Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1862)
- Date
- 1862-05-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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17« I meinden in Betreff der Schule zu reflectlren. Ich habe bereits in Nr. 52 v. I. den Uebelstand gerügt, daß der katholische Distr.-Schulaufseher die jüdischen Kinder auch aus der jüdischen Religion prüfet. Ich will Ihnen heute ein Faktum mittheilen, welches so recht geeignet ist, diese Angelegenheit zu beleuchten. Ein Lehrer hatte in seiner Klaffe den Beweis für die Einheit (Gottes so führen zu müssen vermeint, daß er den Satz ausstellte: Wenn zwei Götter wären, so würden sie sich in Hinsicht der Schöpfung und Wrltordnung nicht geeinigt haben, wodurch in der Natur eine Unordnung wahrzunehmen wäre. Dar Kind rezitirte bei der öffentlichen Prüfung das erlernte Dogma der Einheit Gottes sammt Zommentar. Der Herr Dekan wendete sich hieraus zum Kinde, eS folgender Maßen ansprechend: »Hast du einen Vater?* Antw.: »Ja!" »Hast du eine Mutter?" Antw.: »Ja!" »Habt ihr auch Ordnung im Haufe?" Antw.: »Ja!" »Nun so schau"-! Der Geistliche fügte nichts hinzu; und auch wir wollen nichts hinzusügen als die Bemerkung, daß nach Jahr und Tag das Kind mich an die Worte des Geistlichen in Beziehung auf die Einheit Gottes erinnerte. Doch auch abgesehen von der Religion, wird es jeder mährische Jude eingestehen, daß die Unterordnung der jüd. Schule unter die kath. Geistlichkeit eine große CalamitLt für die Gemeinde» Mährens ist. Wie viele jüdisch-deutsche Schulen sind hierdurch aufgelöst, und wie wenige konnten einen festen Standpunkt gewinnen U Glücklich die Gemeinden, die die Bewilligung zur Creirung einer Hauptschule ernichen konnten; der größte Theil der Gemeinden aber, wo dies nicht der Hall ist, kann über das heiligste Interesse der Eltern , die Erziehung ihrer Kinder, nicht verfügen: Da einerseits die gesetzliche Schule wohl für'S Landvolk, keineswegs aber für die höheren Erfordernisse der Zeit genügen kann; und anderseits untersagt eS das Gesetz aufs Strengste, außer der Normalschule, selbst unter einem geprüften Lehrer, und selbst für den Religionsunterricht, Sammelfchulen zu unterhalten. Wollte also eine Gemeinde alle mögliche Opfer bringen, um der Jugend einen den Zeiterforderniflen entsprechenden Unterricht neben der gesetzlichen Schule privatim erlheilen zu lassen, so ist die Stellung der Privatlehrer eine sehr precäre, da eS vom Dekanate abhängt, sie zu dulden oder nicht, und fühlt die kath. Geistlichkeit um so weniger dag Dedürfniß eines hohem Unterrichts in den jüdischen Schulen, als nach Analogie der christlichen Landschulen die jüdische strts einen Vorsprung hat. Die Folgen hiervon sind, die Auflösung der mit Mühe zufammengebrachten Prioatschulen, und daß der deutsche Unterricht sowohl als der hebräische unaufhörlich leiden. Ganz anders wäre eS, wenn die jüdische Schule bloder politischen k. k. Behörde unterstände. Diese Behörden würden der Autonomie der Gemeinde dem möglichst größten Raum für Erweiterung der Schulen lassen, da eS ja nur ein Bortheil für den jStaat sein kann, wenn der Unterricht der Jugend auf der Höhe der Zeit steht. Ware eS also nicht an der Zeit, auch an die geistige Autonomie der Gemeinde zu denken?! Hat aber auch der gewählte Ausschuß hierüber keine Instruktion, so könnte diese allenfalls noch emgeholt werden. Triest. Seit dem 1. Mai wird hier von Herr» Marpurgo unter dem Titel »II Horrivro l»r»e- Ltieo« eine Monatsschrift in Ualienischer Sprache herausgegeben. — Frankreich. Pari-, den 9. Mai. Herr MoseS WeiLkopf, Rabbiner des hiesigen Talmudvereins und Direktor der UnterrichtSanstalt desselben, geht damit um, eine höhere Schule zu gründen, in welcher die Wege deK religiösen Wissens mit der des profane» Hand in Hand geht. Das von ihm ansgegebene Programm» in welchem er die NoLhwendjgkeit einer solche» Anstalt »achweist, liegt uns vor. ES ist zn hoffen, daß durcy die zn gründende Schule dem furchtbaren JndiffereatiSmuK, der meisteneine Folge der Unwissenheit, der Unkeuntniß in Bezug auf unsere heilige Religio» ist, ein Damm entgegengesetzt wird. Mr wünsche» Herr» Rabbiner WeiSkopf daS^beste Gelinge». — - Derantw. Redaktion vr.Lehman». — Dirlog der Le Roux'scheu Hofbuchhandlung. — Druck von I. Tottslrde» l» MaÜrz. ' >