Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1862)
- Date
- 1862-06-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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484 Schon bei der sam 26. v. M. im Loyale des sIzr.-Magy.-bgylet" stattgesnndenen Vorkonferenz begann eine lebhafte Polemik, ob die Debatten in ungarischer oder in deutscher Sprache geführt werden sollten. Doch die diesbezüglichen Verhandlungen konnten nicht lange währen. ES stellte sich alsbald heraus, daß so die Herren Präsidenten keine Lust hätten, eine Lehrerkonferenz ohne Lehrer abzuhalten, sie die deutsche Sprache aus dem Sitzungssaale nicht verbannen dursten. Es erwies sich nämlich, daß die entschiedene Mehrzahl der zur Konferenz herbeigeströmten Lehrer, Gsureindevorstände «nd Rabbinen des magyarischen JdiomS nicht kundig, mindestens in dem Grade nicht, daß sie ihren Meinungen .und Ansichten in dieser bisher selbst von den hierländischen Israeliten schwach gepflegten Sprache einen präcisen Ausdruck zu geben vermöchten. — Dieser Umstand hatte eigentlich genügen sollen, um darzuthun, daß die Erhebung des Ungarischen zur Unterrichtssprache momentan schon aus dem Grunde unthunlich, indem es uns an hierzu qualifi-irren Lehrerindividuen vollkommen mangelt' ES war sonach leicht vorauszusehen, daß dieser Vorschlag in der Lehrerkonferenz nothwendig eine vollständige Niederlage erfahren müsse. Man war aber wohlweislich für diese Eventualität ziemlich gut vorbereitet. Die Leiter der Konferenz, aus den Männern des „Jzr.-Magy.-Egylet" bestehend, erklärten die Mitglieder dieses Vereines als stimmfähig. Was Wunder also, daß auf diese Weise die Idee bezüglich der magyar'schen Unterrichtssprache einer eklatanten Majorität sich erfreute. Die Zahl der Mitglieder des „Egylet," die an den Verhandlungen faktisch theilgenommen, war eine verhältnißmäßig beträchtliche und gelang esohin ziemlich leicht, Beschlüsse zu fassen für die Lehrer, im Namen der Lehrer, ohne -- die Lehrer! — Es ist unsere Absicht nicht, hier hervorzuheben, daß die geehrten Mitglieder des „Jzr.-Magy.-Egylet," welche die Konferenz mit ihrer Gegenwart, resp. ihrem allzugroben Eifer beehrten, zum großen Theile au- 16—18jährigen Ctudentlein bestanden, die sich hierzu berechtigt Mubten, über eine der wichtigsten Lebensfragen des Judenthums, die Gestaltung derVolkSschule, ihre altkluge Stimmen zu erheben. Wir wollen'- nicht hervorheben, da eS ohnehin notorisch, daßdiefe liebenswürdigen Herrchen nichtschonen, um ihrer von der jeweiligen ZeitstrSmung influenzirten Anschauung — und geschähe dieauch aus Kosten des JugercdunterrichtS — Kraft und Geltung zu verschossen. Wir fragen bloS, mit welchem Rechte konnte diesen Herren Stimmfahigkeit auf ein erLehrerko,'nferenz zugestanden werden, um hiedurch die Bestrebungen derselben anstatt zu fördern — empfindlich zu paralysrren? Doch noch eine Frage soll hier erörtert werden: Warum überließ man eS nicht de» Lehrer», daß sie, wie dies unstreitig überall Mich, ihrenKonfereuzpräfidenten selbst wählen? Warum usurpkie der Präses de- „Jzr^Magy.-Egylet* den Präfidentenstuhl, ohne hiezu von der Versammlung die Berechtigung erhalte» zu habe«. > Aus diesem erhellet zur Genüge, welch' untergeordnete Bedeutung man dem Willen und den Wünschen der versammelten Lehrer beimaß. Mau berief diese bloS, um den Bestrebungen de- »Egylet* auf diese Weise in den Landgemeinden mehr Halt z» verschaffen. Die- Knute Jeder fühlen, diefühlte auch Jeder, der der Konferenz anzuwohnen Gelegenheit hatte. Aus diese Weise konnte er aber auch nur geschehen, daß Herr Löw als Präses eine- RedaltionSkomite'S ernannt wurde, dem der Auftrag geworden: eine für sämmtliche iSr. Schule» dieser Kronlander bestimmte ungarische Bibelübersetzung anLzuarbeiteu. Vollends lächerlich erscheint diese Wahl, so man erwägt, dass'eigentlich eine zweifache Uebersetzung geliefert werde» soll: eine «örtliche und eine traditonelle. Also Herr Löw an der Spitze einer traditionelle» Uebersetzung der Thora! t — Loch Alleist Möglich! Wenn Herr L. ein jüdisch-theologische- Wochenblatt herauSgibt, warum deun^nicht auch eine traditionelle Bibelübersetzung sabrizlren? Hat doch unsere Zeit eine gar spekulative Richtung! ° ES dürsten so Manche obige Bemerkungen nicht willkommen heißen; allein wir sind überzeugt, i« Namen zahlreicher Gesinnungsgenossen und wag «och mehr, im Namen der Wahrheit gesprochen z» habe«. —_ LlaszfarF. Laautw. Nrdaltion vr. Lrhrr.aav. — Verlag der L« Ro»;'schr» HosiuHhavLlusg. — Druck das I. Sott-leie» ia Mainz.