Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1862)
- Date
- 1862-06-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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gewissenhafte Erfüllung erst für spätere ZulüNfl Früchte verspricht, einer Arbeit, deren Einfluß auf unsere Generali vn wir erst nach taug« Zeit vahrzmlehmerr hoffen können. Dmch Arbeit kann indeß viel erreicht werden; und der Gedanke an dahohe Ziel, das wir durch unsere Arbeit zu erstreben hoffen, macht de« Schweiß der Anstrengung angenehm. Die Größe der zu überwindenden Schwierigkeit darf nicht zurückschreckcn, es muß vielmehr mit allen Kräften an der Erfüllung der gestellten Aufgabe in ihrem ganzen Umfange gearbeitet werde«, r Soll der Jugend gründliche- Wissen vom Judenthvm beigebracht werden, soll fie die Fähigkeit erlangen, die Kenntniß der Religion aus der Quelle selbst zu schöpfen, soll der Gottesdienst ihr nicht «ehr als etwas Fremdartige-, Unverständliches gelten, sondern als der Erguß der Her-enSempfindungen, der Ausdruck der innigsten Gefühle, so gibt eS vorerst uur das eine Mittel: die Keuntniß der hebräischen Sprache. Die Jugend muß mit derselben so innig vertraut werden, daß weder ihre Form noch ihr Inhalt ihr ein unbekanntes, fremdes Gebiet bleibe. Wer aber die Fähigkeit erlangt hat, sich selbstständig an das Berständniß des Talmud zu wagen, dem bleibt kein hebräisches Werk der Sprache halber unzugänglich; er liest und versteht das Hebräische wie seine Muttersprache, und erst dann, wenn diese Stufe erreicht ist, kann das Studium unserer Literatur den schönsten und höchsten Genuß breiten, erst dann kommt man zur vollen UeLerzeugung, welchen Schatz, welches kostbare Gut wir an ihr besitzen. Das Verständniß des Talmud ist daher das Ziel, welches das Wesen der Ausgabe vuserer Anstatt von selbst gesteckt hat. Woher kommt eS aber, wird man wohl fragen, daß Lurch die reformatorrsche Umgestaltung des Unterrichts der Talmud aus der Schule gleichsam verbannt wurde? Wir geben gern z«, daß, wenn eine ganze Zeit sich gegen irgend etwastreurt, eS mag nn Ganzen mit «och so großem Unrechte geschehen, dies Ctrcvben immer in irgend einer Weise berechtigt sei; ein Allen gemeinsamer Kampf wird wohl dmch eine rechtfertigende Veranlassung hervorgeruftn; aber nicht immer ist das Ziel des Kampfes das rechte; in der Hitze des Kampfer wird nicht selten das rechte Ziel verfehlt und dadurch mehr Schade» als Nutzen gebracht. Und so scheint eS in der Thal dem Talmud-Studium ergangen zu sein. LaL Streuben der Zeit konnte höchstens ln der Methode, nicht im Talmud-Unterrichte selbst seinen Grund haben; nicht im Kerne, sondern in der Schale, in der Form, nicht im Wesen. Betrachten wir nur. wie der Kampf sich entwickelt hat, welchen Verlaus er genommen und welche Früchte er gebracht, so muß uns die Wahrheit Vieser Behauptung einleuchtend fein. Das Tab» mud-Studium fordert nicht geringe Opfer von UNS: Anstrengung unserer Dentthätigkert, Sparsamkeit in der Zeitanweudung, Unterdrückung sinnlicher Genußsucht; es entrückt uns ans diese Weise dem Sinnlichen, und versetzt uns aus ein mehr geistige- Gebiet. Kein Wunder also, daß das Studium de- Talmud nicht Allen zrssagt. kein Wunder, daß viele nur die Schwelle desselben betrete» unv vov dev Größe der Aufgabe zurückgeschreckt, dasselbe von sich zurückweisen. Daher konnte es sich auch nur bei einer Auswahl von Männern erhalten. Sa lange aber die Inden durch die mittelalterlichen Gesetze ganz isolirt tastanden und einzig und allein auf DH selbst angewiesen waren, ihre Ehre, ihre Hoffnung ihren Trost, ihr Alles in sich selbst, in ihrem Glauben, in ihrer Literatur fanden, so lange waren auch die Männer, die ihr ganzes Leben oent StvdiUm unserer Literatur widmeten, die einzigen Träger der Bildung, die einzigen Männer der Wissenschaft, die einzigen, die die volle Achtung und Anerkennung ihrer Bruder sich erworben hatten, sie stände« da als der achtbarste Theil der Gemeinde, von Men geehrt und geliebt, von großem Einflüsse in jeder Beziehung. Daher kam es auch, daß das Talmud- Studium eine Ehrensache war. Man war der Ansicht: -Q und dies hatte zur Felge, daß der Jugendunterricht verwahrlost wurde; oa war kein Prinzip, keine Me» thode, keine Ordnung: so schnell als möglich mußte der Knabe zur Talmuostufe gelangen, unbekümmert, ob die vorhergehenden Stufen genügend erreicht Worden find oder nicht. Dies richtig erkennend nutz fühlend, halten die Reformatoren der Schule wohl Recht, dagegen einzuschreiten, um den Jugendunterricht wiederum in das richtige Geleise zu brürgen. Um so wehr hatten die Reformatoren das Recht und sogar die Verpflichtung, aus einen planmäßigen, nach bestimmten Prinzipien geregelten Unterricht im Hebräischen hinzuwirken, als durch die Umgestaltung der politischen Verhältnisse Europa's daS Lebe» mit neuen Forderungen an die Juden herantrat. Die gänzliche Jfslirung horte auf; sie finge« mehr, oder minver an, am össertlichen Leben Theil zu nehmen; sie konnten sich nicht mehr auf ihre NatioNalliteratNr beschränken, sie mußten, um die vollständige Rechtsgleichheit zu erlangen, auch darnach streben^. so viel in ihren Kräften flano, hinter der allgemeinen Bildung ihrer Mitbürger mcht zmückzubleiben; dieJugend mußte in allen gemeinnützigen Wissenschaften unterrichtet werden. Wie sollte nun bei dieser große« Aufgabe, bei diesen vermehrten Ansprüchen des LetzrilS ein planloser Unterricht rm Hebräischen von Nutzen sein? Für edeldenkende, Um das Wohl ihrer Glaubensgenossen besorgte Männer, denen eS darum zn