Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1862)
- Date
- 1862-02-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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6S durch, daß alles Prioatintereffe der Sorge für das > Allgemeine allüberall nachstand, war es möglich, daß der jüdische Geist erhalten blieb und der Einzelne nicht verschwand unter der großen Menge der Be- > kenner anderer Nationen. Dieser Gemeinsinn, der für die zerstreute Heerde Israels von so unendlicher Wichtigkeit ist, droht uns in unserer ebenso materiellen wie selbstsüchtigen Zeit abhanden zu kommen. Gar viele Glaubensgenossen oder vielmehr Stammes-! genossen gibt eS bereits, die sich nicht mehr im Zu- ' sammenhange fühlen mit ihre» Brüdern. Wir be- , dauern das nicht in unserm Interesse, nicht im Interesse des Iudenthums. Das Judenthum wird ewig bleiben, und wird immer seine treuen Bekenner haben.! Wir bedauern es im Interesse Jener, die da abfallen > werden wie welkes Laub. Der Stamm Israels aber; bleibt und treibt immer neue Blüthen. und wenn . von seinen Aesten und Zweigen und Blättern und i Blüthen und Früchten auch Manches dem Sturme! ein Raub wird, so droht damit doch dem Jubenthume! als solchem keine Gefahr, und der Gemeinsinn wird : wieder rege werden wie ehedem; ihn zu erhalten, ihn zu verjüngen, ist uns heilige Pflicht, rn' xvN i n-u iu2o, damit Niemand der uns Angehörigen ver- § loren gehe, '2->r k j'vgn. — lll. Mit der Sorge für die Zukunft steht die Erinnerung an unsere Vergangenheit im engsten Zusammenhänge. Diese mahnt uns an strenge Handhabung des Rechts in mahnendem Wort und strafender Thar. nx Im Adarmonate bezeichnete man! aufs Neue die Gräber, deren Zeichen durch Regen oder Schnee im Winter unkenntlich geworden waren.! Sind nicht auch uns die Denksteine der Gräber hinwegzeschwemmt durch den Strom der Zeit? Wärc eS - sonst möglich, daß die Söhne und Enkel großer Vor- - fahren ganz und gar verlassen hätten das Leben, die Lehre, das Glück der Väter? Lasset, uns wiederum Denksteine stellen auf die Gräber! Wie war doch Israel so glücklich trotz äußerer Noth und Armuth in jenen Zeiten, da es noch fest anhing der Lehre feines GolteS und dessen heiligen Gesetzen. Unter dem Gewände der Armuth schlugen die edelsten Herzen, in den engen, dumpfen und feuchten Hütten : des Ghcttcs wohnte das reinste Familienglück, und ein i EntbehrungSmuth und eine überströmknde Menscheni liebe und eine Hingebung an das Hohe und Heilige, von denen unsere Zeit kaum eine Ahnung mehr hat. In den dumpfen Stuben des unscheinbaren Ghetto- - Hauses ward in der Thora geforscht Tag und Nacht,! und das Elend des Lebens ward durch Gottes Gesetz! umwandclt in ein Paradies, und die Sabbate und; Festrage flechten für den armen Unterdrückten Freud^öänze, wie fl? < Zeit des Wohllebens nich^mehr kennt. j Im Adarmonate, da die Natur zum neuen Le-' den erwacht, bezeichnete man die Gräber. Mitten im frischen frohen Leben soll der Israelit der Gräber gedenken und zugleich des allgerechten Richter-, dev sein wartet jenseits des Grabes. Daran mahne uns die Erinnerung. Kann aber die Erinnerung, die Mahnung nicht mehr fruchten, so trete die kraftvolle, strafende That hervor — -x irr pxsm! Q-wsb n.-i Mwx-Q '"vrp -»vre '-Q1A «-»Vv — ..ubn .-»INI p-ppsv N'V wpm Nachdem man durch öffentlichen AuSruf an da- Kilajim-Berbot erinnert hatte, sandte man nochmals die Goten des Gerichtshofs, um das bereits auf verbotene Weise Gesäete und Gepflanzte auszureißen. Anfangs warf man es den Besitzern des Feldevor die Füße; da aber diese späterhin die Boten des Gerichtshofs verhöhnten und das Äusgemssene als BLehfutter benutzten, so ordnete man an, daß es von nun an auf die Landstraße geworfen werde» sollte; als jedoch noch immer der Uebertretung dadurch nicht gesteuert wurde, so ordnete man an, daß daganze Feld, auf welchem Kilajim gewachsen war, für herrenloses Gut erklärt wurde. Welch' ein Gegensatz zu unserer Zeit! Da die Sünder sich mehrten, schärften die Weisen ihre Tekanoth, und als diese Verordnungen verhöhnt wurden, so Hoden sie dieselben nicht auf, sondern verschärfte» sie nur noch mehr selbst auf die Gefahr hin, daß der Sünder, sich lossage von der Genossenschaft der Tslah (Esra c. 10 v. 8). Auch in unserer Zeit haben sich gemehrt die Aber was verlangt man von uns? Die Einen vergleichen die gegenwärtige Lage de- JudenthumS mit der einebrennenden HanseS; sie schreien, man solle das von ihnen als unbedeutend bezeichnete Möbel in dir Flammen werfen, »m angeblich das Gebäude zu rette». Die Andern vergleichen die Religion der Väter mit einem Sch ffe, welches auf offenem Meere vom Stur« umhergewocfen wird, das der Sturm in*- Meer zn versenken droht; sie schreien, man solle den Ballast auswerfen, um das Schiff zu rette«. Aber die gottgeoffenbarte Religion Israels ist kein aus vergänglichen Stoffen gebautes Hau- und kann nicht von den Flammen verzehrt werden; in ihr gibt eS nichts Unbedeutende-: Die Religion Israelist auch kein von den Wellen umhergkworfenes, schwankendes Schiff; in ihr gibt es keinen Ballast, daß von ihr etwaals überflüssig abgeworfen werden könnte. Die Religion Israels ist ewig, unvergänglich, dascheinbar Kleinste das Größte. Sie ist auch n^ht da- Wert eineirdischen Gesetzgeber- — sie ist ewig, un»