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Der Israelit · 1862-07-02 · Heft 27 (2.7.1862) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 27 (2.7.1862)
Date
1862-07-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Llb das Christenthum aber eiste weitere Fortbildung von derselbe»ist... ... - , - Oder wird den Jude» die geistige Befähigung, die Ebenbürtigkeit der Intelligenz bestritten? Schwerlich wird dieser Versuch im Ernste und mit Glück gemacht werden, denn die Annalen dieses Stammes sind reich an berühmten Namen. Sie weisen, wie nicht leicht diejenigen eines andern Volkes, große Belehrte, Staatsmänner, Künstler auf, die in allerer wie in neuerer Zeit von den ungewöhnlichen und vielfältigen Fähigkeiten der Israeliten Zeugniß geben. Ich bin auch überzeugt, daß die Befehdung vom Standpunkte der Rasse und Religion bei unserm Volke wenig Boden gefunden hat. ES ist vielmehr ein weiterer Grund, der Bedenklichkeiten und Feindseligkeiten nährt, und dieser liegt in der Art und Weise, wie die Juden ihren Lebensunterhalt gewinnen und ihre Berufsarten ausüben.' Es ist unbestreitbar, daß die Mehrzahl wandernde oder gesessene Krämer sind, daß Viele Geldgeschäfte und Güterverkäufe betreiben, und daß sie dabei häufig mit Verschmitztheit und mit Harte verfahren. Mein, meine Herren, dieses Ausschließliche in der Aerufsweife der Juden, die Untugenden, welche sie dabei hin und wieder üben, sind nicht sowohl die Schuld dieses Stammes selbst, als vielmehr diejenige des christlichen Mittelalters und auch diejenige der christlichen Gegenwart, insoweit letztere sich des mittelalterlichen Erbes der Verfolgung und Intoleranz noch nicht erledigt hat. Man hat die Juden während Jahrhunderten unterdrückt und verfolgt und wA, daß sie die Eigenschaften des freien Mannes habe«; man hat während Jahrhunderten ihnen den Besitz von Grundeigenthum verboten und wundert sich, daß noch kein ackerbauendes Geschlecht unter ihnen herangewachsen; man hat sie bei uns wie anderswo m bestimmte Dörfer eingepfercht und macht es ihnen zum Vorwurf, daß innerhalb dieses engen Kreises kein Handwerkerstand aufgeblüht ist! Der Abgeordnete Häußer in der badischen Kammer macht in seinem Berichte über die Gleichstellung der Juden ebenfalls darauf aufmerksam, daß die Unarten der Juden wesentlich Eigenschaften einer unterdrückten Rasse seien und daß daß der christliche Staat Vieles gut zu machen habe. Es ist also die Vollendung der Emanzipation gerade notwendig, um diejenigen Erscheinungen zu beseitigen, mit welchen von gegnerischer Seite wider die Emanzipation gestritten wE 'Heben wir die Schranken, welche unsere Israeliten noch einengen, und Sie werden dieselben, wenn nicht von morgen bis heute, doch mit den Jahren zu einer größeren Mannigfaltigkeit von Verufsarten, zu einem offenem Auftreten, zu einer loyalern und mildern Handlungsweise hinführen, als diejenigen sind, die hin und wieder noch unter denselben angetrsffe» «erden. n Ich weise auf andere geschichtliche Erscheinungen hin, die zwar noch viel schroffere Zustände angehend die ein noch grelleres Kolorit haben, die aber z» dem billigen und denkenden Beobachter dieselbe Sprache reden. Ich meine die Zustände der Bauer« im östlicheu Europa. Als 1847 die Bauern in Gakkzke» sich gegen ihre Gutsherrn erhoben, als 1843 dasselbe in Siebenbürgen geschah, wurden durch dieselbe» Greuelthaten verübt, welche die Zunge sich streubt wieder zu erzählen und die von eine« unzemekr tiefen, sittlichen Zustande dieser Bevölkerungen Zeugniß geben. So groß diese Greuel gewesen firü», würde wohl der eingefleischteste Anhänger aller Mißverhältnisse zu sagen gewagt haben, daß die galizische» und siebenbüraischen Bauern in Zukunft noch schärfer darnieder gehalten werden müssen? Oder ist «S nicht vielmehr das Schreiende und UngewöhvRche dieser Exzesse in einem christlichen Landes das MS lehrt, daß hier große soziale UebelstLude zu Grund« liegen müssen, daß eine Nemedur nothwendig sei an den Verhältnissen der Krone und des Gutsherr« zum Bauern, um diesen auf eine höhere sittliche Stufe zu heben? — Und indem ich an-: «etter Ferne zu unfern aargauischen Israeliten, von der Erinnerung an bluttge Thate» zu untergeordnete» Uebelstanden zurüäkehre, so sage ich Ihnen nochmals: Wenn Sie über die Juden zu klagen haben, so Helfta Sie selbst ab, indem Sie oreselben durch vollständige Gewährung aller bürgerlichen Rechte heben. Oesnen Sie den aargauischen Ghetto, gewährt Sie die freie Niederlassung, das aktive Md da« passive Wahlrecht in kantonalen Sachen und Sk« werden mehr und mehr die Uebelstande verschwinde« machen, die Juden in alle Berusskreise elnführen, ihre Denk- und Handlungsweise mit der unsrigea assimiliren. Ich gehe aber noch weiter nnd behaupte: der Staat als solcher, jeder Staat habe ein großes J»L teresse, die Juden zu emarrzipiren. Die Treue und Anhänglichkeit für seine Religion und seine lieber» lieferungen, seine Pietät für die Familie geben Gewähr und Bürgschaft, daß der Jsraelite, wenn ih» einmal der Staat als vollbürtig adoptirt hat, sich mit Hingebung an denselben anschließen und ei« dankbarer Sohn seines neuen Vaterlandes werde» wird. Man kann wohl in dieser Beziehung nach Frankreich Hinweisen, wo die Juden, stolz auf den Vollgenuß bürgerlicher Rechte, unter die treueste» und pflichteifrigsten Staatsbürger gezählt werde» dürfen. s . : : - Der 'demokratische Staat aber hat nicht nur ein Interesse, er hat eine entschiedene Pflicht, die Juden zu emanzipiren. ES ist auf die Gleich-

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