen, wenn, auch nur kleinen, mittelbaren Nutzen. Nun verdanken aber die mehrerwähnten „Musterhauptschulen" ihre Existenz einem Zeitpunkte, wo das Germanisrren als etwas Höchstverdienstliches eifervoll betrieben wurde. Aus diesem Grunde wurden auch bei Besetzung der betreffenden Lehrerstcllen vorzugsweise die außerungarischen Lehrkräfte berücksichtigt, ein Verfahren das zur sichern Erreichung des vorgestcckten Zieles um so geeigneter war, als die Gewählten der ung. Sprache durchaus unkundig. Nach all' dem ist aber ganz natürlich, daß jetzt, wo in Folge der politischen Wendung unserer Zeit dem ungarisch-nationalen Elemente in der Schule sowohl als im Hause mehr denn ein bescheidenes Plätzchen eingeräumt werden muß, diese Institute bei all' ihrer Trefflichkeit anfgehört haben — mustergiltig zu sein. Der Geist unserer Zeit hat deren Mission schonungslos verurteilt, und müssen sie selbst — so sie anders nicht als ungerecht erscheinen wollen — ihre Sendung hier als eine „abgeschlossene" erklären Wenn dem aber so ist, so ist die Gesammtheit ung.-isr. Cullusgemcinden vollkommen berechtigt, nach besten Kräften dahin zu streben, ihre Rechtsansprüche auf ihr diesbezügliches Eigenthum zur Geltung zu bringen. Die vier ehrs. Gemeinden, die bisher einer Gratis schule sich erfreuten, werden — dessen sind wir gründlich überzeugt — nicht in dem Grade engherzig sein, die wahlberechtigten Reklamationen ihrer Echwestergemeinden aus etwaigen egoistischen Motiven auch nur stillschweigend zu mißbilligen. Im Gegentheile wird von denselben redliche, tatkräftige Unterstützung mit vertrauensvoller Zuversicht erwartet.*) Indem wir Obiges öffentlich ausgesprochen, muffen wir gleichzeitig dle erwaige Zumuthung, als wollte» wir — wie kteß bereits von mancher Seite auf lieblose Weis« geschehen — die verdienstlichen Leistungen jener achtbaren Herren, die an den „Mustirhauptschulen" ihre THLtigkcit entfalten, absichtlich ignorir«, hiemit ernstlich zurückwrisea. Im Gegentheile sind wir von der Tüchtigleit und Leistungsfähigkeit mehrerer dieser wackeren Schul» Männer vollkommen überzeug:. Wir war« überdieß stets jeder Ueberpürzung — in der NationaliprungSfrage selbst — entschiede» abhold, und gehört« gewiß nie zu jener wenig benridenswerthen Schaar, die mit moderne» „Schlagwörtern" dm mißliebigen Nachbar zu erdrück« sucht. Wir haben eS hier — Berantw. Redaktion Vr. Lehmann. — Der Umstand, daß die h. k. Hoskanzlei die Angelegenheit in die Hände genommen, deutet unstreitig darauf hin, daß man auch in den ung. RegierungSkreisen mit den diesbezüglichen Verfügungen des alten Systems aber nicht ganz einverstanden ist. Es wird offenbar dahin geffrebt, diese Summe aus eine Weise zu verwenden, die den Wünschen der gesammtcn hierländischen Judenheit genau entspreche, ohne, wie dieß bisher der Fall gewesen, mit den Interesselt unseres engern Vaterlandes zu kollidiren. Man wird voraussichtlich in nächster Zukunft schon zu diesem Behuse die Gutachten der verschiedenen Gemeinden einholen und die bestbcgriindeten Meinungsäußerungen als leitendes Princip für die fernere Verwendung gerne anerkennen. Da indeß leicht vorauszusehen, daß die Anschauungen hierüber gar zu sehr divergirend sein könnten, so erscheint uns eine gegenseitige Verständigung der Interessenten um so unerläßlicher als sonst dem betreffenden Dikasierium jeder Anhaltspunkt für seine diesbezügliche Thätigkeit fehlen würde. Unterlassen wir eS daher nicht, den günstigen Augenblick möglichst zu benutzen! (Schluß folgt). . . Schweiz. Bern, 26. Juli. Das aargauische Volt, durch die ultramontane Hetze gegen die Juden-Eman-» zipation außer Fassung gebracht, beschloß gestern die Abberufung des großen Raths. Dieser Canton wird aber kaum lange schwanken. (Lchw. M.) Rußland. Warschau, 26. Juli. Der jüdische Banquier Mathias Rosen ist als Mitglied des Staatsraths für 1862 ernannt. wie dieß jedem Unbefangen« leicht einleuchtend — bloß mit der Sache und durchaus mit keinen Persönlichkeiten zn thun. Unseres Dafürhaltens haben erwähnte Institute ihre ursprüngliche Bedeutung als „Musterschute»" verlor«. Ihr gegenwärtiger Werth redueirt sich, gleich dem anderer Schul«, auf de» Ort ihrer Thätlgkeir. Die betreffenden Gemeinden habe» fotzt« für die Erhaltung derselbe» Sorge zu trage». Ihre etwaige» An» spräche auf Nntrrstüduvg von Seite» des „LandeSschulsondt" mögen sie günstige« Falls mit den anderen Schule» „brüderlich" theilra. Der Lorrefpondenk Druck von I. Bott stöbe» in Maires Verlag der Le No uz'scheu Hofbuchhandlung. —