Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1862)
- Date
- 1862-04-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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136 innigste Bitte an alle jene Rabiner und sonstige fromme, human denkende Männer zu richten, die etwa eine Spur von dem Aufenthalte dieses Adolf Unger's haben sollten, ihn womöglich zu veranlassen, daß er dieser seiner Frau einen gehörigen '"p m übcrschicken soll, welcher ihr dann in Amerikan'v übergeben werden müßte. Noch bester wäre es aber, wenn diese Frau sich entschließen könnte, nach Ermittelung seines Aufenthaltes in Europa, sich selbst dahin zu begeben, um den v; von ihrem Manne unmittelbar empfangen zu können; so kam auch vor ungefähr zwölf Jahren eine Frau aus Schedlitz in Russisch-Polen mit ihrem Vater, einem gewissen Meudelsohn, hieher, als man ihr von hier aus geschrieben, daß ihr Mann, welcher sie seit bereits neun Jahren verlassen hatte, sich zufälliger Weise hier befinde; da er aber von hier ab gereist war, als sie ankamen, veranlaßte es Gefertigter, daß sie in Holitsch in. Ungarn, wo dieser Mann sich damals aushielt, von ihm gesetzlich geschieden wurde. Und um künftig derlei Fälle und Conslicte nach Möglichkeit zu verhindern, wäre eS meines Erachtens rathsam, wenn die israelitischen Gemeinden ' und besonders deren Rabbiner strenge daraus sehen möchten, daß kein Fremder in ihrem Orte eine Ehe eingehe, bevor er sich, nicht mit einem Zeugnisse von seinem Heimathsorte ausweist, daß er noch, ledig oder bereits Wittwer sei, so wie eS, in Dänemark und im Venezianischen LandeSsitte öder Gesetz zu sein scheint, da Gefertigter schon vor mehreren Jahren zwei solche Zeugnisse für hiesige Individuen ausstellen mußte, deren Einer in Verona und.der Andere in Kopenhagen heirathen wollte. Und um so vorsichtiger müssen Gemeinden und Rabbiner sein, wenn beide Brautleute Fremde sind, daß sie sich vor Eingehung ihrer Ehe nicht nur über ihren ledigen Stands, sondem auch über die Nichtexistenz näher Verwandtschaft zwischen ihnen ausweisen sollen, da durch die Nichtbeachtung derlei Vorsichtsmaßregeln, selbsi in einem und demselben Landes die Uebertretung mancher rv"w '"non mitunter veranlaßt werden kann; so versicherte mich vor mehreren Jahren ein glaubwürdiger hier durchreisender Rabbiner einer kleinen Gemeinde in Ungarn, daß in der Nahe seiner Gemeinde, ein Arzt seine Tante heirathen wollte, und da ihm dies in seiner Heimath nicht ge* stattet, sondern eS als religionswidrig verboten wurde, gingen Beide nach einem entfernten Orte, und dort sollen sie ihr sträfliches Erhaben vollzögen haben, indem sie daselbst von Jemandem, dem ihr Verwandtschaftsgrad unbekannt war, ohne Weiteregetraut wurden. Ich benutze zugleich diese Gelegenheit über einen ähnlichen Fall, wie den in Chicago, von hier aus zu berichten, vielleicht könnte hiedurch, durch Ihr geschätztes, gewiß auch in Amerika gelesenes Blatts ein gottgefälliges Werk bewerkstelligt werden. — Ein gewisser Herr -Leopold Hovard aus S. Franziska in Califomien (sein ursprünglicher Name ist Löb TaußkauS Holitsch in Ungarn) kam nämlich im Jahre' 1854 als reicher Mann nach Wien, verlobte sich daselbst mit der Regina Sofer, der ledigen Tochter des hiesigen N. Joseph Sopher und ließ sich mit derselben am 15. Februar desselben Jahres in Brün» gesetzlich und öffentlich trauen, reiste sodann mit dem selben nach Amerika ab; im November 1855 kehrte^ er mit ihr und seinem mit ihr gezeugten Kinde zurück, ließ hier diesem Kinde, einem Mädchen^ den Stamm seiner verstorbenen Mutter ertheilen, und in der hiesigen Matrikel dasselbe unter dem Namen Emilie Hovard aus seine» Namen einschreiben, reiste dann wieder allein nach Amerika, um dort, wie er sagte, seine Besitzungen zu veräußern und versprach, bald wieder zurück zu kommen, um sich hier oder in' Wien zu etabliren, da er dort nur seine Besitzungen verkaufen wolle; einige Monate daraus schrieb er ihr einen zärtlichen Brief aus Havanna, seitdem aber ließ!.er Nichts mehr von sich hören, und so lebt das verlassene Weib mit ihrer bereits erwachsene» Tochter i» Roth und Elend, da sie nur durch Handarbeiten ihr beiderseitiges Lehm kümmerlich fristen kduik Es werden daher die ehrenwerthm Herren Rabbiner und Cultusgemeindvorsteher in Amerika hiemit Höflichst ersucht, diesem Herrn, der ein zärtlicher Gatte- und Vater zu sein schien, falls sie feinen Aufenthaltsort ermitteln sollten, es an'S Herz zu legen, sich die» ser seiner verlassenen Familie avzunehmm und wo möglich zu ihnen zurückzukehren, oder aus andere Weffe für deren gehörige Versorgung Anstatt zu treffen. Joachim Poltsk, OrtSrabbiner. Derantw. Redaktion vr. Lehmann. — Verlag der Le Roax'sche» Hostuchhandlung. — Druck von I. VottSleben in Mainz. O-