Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1862)
- Date
- 1862-02-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Zeitungsnachrichten und Comspoudeuzen. Deutschland. Mako-, den 4. Fcbr. Von Herrn vr. Würzburger, praktischem Arzte zu Bayreuth (Bayern), geht uns ein Circular zu, in welchem derselbe die Gründung einer Jrrenheilanstalt sür israelitische Kranke unter seiner Leitung anzeigt. Die Angelegenheit erscheint uns sehr wichtig, zumal da wir mehrfach Gelegenheit gehabt haben, zu bemerken, wie deprimirend der Aufenthalt in nichtjüdischen Heilanstalten und die damit nothwendig verbundene nichtjüdische Lebensweise auf die Kranken wirkt. Dazu kömmt noch, daß der Kranke, wenn er Heilung in einer öffentlichen Anstalt sucht, nicht immer in einem Zustande ist, in welchem er wäre, ja manchmal ist er wbn wtv ohne sich den Consequenzen seines Aufenthalts entziehen oder die Heilmethode unterbrechen zu können und zu dürfen. — Das Circular des Herrn vr. W. verspricht vollständige Pflege des für die praktische Psychiatrie so wichtigen religiöse» Elements; es ist ihm daher zur segensvollen und hcilungbringcndeu Ausführung nur Glück zu wünschen.— AuS dem badischen Amte Ettercheim, 29. Jan. Der Bürgermeister von Kipprnheim hat süwmtliche übrigen Bürgermeister unseres Bezirkes auf heute in das hiesige RathhauS zu einer Besprechung berufen. De* Erfolg derselben soll der sein, daß eine Petition gegen Freizügigkeit und Gleichstellung der Juden abgefaßt, eingereicht und auch andere Collegen zum gleichen Sturmlauf eingeladen werden. Von der Gemeinde Eäckingm kam eine Petition gegen die Juden-Emancipation ein. Aus Baden, 28. Jan. Das Gesetz über die bürgerliche Gleichstellung der Juden wird, so glaubt man annehmen zu dürfen, nicht ohne Kampf, aber doch immerhin mit bedeutender Majorität durchgehen. Allerdings besteht in manchen LandeStheilcn noch eine Abneigung gegen die völlige Gleichstellung der Juden. Sobald aber einmal in dem Gefolge des GewerbegesetzeS das neue, schon vorgelegte Niederlassungsgesetz den Juden als GeschäflStreibenden überall den Zutritt gibt, wo sie bisher noch ausgeschloffen waren, ist das Haupthiuderniß beseitigt, und die volle bür-? gerliche Annahme erscheint dann nur noch alSeisßp Kleinigkeit gegenüber diesem hauptsächlichen Fortschrittes Eine einzelne Petition gegen die Gleichstellung der Juden ist bei der zweiten Kammer schon eingega«gen.r Fast ist eS anzunehmen, daß derselben noch mehre«, folgen werde». Das Gesetz über GewetbefreihM wird aber dieser Kundgebung eben so wenig entgehe^? wie das Emancipationsgesetz, und der Standpunkt der Regierung ist ein schon seit zwei Jahren viel Pt. bestimmt ausgesprochener, als daß hier noch eine^ Einwirkung geübt werden könnte. Die Emancipa,.- tionSfrage hat überhaupt eine eigentümliche Wens düng dahin genommen, daß der gebildete Mur» sich . scheut, ein Vorurteil gegen dieselbe zu bekennen^ selbst/ wenn er es auch in Wahrheit fühlt. Er weiß doch, daß es ein Vorurteil ist, was er fühlt. Diese all-r gemeine Anschauungsweise wird auch in der badische» Kammer ihre Einwirkung üben, und keine badische Ortschaft, die eben mit der Sanktion des GewerbegesetzeS den gewerblichen Zunftzwang sprengt, wird; dann »rehr als «christliche Zunft* ihren jüdische»- Mitbürgern einen religiösen Schlagd-um in daS LÜV? gerliche Leben legen wollen! (F. I.): Aus Baden, 31. Jan. Wie vorauszusehen war, mehren sich die Petitionen einzelner Gemeinde» gegen die bevorstehende bürgerliche Gleichstellung der Juden. So weit bisher bekannt, werden dieselben von den Bürgermeistern vorzugsweise begünstigt. ES sind dies die Gemrindevorsteher aus der frühere» RegierungSperiode, und eS scheint demnach, daß der Geist der neue» Verfassung noch nicht Zeit genug gehabt hat, bis zum Boden der Verwaltrrngspyramlde hinab zu dringen. Die Regierung war sich sehr wohh bewußt, daß bei derVerwirklichung der völligen Gleichstellung materielle Interessen zu schonen sind, und sie hat dieselben geschont durch UeLergangSperioden für Eintritt der israelitischen Bürger in Dürgernutze» und Armenpflege. Mit ihren Einwändeu sage» die petitionirenden Gemeinden der Regierung durchannichtS Neues, und die Bürgermeister müssen das Wft mstenum des Innern sür sehr beschränkt halte», wenn sie ihm Tinge sagen wollen, die Jedem einfallen, der sich die Sache übenegt. Die Regierung sagt ausdrücklich in ihren Motiven, eS sej die volle bür* gerliche Gleichstellung ein Gebot der Humanität ruch