Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1862)
- Date
- 1862-02-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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72 ihnen „von Oben" günstige Aussichten eröffnet weiden, sich die Intoleranz von Seite der czechischen Bevölkerung steigert. Die Stellung des Juden ist zur Ze t der vormärzlichen Unduldsamke t kaum unerquicklicher gewesen, als seitdem der Ccnst tutionalismuS wieder Eingang gefunden. Die „Ausschließung" derselben greift immer mehr M: sich, und manche Vereine setzen ihren Stolz darin, ihre Statuten müdem Paragraphen: „Juden werden nicht ausgenommen", zu zieren. Freilich, den Leser des Amtsblattes der „Prager-Zeituug" kann dienicht Wunder nehmen, denn in diesem finden sich jährlich dieVermiethungsanzeigen der zum K rchenvermögen gehörigen Gebäude, in welchen es ausdrücklich heißt, daß Wohnungen und Gewölbe nur an Christen vermiethet werden. Solche Beispiele find um so bebaue* lcker, als sie nicht ohne Wirkung bleiben. Das Traurigste ist, daß der Judenhaß, zu welchem unsere niedere czechische Bevölkerung ohne m iuclinirt, von den ultraczfchischen Blättern durch die fortwährende Betonung des konfessionellen Unterschiedes geschürt wird, und zwar in ke,ner anderen Absicht, als um bet jeder Gelegenheit einen leider in den meisten Fällen nicht fruchtlosen Terrorsmus aueubcn zu können." (Der Botschafter.) Der leiste Holtexneper unä ilns leiste Drrmäoxftr. Als die ausgesandtcn Raub-Legionen Roms die blühenden Fluren und Städte Judäa's verwüsteten und rn Blutströmen watend vor dem Lempcl Jerusalems rrschiencn, da erschrocken die Horden vor dem Anblick deS Welt-Heiligthums und sie wagten es nicht, mit raubbeficcktcn Händen und bluttriefeudcu Waffen die Cchwklle der unsichtbaren Gottheit zu betreten. — Einer der trunkenen Söldlinge ergriff eine Mordsackel und schleuderte sie in blinder Wuth hinein in das heilige Gezelt Jakobs — und der gottgeweihte Tempel, »daS Gebethaus sür alle Völker" stand in lichten Flammen, ein hocherhabener Drandaltar, auf dem ein ganzes Volk als Opfer lag ... . Wildes Lricgsgeschrer tobte draußen im Derhofe deS Tempels , aber im Innern herrschte Grabesstille mitten unter den Reihen der versammelten Priester und Leviten. — In sistliä ru Dlenstgewändcrn standen sie da mit gefalteten Hände« und harrten in schauerlichem Schwei firn des Austritts des Hohenpriesters ans dem Allerheiligfirn. — Als aber die Flammenfurien sich Immer wehr dem Ort der heiligen Geräthe näherten, da riefen sie mit ängstlich Nagender Stimme: Vater Hohe,Priester; O, komme heraus und rette dich und die Heiligtümer vor der grausamen Gluth, die das HouS verzehrt! — Da erschien der Hohepriester auf den Stufen des Allerheiligsten. Eine bohe. erbabene Gestalt in lichtweißem Gewände mit den Namen der zwölf Stämme auf der B.ust, stand er da, ein d Hiwmelsbild auf Erden. Lrrantw. Kidoktioavr. Lebs,«»,. — Verlag der Le Noux f Und er sprach zu der schweigenden Schaar: Männer Israels! Das Heiligthnm geht in Flammen auf — nun bed:rf cS der Heiligtümer nicht mehr k Fortan gibt es keinen Hohenpriester mebr, — aber Israel selbst werde der Hohepriester der Menschheit — also ist es beschlossen im Rathe deS Herrn. — Nur Eines rettet: das göttliche Gesetz! Mit diesem geistigen Heiligthume ziehet h naus in alle Welt und verkündet dm Heiden in tausend Zungen das Wort Gottes! — Mich aber lasset hier allein mit meinem letzten Gebet und meinem letzten Opferdienst .... Und er reichte ihnen die Vaterhand zum Abschiede und einer nach dem andern ergriffen sie die dargrreick e Rechte und bedeckten sie mit inbrünstigen Küssen und heißen Thränrn, dann entfernten sie sich, einer nach dem andern, ein langer schl» chzender Trauerzug. .... Der Hohepriester aber bestieg den Opferattar und sank auf die Kniee und hob die zusammengehefteten Hände hoch gen Himmel und betete mit feierlicher, klangvoller Stimme: Vater des Himmels und der Erde! In Deinem hohen Rathsebluß erwähltest Du Israel zum Träger Deines heiligen Nanu ns, 'der da heißt: Ewiger — und hast dem erwählte» Volke das Gepräge Deines Namens, den Stempel der Ewigkeit aufgedrückt. Die Vergangenheit Israels geht jetzt mit semm Tempel in Flammen auf—eS war eine große herrliche Vergangenheit, durchlebt auf eigenem abge, ichlvssenem Gebiete — jetzt beginnt für Dein Volk eine neue Gegenwart, eine lange, traurige, leidensvclle, schrcckenreiche Zeü — und diese Zeit soll Jahrtausende dauern, welcvc vor Dir, Ewiger, wie Tage rorüberziehen — und diese lcnge Gegenwart soll Israel durchleben auf fremdem Boden und alle» Theilen und Winkeln der Erde. Aber auch eine Zukunft hast Du Ewiger Deinem ewigen Volke bereitet, e ne späte, lichtvolle, weitstrahlende Zukunft, eine Zukunft, welche dke ganze Menschheit versöhnend umschlingen wird. . .. Himmlischer Vater, o führe Dein Volk durch die dornenvolle Bahn seiner jetzt beginnenden Gegenwart k Sei Du von nun an Selbst sein Hoherpriesier und reinige es von seinen Sünden und Fehlern, bis Du den großen Tag der Zukunft beginnen läßt, an welchem ertönen wird Dein göttliches Wort:!'NN*?V Und aus den werren Räumen debrennenden Tempels tönte ein fernes Echo:— vn-o! Die Grabesstille im Innern des Tempels kehrte zurück, der Hohepriester hatte vollendet sein Gebet und — sei» Lebe» — seine reine göttliche Seele ging im Gebet« aus.... Immer näher und näher wälzten sich die züngelnden Flammen, NS sie den Hochaltar umfinge« uud die Glieder des dahingeschiedenen Greiseverzehrten. Dies war das letzte Drandopfer deS letzten Hohenpriesters zu Jerusalem. — L. Meyer aus UNoclswrk. hr» Hostuchhandluag. —Druck von I. EottSkete» inMaäz»