Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1862)
- Date
- 1862-03-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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104 um «Mandeln weiß, durch den Glauben, der ihnen allen innewoHnt und durch dis Liebe für unsere heilige Lehre, die sie alle kennzeichnet. Und diese freudige Kundgebung ihrer GotteZverehrung, ihrer begeisterten Liebe für die Thora waren Sonnenblicke für unsere Väter während des Sturmes, der sie beständig bedrohte, die Rosen, die sie auf ihrem dornenvollen Pfade pflückten. Der Druck jedoch ist heute geschwunden, die Ideen von Freiheit und Menschenrechten ließen auch im Juden den Bruder erkennen. Aber dieser große Fortschritt für die ganze Menschheit mußte nothwendig den JndifferentiSmus in Bezug auf Religion mit sich führen. Der Mensch nämlich, der nun seine Rechte erlangt hatte, vergaß in dem Stolz über seine errungenen Rechte, daß er auch Pflichten, Pflichten gegen seinen Schöpfer habe, und die Gleichgiltigkeit gegen alles, was Religion hieß, traf auch das Judenthum stark, und führte in Frankreich den JndifferentiSmus, in Deutschland die Reform herbei. Doch die Zeit heilt viele Nebel, sie wird auch bald dieses geheilt haben. Erblaßt nicht täglich mehr der JndifferentiSmus? Faßt nicht in Deutschland die Orthodoxie starke Wurzeln? Zeigt sich nicht in Frankreich seit den letzten Jahren ein besonders regeS Leben in der jüdischen Presse? So wollen denn auch wir, die wir vor Allem die hohe Bedeutung des JudenthumS erkennen, unser Möglichstes thun, diese- Jntereffe für den hohen Glauben unserer Väter so zu kräftigen und zu erhöhen, daß eS zu einer wahren und begeisternden Liebe sich gestalte. Nicht durch dumpfes und starres Hinbrüten, nicht dadurch, daß wir in der Ecke sitzen und lernen, Morgens und Abends die „Schulnicht versäumen^ überhaupt unsere Pflichten erfüllen, sondern nur durch lebendiges Wort wie durch lebendige Lhat können wir dem Jüdrnthume wieder neue Kraft verleihest und dies sei unser Bestreben. -7virrn bv.11 '2 i'MLvrmm'n 'brr nrr b2,i 121 »po Ein begeisterter Anruf belohnte den Redner. — ES herrschte nun die freudigste Stimmung, man erzählte, sang die verschiedensten jüdischen Lieder und trennte sich endlich um Mitternacht, voll von jenen reinen frohen Gefühlen, die ein solcher Abend i» «nS zurück läßt. — Meiner Ansicht nach sind derartige Feste, wie keine andere geeignet, nicht nur die Mitglieder des Vereins, einander zu nähern, und sie in dem Gedanken, der sie ja verbindet, Verbreitung und Verherrlichung der Gotteslehre, zu befestigen, sondern solche Feste ziehen auch junge Leute an und darauf sollte man vor Allem achten. Der Eindruck, der von solchen Festen zurückbleibt ist ein großer, denn er zeigt den jungen Leuten, daß man sich auch in echt und rein jüdischen Kreisen sehr gut amüsiren kann, und daß von den Freuden, die man da genießt, keine Bitterkeit zurückbleibt, kein Vorwurf später die Seele zu belasten hat. — Wie wäre es nun, wenn ich bei Gelegenheit de- Beth Hamidrasch-Sium auch einen Slum auf meine Briefe veranstaltete und mich selbst ein wenig regalirte? Ich sollte eigentlich Dir zürnen, lieber freund, Du hast meine Briefe der Oeffentlichkeit überleben, ohne daß ich es wollte, und die löbliche Redaktion hat sie gar oft stark censirt, doch daS thut nichts. Man sagt immer besser etwas zu wenig als z» viel. Ich danke daher Dir, dem Hrn. Redakteur und den verehrte« Lesern des Israeliten für die Aufmerksamkeit, die sie mir geschenkt oder vielmehr zu schenken gezwungen waren. — Sollte es vielleicht der löblichen Redaktion nicht unangenehm sein,*) so werde ich mit Nächstem eine 2. Serie von Briefen beginnen. Ben Nsphlali. Rußland. Ans Rußland. Der in Frankfurt a. M. privatisirende, durch seine Schriften in den weiteste» Kreisen rühmlichst bekannte, gelehrte Rabbiner, Herr vr. Auerbach, hat einen Ruf als Oberrabbiner der vereinigten israelitischen Gemeinden Shlowe u. Mo» hilew in Rußland erhalten und dem Vernehmen «ach bereits angenommen. Sonderbarer Wechsekl In früheren Jahrhunderten haben die großen israelitische» Gemeinden Deutschlandihre Rabbinen aus Pole» und Rußland berufen und jetzt umgekehrt. — Wir möchten fragen, hat denn die deutsche Judenheit wirklich einen so großen Neberfluß an gediegenen israelitischen Gelehrten, daß man für einen Mann wie vr. Auerbach in der Heimath keine Berwenduug gefunden und ihn gleichsam veranlaßt, dar deutsche Vaterland zu verlasse»? . . - r. . ') DK bltten vielmehr darum. Ned. Brrakkv. Nedaktion Or. Lehman«. — Verlag der La K onx'schr» Hastuchhandlunz. —Druck van I. <Ivtt<lrh«n i, Waiuz.