Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1862)
- Date
- 1862-07-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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248 von einem ehrlichen übcrzeugungStreuen Manne gesagt worden, seine hinverbrannten Auslassungen zu spät bereuen."- „Wer einen Skandal ansiiftet, darf freilich darauf rechnen, einen großen Haufen um sich zu versammeln, aber der Haufe verläuft sich und — der Skandalmacher sieht allein. Ihm bleibt dann als einzig mögliche Zuflucht noch der Hasen der „Kreuzzeitung* offen, denn wie auch Herr Marr mit Händen und Füßen sich dawider sträubt: er ist nicht Anderes als ein Seitenstück zu den einst urradikalen Brüdern Bauer, die sich mit Vibelzitatcn wider die Juden wandten und nun in offenkundiger Weise mit Wagner und Gerlach an einem Strange ziehen. Ein schwerer Patient, wie Herr Marr, begreift das freilich nicht; aber die beschämende Erkenntniß wird ihm dennoch nicht auSbleiben. Bis dahin wünschen wir ihm glückliche Genesung!" So weit das Organ des Vereins, zu dessen Vorstand Marr bis jetzt gehörte; daß er seine Ansichten Tagen viele Christenkinder ausgesangen, zog in der Stadt um um) fand leider in den unteren Schichten des Volkes Glauben, und man war bald erzürnt gegen die Israeliten. Als am 4. April -d. I. ein eben erst genesener Mann mit einem Sack Rüben über die Friesenstraße seiner Wohnung zuschritt, trat eine Frau zu demselben, betastete den Sack und rief: „Ein Jude, der Kinder stiehlt, ich habe die Beinchen und den Kopf gefühlt!" Der brave Mann, kein Jude, sondern ein Christ in bester Form, wurde von dem herbeieilenden Pöbel zu Boden gerissen und getreten und geschlagen, daß er einen Leistenbruch davontrug. Der als Jude abgefaßte Christ, der längere Zeit arbeitsunfähig war, ist zwar wieder hergestellt, aber leidend sieht er noch immer aus.*) Er ryar im Gerichtssaale anwesend und daher erregte es Sensation, daß einer der fünf Vertheidiger behauptete, der Mißhandelte sei im höchsten Grade schwindsüchtig. Trotzdem sich die fünf Vertheidiger darauf stützten, daß die Angeklagten mit den Gerichten früher noch nicht theile, ja verwerfe hat er schon früher gesagt ' nicht in Berührung gekommen und daß sie bei fämmt- und sagt eS jetzt wieder. Es ist nicht nöthig, noch! lichen Freisprechung beantragten, verurteilte der GeetwaS weiter hinzuzufägen. Für uns bleibt immerrichtshof, was im Publicum mit großer Befriedigung hin zu bedenken, daß das Gespenst des Judenhasses noch nicht ganz durch den Zeitgeist gebannt ist, — mag der Jude vollständig Jude oder mag er nur noch ein Jude dem Namen nach sein, dem Feinde gilt es gleich. — Von Zeit zu Zeit spuckt es wieder, um uns denn doch daran zu erinnern, daß unsere Zeit noch nicht da sei, wie sie so manche unserer Glaubensgenossen als schon erschienen bezeichnen. Noch ist die ganze Welt durchweg von Gotteserkenntniß nicht durchdrungen; jein Beweis von vielen — der Mansche Spuckgeist. Preußen. Köln, 19. Juli. Heute gelangte ein Proceß am hiesigen Zuchtpolizeigericht zum Austrag, der als ein Nachklang aus den Anschauungen des Mittelalterangesehen werden darf. Das Publicum drängte sich schaarenweise zu dem Gerichtssaal, um den Verhandlungen beizuwohnen, welche durch die bekannte „Judenhetze" veranlaßt worden. Das Gerücht, die des Christenblutes bedürftigen Juden hätten in wenig vernommen wurde, zwei Personen zu 3 Monate» und sieben zu 4 Wochen Gefängniß; sieben Angeklagte wurden freigesproche«. JdeSfeld. Nicht weit von hier wurde in den letzten Tagen ein Mann so schwer mißhandelt, daß er einige Zeit für todt am Boden lag! Die Schulkinder der Nachbargemeinde Tburn (Kreis Mülheim) waren die nächste Veranlassung. So schrie die Jugend dem Manne nach, er sei ein Blutjude, der Kinder holen und ihnen das Blut auSsangen wollte Die Alten ließen die Stimme der Unmündigen nicht ungehört, sondern machten mit dem Beschuldigten kurzen Proceß. Der Mann war aber kein Jude, ewar der römisch-katholische Holzhändler Engels au- Nath. (K. Z.) *) SS war also die Nachricht irrig, daß der Mißhandelte gestorben sti. Aerantw. Redaktion vr. Lehman». — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Druck von I. SottSlebe« in Mainz.