Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1862)
- Date
- 1862-03-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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87 ZcitunMachrilhtm imd Comspo»dt»;ea. Deurscklanv. Karlsruhe, 22. Febr. Daß da- Gesetz über die völlige politische Gleichstellung der Juden mit den Christen seine Gegner finden werde, ist an sich nichts Ausfallendes. Konnte selbst ein Mann von so unbezweifeltem politischem und religiösem Freisinn, wie Notteck, der heftigste Gegner jener Reform sein, so ist eS nicht zu verwundern bei Solchen, die mehr von engherzigen Ansichten und unklaren Gefühlen geleitet werden. Es ist auch oft leichter, unabhängigen Freimuth nach Oben, als nach Unten zu bewähren. Volksgunst ist nicht minder verführerisch, als Fürstengvrifi. Die Sache der Emancipation dünkt den Einen unvereinbar mit der Grundlage des .christlichen Staates," den Andern unvereinbar mit den historischen Rechten und particnlaren Privilegien einzelner Orte. Nicht Wenige werden beherrscht von einer Art kindischer Gespensterfurcht, als würde das jüdische Element nun alle Kreise deS bürgerlichen und politischen Lebens beherrschend durchdringen. So mag eS sich erklären, daß eine immerhin nicht unbedeutende Zahl Solcher sich gefunden hat, die an dem Petitionenputsch gegen die betreffende Regierungsvorlage sich detheiligt haben. Das aber ist da- Bedauerliche bei der Sache, daß man sich unter eine Fahne zu stellen herbeiließ, die eine unbekannte Hand im Dunkeln aufgepflanzt hat. Es ist das erstemal, daß dieser Weg eingeschlagen worden, lithographirte Petitionen ohne Namensunterschrift im Land ümherzuschicken, und das Volk zu verführen. Leider ist diese Thätigkeil der anonymen Gesellschaft nicht erfolglos gewesen. In welchen Kreisen diese Gesellschaft ihre Heimath habe, mag dabin gestellt bleiben. Seltsam bleibt eS immer, daß sie so viele Leute gefunden hat, die sich solch verdächtiger, jeder Controls und Verantwortlichkeit sich entziehenden Führung hingegeben haben. Auf die Haltung der Kammer in dieser Sache werden jso entstandene Petitionen keinen Einfluß haben. (F. I.) Oesterreichischer Kaiserstaat.- Tucap, -t. Februar. Die Nedaction hat im Leitartikel der Doppelnummer 39 und 40 der o. I. mit kräftigen Worten auf die NothwendkgkeÜ ditr Errichtung jüdischer Hospitäler aufmerksam gemacht; sie hat darin nachgewiesen, daß selbst die liebevollste Pflege, die sorgfältigste Behandlung und die freundschaftlichste Theilnahme, die dem jüdische» Krank» im chrinlichen HoSpitale zu Thril wird, nicht i» Stande ist, die GewiffenSstimme des Patienten, welche im kranken Zustande lauter denn je spricht, zu» Schweigen zu bringen. Obwohl jedefrommfühlende jüdische Herz die Wahrheit des Gesagten fühlt, will ich dennoch eine Thätsache anführen, auder da» Bedürfniß jüdischer Hospitäler selbst dem einleuchten, wird, der es mit den Vorschriften der Religion sonst nicht so genau zu nehmen pflegt. Der Gemeindeoorstand zu Schaff» in Mähren hat ein mit einer äußerlichen Krankheit behaftetes verwaistes 8 Jahr altes Kind, im allgemeine» Krankenhause in Wien, auf Kosten der Gemeinde aufnehmen lasten. — Die Ursache, warum es i» jüdischen Krankcnhause keine Aufnahme fand, ist mir unbekannt. — Die Aerzte im HoSpital fanden, daß zur Heilung des Kindes nichts geeigneter fei, als oer Genuß von Rindfleisch und beauftragten zugleich die Spitalverwalmng, sowohl zum Mittagals auch zum Abeudbrode dem Kinde Fleisch zu verabfolge». Doch das Kind war hiezu nicht zu bewegen. DaS sonst willenlose Kind, zeigte in diesem Punkte eine Willenskraft, die die Wärter in Erstaunen setzte. Me Versuche, es zum Fleischgenuffe zu bewegen, scheiterten an dem Eigensinne (?) des Kindes und bliebe» erfolglos. Mehl- und Milchspeisen aß eS anstandloS. Als auch der Versuch des Arztes mißlang, richtete einer von den Herren Doctoreu an das Kind die Frage: ob es an den Fleischgenuß nicht gewöhnt fei, oder ob es vielleicht einen Widerwillen dagegen hege? Zur nicht gering.'» lleberraichung des DockorS, erbielt er zur Antwort: ich este oft Fleisch, esse eS sogar gerne; aber dieses Fleisch darf ich nicht esfen^ weil es nicht geschlachtet ist. Als nun von einer jüdischen Restauration Fleisch geholt wurde, und ei» Jude sie Versicherung gab, daß eS irn sei, ließ esich'S wohlschmecken. Ich übergebe diese Thatsache der Osffentlichkeit nicht deßhalb, um damit darzuthun, daß eS uoch Ettern gibt, die ihre Kinder im echt jüdischen Geiste erziehen, Gottlob! die Zahl derer ist Legion irrere «b sondern weil ich hoffe, daß diese Thatsache dazu beitragen kann, die Wackern in Israel anzuspornen, diesem in vielen Städten bestehenden Mangel abzuhelfen. Humpotetz (Böhmen), Mitte Februar. Der goldene/ Spruch: „Eintracht gibt Macht" hat sich seit Kurzem am schönsten und auf sehr erfreuliche Art und Weise an hiesiger Gemeinde bewährt, den» in der Zeit von raum einem Jahre wurde» die