Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1862-03-05 · Heft 10 (5.3.1862) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 10 (5.3.1862)
Date
1862-03-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447036-2447047--01198-2456435
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ein öffentliches Amt, und selbst die königliche Würde. La sie oft ihre Besitzer frühzeitig ins Grab bringen.) R. Jochanan pflegte zu sagen: Es thut mir, ebenso leid, wenn ich in meinem Lehrvortrage die Kunstgriffe mancher Betrüger zur öffentlichen Kenntniß bringen, wie wenn ich sie ganz und gar verschweigen soll, denn im erstern Falle muß ich befürchten, manchen unschuldigen und noch unverdorbenen Zuhörer erst auf Abwege zu leiten, und im zweiten Falle, mir die beste Gelegenheit entschlüpfen zu lassen, durch Schilderung des betrügerischen Verfahrens vor demselben möglichst zu warnen. (In dieser mißlichen Lage befindet sich auch jeder Prediger und Sittenlehrer, dem das geistige Wohl seiner Mitmenschen am Herzen liegt, wenn er die moralischen Gebrechen seines Zeitalters besprechen soll.) R. Simon S. Pasi sagte: Wie oft befinde ich wich im Kampfe mit meiner sinnlichen Begierde, und bin dadurch in der unbehaglichsten Alternative, entweder von meiner zu unterorückenden Leidenschaft geplagt, oder von inneren Gewissensbissen, den heiligen Willen meines allerhöchsten Schöpfers übertreten zu haben, gefoltert zu werden. R. Nachman pflegte zu sagen: Wenn nicht Meine Gelehrsamkeit und Gesetzeskunde mich vor Vielen auszeichnen würden, wie viele meinesgleichen gäbe es da? Ebendeßhalb freute sich R. Joseph am heiligen Wochenfeste, an welchem die heilige Thora Israel offenbart wurde, mehr noch als an jedem andern Feste, denn, sagte er, wäre dieser Tag nicht gewesen, wie Viele wären meinesgleichen? (Beide wollten hiemit nicht sich selbst, sondern nur den hohen Werth der heiligen Thora und deren Kenntniß hervorhebrn.) Als man einst dem R. Preda Jemanden bloß deßhalb anempfahl, weil er von edler Herkunft sei, sagte er: Ist dieser ein Gelehrter, so gebührt ihm Ehre, und dies noch um so mehr wenn er zugleich auch von gelehrten und frommen Eltern abstammt; ist er aber selbst unwissend, und brüstet sich nur mit dem Verdienste seiner Ahnen, so mag ihn Zorn und Eifersucht verzehren, wenn er sich dennoch von aller Welt zmückgesetzt sehen wird. (Denn um so mehr Schimpf und Tadel verdient Derjenige, der als Sohn gelehrter Eltern, doch ein Ignorant ist). Als Nab seine Todesstunde herannahen sah, befahl er seinem ihm sehr anhänglich gewesenen Schüler R. Samuel S. Schileth: Wenn Du mir nach meinem Absterben eine Leichenrede Hallen wirst, lasse sie so rührend und herzergreifend als nur möglich sein, damit deren Zweck, die mögliche Sittenverbesserung und Erbauung der Zuhörer, durch dieselbe «m so eher erreicht werden soll. Raba sagte: Mit Recht'behaupten die Leute, Lnmrtw. Redaktion vr. Leb«,«»». daß die Entbehrung jeder menschlichen Gesellschaft weit ärger als der Tod selbst ist. (Denn der Mensch , ist schon von Natur aus zur Geselligkeit bestimmt und angewiesen.) Von einem leidenden Unglücklichen aber heißt es im Talmud: Wenn ihm nicht wenigstens solche treue und theilnehmende Freunde, wie einst dem unglücklichen Jjob tröstend zur Seite stehen, ist für ihn wahrlich der Tod wünschenswerther als da- Leben. Gestützt auf den Umstand, daß beim Berichte der h. Schrift (IV. B. M. 16) über die Bestrafung der Rotte Korachs, On S. Peleth nicht mehr erwähnt wird, berichtet der Midrasch, daß ihn seine kluge Frau von weiterer Theilnahme an diesem gottmißfälligen Strecke dadurch abhielt, daß sie ihm verstellte: Was kümmert dich dieser Rangstreit, mag Aron oder Korach Hoberpriester sein, bist Du immer ja nur deren Untergebener? (Ein trefflicher Grund, jeden ruhigen Bürger und Nnterthan von der Theilnahme an irgend einer Empörung oder Revolution aozuhalten.) R. Janai sagte einst zu seinem Schüler R. Jochanan, als dieser durch seine Veranlassung zum besseren Verständniß einer mischnaischen Lehre gelangte: Hätte ich Dir nicht früher die Scherben aufgehoben, würdest Du den darunter verborgenen Edelstein nicht gesunden haben. (Man darf daher weder in der Religionslehre noch sonst in der Wissenschaft auch nicht den allergeringsten und unbedeutendsten Beitrag mißachten und geringschätzen, weil auch ein solcher oft durch meckere Nachforschung zu den wichtigste» Entdeckungen auf dem Gebiete der Lehre und der Erkenntniß führt.) Von der unbeschränkten Gewalt asiatischer Könige und Machthaber, sagte Samuel: Wenn ein König sich vornimmt, selbst einen Berg zu entwurzeln, läßt er auch von diesem außerordenüichen Vorhaben nicht so leicht ab. R. Jizchak sagte einst zu seinem Schüler, der aus Unwissenheit etwas Unerlaubteam Sabbat that: Wenn ich Dir dies stillschweigend zusehev möchte, würde man rum größten Nachthell der Religion glaube», daß ich eS auch billige. R. Lalisch sagte im Namen des N. Juda Hanaßi: Die menschliche Gesellschaft kann nur durch den Religionsunterricht der Jugend bestehe» (denn diese frommen Lehren werden dann nicht so leicht vergessen, so wie überhaupt alle jugendlichen Eindrücke nicht so bald verwischt werden). (Abaje fügte noch erklärend hinzu: Das Thora-Studium im Munde der noch unschuldigen Jugend ist weit vorzüglicher als jenes im bereits sündhaften Alter.) — Verlag der L» R»»x'schni Hostuchhaudlrmg. — Druck vo» I. Sott-kebeu d» Mainz. r

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.